Sexskandal Papst schickt Gesandten nach Österreich


Papst Johannes Paul II. hat den Vorarlberger Bischof Klaus Küng zur Aufklärung des Sexskandals in einem Priesterseminar in die österreichische Diözese St. Pölten entsandt.

Papst Johannes Paul II. hat nach dem Sex-Skandal am Priesterseminar von St. Pölten in Niederösterreich den amtierenden Bischof Kurt Krenn mit einem persönlichen Gesandten praktisch entmachtet. Er ernannte den Vorarlberger Bischof Klaus Küng zum so genannten Apostolischen Visitator für die gesamte Diözese St. Pölten. Küng ist damit der erste Gesandte des Vatikans in dieser Funktion in Europa seit mehreren Jahrzehnten.

Krenn soll nach einem Bericht der Tageszeitung "Kurier" noch in dieser Woche in den Vatikan zitiert werden, wo man ihn zum freiwilligen Rücktritt "überreden" wolle.

Untersuchung im Priesterseminar

Der 63-jährige als konservativ geltende Küng soll im Auftrag Roms ab sofort die Vorgänge an dem Priesterseminar untersuchen. Dort hatte die Polizei bei Untersuchungen in den vergangenen Monaten nach anonymen Anzeigen auf Computern tausende Pornofotos aus dem Internet entdeckt. Darunter waren auch zahlreiche Aufnahmen mit verbotener Kinderpornografie. Zumindest gegen einen der 40 Studenten will die Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstatten.

Küng, ein promovierter Mediziner, der dem erzkonservativen "Opus Dei" angehört, soll von Mittwoch an die Diözese St. Pölten unter die Lupe nehmen. Nach Beendigung der Visitation (Untersuchung) werde er dem Papst einen detaillierten Bericht übermitteln, hieß es.

Vorübergehende Entmachtung Krenns

Die unerwartet schnelle Anordnung des Papstes gilt als offizielles Misstrauensvotum für die Amtsführung Krenns, der sich bisher gegen einen Rücktritt sträubt. Zwar "begrüßte" Krenn die Ernennung offiziell. Damit sei "in allen betreffenden Fragen eine Wende zum Guten eingeleitet", hieß es auf der Homepage des umstrittenen Kirchenmannes. Die Ernennung Küngs kommt jedoch einer zumindest vorübergehenden Entmachtung gleich, da der Bischof für die Dauer der Untersuchung keine eigenmächtigen Entscheidungen mehr treffen kann.

Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, gab sich zuversichtlich, dass es bald gelingen werde, "in der Diözese St. Pölten wieder zu Verhältnissen zu kommen, die dem Leben der Kirche förderlich sind." Küng selbst, der 1989 zum Diözesanbischof von Feldkirch ernannt wurde, kündigte an, er werde "sich sofort mit dem Seminar befassen" und "sicherlich eingreifen - dort, wo es nötig ist"


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