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Shisha-Bars: Raus mit dem Rauch

Die Gäste der Shisha-Bars kommen nur aus einem Grund: Sie wollen Rauchen. Doch genau das soll aus der Öffentlichkeit verbannt werden. Wegen des Gaststätten-Rauchverbots stehen nun viele vor dem Aus. Doch nicht alle geben so schnell auf.

Von Catherine Grim

Süßer Rauch wabert durch den Raum. Im Schummerlicht fläzen sich die Gäste auf orientalischen Kissen. Sie nippen an ihren Getränken und unterhalten sich. Ab und zu zieht einer von ihnen am Mundstück der Shisha, die vor ihnen auf dem niedrigen Tisch steht. Das Wasser im Bauch der Wasserpfeife blubbert, im Hintergrund klimpert gedämpfte arabische Musik. Es riecht nach Früchten. Nach Apfel und Pfefferminz, Honig oder Banane.

So oder so ähnlich geht es allabendlich in einer der zahlreichen Wasserpfeifen-Bars der Republik zu. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene treffen sich dort zum entspannten Rauchen. Schick ist es zurzeit. In diesem Jahr haben unzählige Shisha-Bars geöffnet. Leider ist der Trend zum falschen Zeitpunkt nach Deutschland herübergeweht. Denn Bundesregierung und Länder machen Ernst mit dem Rauchverbot in Kneipen, Restaurant und Discos. Spätestens ab Anfang nächsten Jahres darf in nahezu allen Bundesländern nicht mehr geraucht werden, außer die Gaststätten richten einen eigenen Raum dafür ein.

Also müssen auch die Wasserpfeifen aus den Bars verschwinden. Entsprechend wenig begeistert sind die Wirte der Shisha-Lokale, schließlich kommen die Leute nur aus dem Grund her, der zunehmend aus der Öffentlichkeit verbannt werden soll: dem Rauchen.

Natürlich werden in den halben Meter hohen Wasserpfeifen keine Drogen konsumiert. Das aus dem orientalischen Raum stammende Gefäß wird traditionell mit Fruchttabaken gefüllt. Apfelaroma ist einer der Klassiker, mittlerweile gibt es eine unübersichtliche Palette von Geschmacksrichtungen - von Kokos über Aprikose bis zu Cola.

Wie gefährlich ist der Rauch aus Wasserpfeifen

Über die Schädlichkeit des Rauchs aus Wasserpfeifen wird beherzt gestritten. Shisha-Anhänger behaupten, das Wasser würde den Rauch besser von Schadstoffen reinigen als irgendwelche Zigarettenfilter. Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin aber kommt in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Shisha-Raucher zum Teil mehr Teer, Kohlenmonoxid und andere Schadstoffe inhalieren, als sie durch filterlose Zigaretten in die Lungen bekämen.

Gesundheit hin oder her - viele Wasserpfeifen-Barbesitzer stehen nun vor der Frage: Was tun? "Bis Ende Oktober wird das Rauchen in Kneipen noch nicht bestraft", sagt Makram Hadeed, Inhaber einer Shisha-Bar im niedersächsischen Göttingen. "Bis dahin muss ich eine Lösung gefunden haben. Ich habe so viel Geld in diesen Laden investiert, den kann ich doch nicht einfach schließen." Natürlich serviert Hadeed in seiner Bar auch Getränke. Aber die meisten Gäste kämen eben zum Rauchen. Einzige Möglichkeit für ihn, die Wasserpfeifen im Laden zu behalten: Ein vom Hauptraum abgeschlossener Nebenraum, in dem gequalmt werden darf. Den versucht der Wirt jetzt von der benachbarten Diskothek anzumieten. Obwohl das auch nicht die Lösung sein könne: "Im rauchfreien Hauptraum wird dann bestimmt niemand mehr sein."

Drei Shisha-Barbesitzer aus Lüneburg haben sich einen Kniff ausgedacht und sehen das neue Gesetz deshalb relativ gelassen. "Wenn die Regierung nicht zu Kompromissen bereit ist, machen wir halt eine Spielhalle aus unserer Lounge", sagt Mitinhaber Andreas Holland. "Keine Getränke und Speisen mehr, dafür ein paar Spielautomaten, eine Playstation - und eben Wasserpfeifen. Das wird schon klappen." Denn eine Spielhalle ohne Speisen und Getränke gilt nicht mehr als Gaststätte - also darf weiter süßer Dunst in die Luft geblasen werden.

Lokalbesitzer packen Existenzängste

Während die Lüneburger mit ihrem Ausweichkonzept zufrieden sind, packen andere Lokalbesitzer nackte Existenzängste. In Baden-Württemberg bekommen illegale Qualmer das Rauchverbot in Kneipen schon seit August in aller Härte zu spüren. Bei Verstoß müssen sie ein Bußgeld zwischen 40 und 150 Euro berappen. Zwar brauchen die Lokal-Inhaber dort nicht selbst in die Tasche zu greifen, sondern die erwischten Raucher. Aber natürlich ärgern sich viele Kneipiers. Daniel Ohl vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg kennt die Probleme der Bar-Betreiber: "Vor allem die Inhaber der kleinen Betriebe haben Angst, durch das Rauchverbot schließen zu müssen." Deswegen will der Dehoga jetzt Verfassungsbeschwerden gegen das Rauchverbot unterstützen. Dafür wählt der Interessenverband in den nächsten Wochen vor allem Kleinbetriebe aus, um ihnen bei einer Klage unter die Arme zu greifen. Ihre Strategie: Kneipen, die aus Platzgründen keinen eigenen Raucherraum schaffen können, haben die größten finanziellen Einbußen und somit die besten Erfolgsaussichten in Karlsruhe. Darunter würden auch die Wasserpfeifen-Lokale fallen.

In Hamburgs Bars und Kneipen darf noch bis Ende des Jahres geraucht werden. Die Besitzer der Shisha-Bars haben also noch knapp drei Monate Zeit, sich Gedanken zu machen. Für den Ägypter Magdy Rezkalla ist das Rauchverbot aber schon jetzt eine Katastrophe: "Ich kann mein Leben doch nicht aufgeben! In meiner Bar treffen sich seit sechs Jahren verschiedene Nationalitäten zum friedlichen Rauchen - und das wollen mir die Behörden kaputt machen?" Rezkalla will auf jeden Fall weitermachen.

Chaos bei den Kontrollen

Ob es deswegen Probleme geben wird, ist derzeit noch unklar. Denn noch können die Barbetreiber auf das Chaos bei den Kontrollen bauen. In der Hansestadt etwa wachen die Bezirke über die Durchsetzung des Rauchverbots. In Niedersachsen die kommunalen Ordnungsbehörden. Und selbst wenn das Verbot von den Ämtern durchgesetzt wird, ist noch offen, ob und wie hoch die Bestrafung ausfallen wird. Bei den zuständigen Behörden jedenfalls variieren die Ansichten über das Strafmaß von Ort zu Ort und von Bundesland zu Bundesland.

Ob findig wie die Lüneburger oder verzweifelt wie die Hamburger Shisha-Barbesitzer - alle hoffen nun auf eine gesetzliche Ausnahmeregelung aufgrund ihrer speziellen Situation. "Die Leute von der Behörde können sich gerne mein Lokal anschauen. Dann sehen sie mal, wie schön es hier ist." Vielleicht könnten sie dann einen gemeinsamen Weg finden. Auch wenn zum Schluss keine Friedenspfeife geraucht wird.