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Facebook-Managerin Sheryl Sandberg: Das Leben danach: Wenn der geliebte Partner plötzlich stirbt

Plötzlich stirbt ihr geliebter Mann Dave. Wie kann es danach überhaupt weitergehen? Facebook-Managerin Sheryl Sandberg erzählt in einem berührenden Buch ihre Trauergeschichte. Um Mut zu machen.

Sheryl Sandberg: Die Managerin über den Umgang mit dem Tod

Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, 47, hat über ihr Schicksal ein berührendes Buch geschrieben

"Wo ist der Fitnessraum?" Diese harmlose Frage löst bei heute noch Angst aus, Herzrasen – sofort ist der Moment wieder da, der ihr Leben veränderte. Plötzlich. Brutal.

Es war ein warmer Freitag Anfang Mai 2015, Sheryl Sandberg, die Nummer zwei des Weltkonzerns , verbrachte mit ihrem Mann ein paar Tage in einer Ferienanlage an der Pazifikküste Mexikos. Am Pool spielte das Paar "Siedler von Catan" auf iPads.

Der 47-Jährige lag bewusstlos in einer Blutlache

Die beiden hatten sie in Kalifornien gelassen, die Großeltern passten auf. Irgendwann schlief Sandberg ein. Ihr Mann, das wusste sie, wollte noch trainieren. Als sie nach einer Stunde aufwachte, war er noch nicht zurück. Als sie sich fürs Abendessen fertig machte, wurde sie nervös. "Wo ist der Fitnessraum?"

Sie kam zu spät, der 47-Jährige lag bewusstlos in einer Blutlache. Beim Training hatte sein Herz versagt, und er war gestürzt. Sie versuchte, ihn wiederzubeleben, vergebens. Auch in der Klinik konnte später niemand Dave Goldberg mehr helfen. Er starb.

"So begann der Rest meines Lebens", wird Sandberg später schreiben. "Es war – und ist – ein Leben, wie ich es nie selbst gewählt hätte, auf das ich in keiner Weise vorbereitet war."

Sie waren das Powerpaar im kalifornischen Silicon Valley: Internetmanagerin Sheryl Sandberg und IT-Unternehmer Dave Goldberg. Er starb im Mai 2015 im Alter von 47 Jahren an Herzversagen. Während eines Kurzurlaubs hatte er im Fitnessstudio trainiert

Sie waren das Powerpaar im kalifornischen Silicon Valley: Internetmanagerin Sheryl Sandberg und IT-Unternehmer Dave Goldberg. Er starb im Mai 2015 im Alter von 47 Jahren an Herzversagen. Während eines Kurzurlaubs hatte er im Fitnessstudio trainiert

Was Sandberg zustieß, mitten in einem heiteren, wohlgeordneten Alltag, war ein traumatisierender Verlust. In Millionen Leben kommt so etwas vor. Und doch ist kaum einer darauf vorbereitet, wenn alles, was sicher schien, zerfällt. Wenn der Partner stirbt oder ein Kind. Es ist der Verlust des Vertrauten, Geliebten, der Zukunftsvision, der alles infrage stellt. Wie soll ich jemals wieder zurückfinden ins Leben?

Sheryl Sandberg hat ein berührendes Buch über ihre Geschichte geschrieben, Titel: "Option B", diese Woche erscheint es auf Deutsch. Die Managerin berichtet darin, wie sie damit rang, eine zweitbeste Variante ihres Lebens zu entwerfen.

Schon einmal hat die Milliardärin aus dem Silicon Valley mit ihren sehr persönlichen Erfahrungen eine Debatte angestoßen. Mit ihrem Bestseller "Lean In" forderte sie Frauen auf, sich im Job nicht unterkriegen zu lassen.

Es gibt die Chance, das Leben eines Tages wieder zu lieben

Ihre neue Botschaft mag missionarisch und amerikanisch klingen – aber sie lenkt den Blick auf Elementares: Es gibt die Chance, das Leben eines Tages wieder zu lieben. Manchen gelingt das leichter, manchen sehr viel schwerer. Allen kann es helfen, darauf zu vertrauen, dass in jedem Menschen geradezu grandiose Überlebenskräfte wohnen.

"Resilienz" ist der Fachbegriff dafür. Diese Widerstandskraft, weiß man heute, ist kein Zufall. "Man kann seine Resilienz trainieren. Wie einen Muskel", sagt der renommierte Psychologe Adam Grant, Professor an der Wharton Business School in Pennsylvania. Er hat tagelang mit Sandberg darüber gesprochen und mit ihr zusammen das Buch verfasst.

Grant sieht drei wesentliche Reaktionen auf Schicksalsschläge: "Sie können Menschen zerstören, Depressionen, Ängste, psychische Krankheiten auslösen. Oder: Menschen verarbeiten das Ereignis und werden irgendwann wieder zu der Person, die sie vorher waren. Und es gibt Menschen, die wachsen daran, die werden stärker, die erschließen sich neue Möglichkeiten."

Sheryl Sandberg gewährt einen tiefen Einblick in die ersten Tage, Wochen und Monate nach dem Tod ihres Mannes. Wie sie und ihre beiden Kinder bei der Beerdigung zusammenbrachen, wie die Vorstellung sie quälte, dass ihre Kinder nun ohne Vater aufwachsen würden. Aber Sandberg beschreibt auch, wie sie auf Freunde und Kollegen traf, die aus Unsicherheit so taten, als wäre nichts geschehen, die es nicht wagten zu fragen: Wie geht’s dir jetzt? Und sie beschreibt, wie sie dennoch erste Schritte unternahm, ihren Schmerz einzuhegen, ihn zu greifen. Ein Rabbi empfahl der Jüdin Sandberg: "Lean in to the suck." Stell dich dem Mist.

Sheryl Sandberg half sich mit kleinen Tricks für den Alltag

Die Managerin begann, Tagebuch zu schreiben. Indem sie ihren Schmerz in Worte fasste, glaubte sie, ihn ein Stück weit beherrschbar zu machen. Der erste Satz lautete: "Heute werde ich meinen Mann begraben. Wie unvorstellbar das ist."

In der jüdischen Tradition dauert die Schloschim, die Trauer für einen Partner, 30 Tage. Nach dem Ende dieser Phase packte Sandberg ihren Schmerz auch in einen Facebook-Post. Es war ein Aufschrei, ein Wehklagen in moderner Form. Über 400.000 Mal ist der Beitrag geteilt, rund 75.000 Mal kommentiert worden.

Sandberg nutzte kleine Tricks, um ihren Alltag erträglicher zu machen. Die Worte "niemals" und "immer" strich sie aus ihrem Wortschatz, weil sie sich nicht selbst einreden wollte, niemals wieder glücklich sein zu können. Und sie begann, sich jeden Tag Erfolgserlebnisse zu notieren: "Tee gemacht", "alle E-Mails gelesen" – so etwas war das am Anfang. Das half ihr, wieder Vertrauen zu gewinnen, in sich selbst, in das Leben. Nach dem 48. Geburtstag ihres Mannes hörte sie mit dem Tagebuchschreiben auf: "Dies ist der letzte Eintrag. Hinter mir liegen die längsten 22,5 Wochen – 156 Tage – meines Lebens. Ich gebe mir einen Ruck, um weiter voranzukommen", schrieb sie. Es war der Zeitpunkt, an dem sie fühlte, dass es Zeit für Option B war.

Etwa zehn Monate nach dem Tod ihres Mannes zeigte sich Sheryl Sandberg mit einem neuen Mann an ihrer Seite, Bobby Kotick, der mit Computerspielen Milliarden verdient hat. Sie erhielt viel Zuspruch, aber es gab auch Unverständnis – in einem Kommentar im Netz wurde sie sogar als "Dreckshure" bezeichnet. Als sie mit Kotick ein Fest besuchte, sagte eine Frau zu ihr: "Wie schön zu sehen, dass Sie über Daves Tod hinweggekommen sind!" Gut gemeint, aber eine Fehleinschätzung. Sie lebe weiter, schreibt Sandberg, aber über den Verlust ihres Mannes werde sie nie hinwegkommen. Um den Hals trägt sie eine Kette. An ihr hängen zwei verschweißte Ringe – ihre Eheringe.

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