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Shetland-Inseln: Der Engländer, der eine Insel besetzt

Der Engländer Stuart Hill kämpft gerne gegen den Rest der Welt, am liebsten auf weit abgelegenen Teilen des britischen Königreichs. Sein neuester Coup: Er hat die Insel Forvik auf den Shetlands für unabhängig erklärt. Und trotzt den Sturmwinden erst einmal in einem kleinen Zelt.

Von Cornelia Fuchs

Etwas kann man mit Sicherheit über den Engländer Stuart Hill sagen: Er gibt nicht auf, auffallen zu wollen. In den Shetlands hat er sich seinen Spitznamen Kapitän Katastrophe redlich verdient seit seiner unrühmlichen Ankunft auf den weit nördlich von Schottland gelegenen Inseln im Jahr 2001. Damals war Hill alleine in einem Ruderboot unterwegs, ein Windsurfsegel fest in dem Vier-Meter-Rumpf montiert. Einmal ganz Großbritannien wollte Hill umrunden, und wie es sich für ihn gehört natürlich gegen den Uhrzeigersinn.

Alle Warnungen hatte er in den Wind geschlagen als er in Yarmouth im Süden schon einmal fast gekentert war. Er habe sein Boot sicher konstruiert, behauptete er, es werde sich immer wieder aufrichten. Dann nahm er seine Wanderkarten in die Hand, nach denen er sich seinen Weg an der Küste entlang bahnte, verlor seine Funkgeräte und ward von der Küstenwache nicht mehr gesehen, bis er einen Hilferuf per Satellitentelefon aussandte. Sein Boot war in Sechs-Meter-Wellen zwischen den Shetland-Inseln gegen alle seine Voraussagen gekentert - er hatte vergessen, es mit Beladung auszuprobieren.

"Jeder Rentner sollte so etwas mal machen"

Seitdem ist dieser Katastrophen-Kapitän auf den Shetlands geblieben. Seine Frau Violet hatte ihn damals verlassen und seine letzten 30 Pence waren nach seinen eigenen Angaben mit dem Boot untergegangen. Er musste eine neue Mission finden - vor allem weil er, wie er nun in einem Interview freudestrahlend einem Reporter der Tageszeitung "Guardian" mitteilte, ja beschlossen hat, bis zum Alter von 117 Jahren zu leben und somit noch fast die Hälfte Leben vor sich habe.

Und um dieses Restleben mit Sinn auszufüllen, hat Stuart Hill das ein Hektar große Inselchen Forwick Holm weit draußen in der Nordsee besetzt, und es zu einem eigenen Staat erklärt. "Das macht doch alles mächtig viel Spaß - so etwas sollte jeder Rentner mal machen", posaunte er heraus. Aber eigentlich, fügt er dann schnell noch an, eigentlich sei dies natürlich alles furchtbar ernst und politisch unglaublich relevant.

Die Shetlands seien nur eine Pfandgabe

Er habe nach intensiven Recherchen eindeutig herausgefunden, dass die Shetlands auf gar keinen Fall der königlichen Krone gehören und daher alles, von Fischereirechten über Ölbohr-Konzessionen bis zum EU-Beitritt, neu geregelt werden müsse. Es sei alles historisch nachzuweisen: Die Shetlands seien 1649 vom norwegischen König Christian an den schottischen König James III verpfändet worden, damit dieser die Mitgift seiner Tochter an James zahlen konnte. Es habe jedoch keinerlei zeitliche Begrenzung dieser Pfändung gegeben. Also seien die Shetlands weiter nur eine Pfandgabe und kein Eigentum der britischen Krone.

Dass auch Pfandgaben nach einigen Jahrhunderten meist in den Besitz der Pfandleiher übergehen, übersieht Stuart Hill großzügig. Stattdessen ist er fleißig dabei, sein neues Reich auszubauen und beginnt mit einer 25-Quadratmeter-Struktur aus Holz und Fischernetzen, die angeblich auch die Sturmwinde auf dem ungeschützten Felsblock im Meer aushalten sollen.

Die Shetländer reagieren zurückhaltend bis feindlich

Hill hofft, dass ihm die Bewohner von Shetland in Scharen zulaufen werden und zählt auf das schon immer schwierige Verhältnis der Inselbewohner zu der großen Insel im Süden. Gerade gibt es eine Auseinandersetzung zwischen den Vertretern Shetlands und Londons über die Rechte an der Ausbeutung des Meeresbodens - aufgrund der Ölvorkommen ein Sieben-Milliarden-Pfund-Vorhaben.

Doch die Reaktion der Shetländer auf Hills neuen Staat ist dezidiert zurückhaltend bis feindlich. Auf dem Internetforum "Shetlink" fordert ein Mitglied: "Wir sollten ihn dahin deportieren, wo er herkam - fühle das nur ich oder zieht Shetland tatsächlich immer die Verrückten an?" Ein anderer hat einen guten Tipp für den Staatsmann: "Wasser und Stuart Hill, das hat schon immer zu Katastrophen geführt. Ich empfehle ihm, als erstes ein gutes Seerettungs-Team zu etablieren da draußen im Meer. Gott sei Dank sind wir und unsere Steuern für diesen neuen Staat und seinen Einwohner nicht mehr zuständig!"