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Shitstorm in Indien Polizeichef vergleicht Vergewaltigung mit Sportwetten


Indiens Polizeichef spricht sich für die Legalisierung von Sportwetten aus. Dann zieht er einen kruden Vergleich: Wenn es ähnlich wie Vergewaltigungen nicht verhindert werden kann, "dann genieß es".

Eigentlich ging es um die Legalisierung von Sportwetten in Indien. So könne der Staat zusätzliche Steuern einnehmen, argumentierte Indiens Polizeidirektor Ranjit Sinha. Hängen blieb jedoch ein Vergleich zwischen Tippspielen und Vergewaltigungen, den er in Neu-Delhi zog. Eben jener Metropole, in der vor fast einem Jahr ein nationales Trauma ausgelöst wurde.

Laut der "Times of India" sagte Polizeichef Sinha am Dienstag: "Wenn es staatliche Lotterien gibt, wenn es Kasinos für Touristen gibt und wenn die Regierung tatsächlich darüber nachdenkt Steuersündern Deals anzubieten, wenn sie sich selbst anzeigen - wo soll dann die Gefahr liegen, wenn wir Sportwetten erlauben?"

Hätte er an dieser Stelle seinen Kommentar beendet, wäre die Debatte wahrscheinlich beim Thema geblieben. Die notwendigen Behörden zur Kontrolle gäbe es ja schon. Um seinen Standpunkt zu zementieren, holte Sinha zu einem folgenschweren Vergleich aus: "Wenn man das Gesetz nicht durchsetzen kann, ist es als ob wir sagen, wenn du Vergewaltigungen nicht verhindern kannst, dann genieß es."

"Der Top-Polizist des Landes?"

Später sagte Sinha laut dem Nachrichtensender NDTV, er habe "nur ein Sprichwort verwendet, um etwas zu veranschaulichen". Aber der Schaden war da. Mehrere Politiker bezeichneten den Kommentar als abscheulich und forderten seinen Rücktritt. Auf Twitter ergießt sich seither ein Tweet-Schwall über ihn, der sich zwischen Entsetzen und Zynismus einpendelt.

"Ich glaube, Polizeichef Ranjit Sinha sagte es, weil es ihm gefällt seit Jahren vom politischen Establishment vergewaltigt zu werden", heißt es da etwa. Der Name des Polizeichef tauchte kurz darauf in den Trendcharts von Twitter auf. "Dieser.. ähm.. Gentleman ist der Top-Polizist des Landes?", schreibt die einflussreiche CNN-Journalistin Sagarika Ghose. Der Kommentar sei ein weiterer Beweis für die tiefe Verankerung von Frauenfeindlichkeit in der indischen Gesellschaft, ist der Tenor auf Twitter.

Eine Kultur der Vergewaltigung

Sinha ist bei weitem nicht der Erste, der wegen unsensiblen oder frauenfeindlichen Kommentaren in der Kritik steht. Ein Abgeordneter aus dem Bundesstaat Andrha Pradesh sagte in Anspielung auf die Gründung Indiens am 15. August 1947 um Mitternacht: "Sollen Frauen um Mitternacht auf die Straßen dürfen, nur weil Indien um Mitternacht befreit wurde?" Ebenso sorgte der Kommentar eines Gurus für Schlagzeilen, der Opfern empfahl, ihre Täter mit "Bruder" anzusprechen. Auf diese Weise würden die Täter ablassen. Frauenrechtler sprechen hingegen von einer Kultur des Vergewaltigens, die in Indien in der Gesellschaft verankert sei.

Vor knapp einem Jahr löste der Fall einer Gruppenvergewaltigung in Neu-Delhi landesweite Proteste aus. Eine 23-jährige Frau wurde von fünf Männern und einem Jungendlichen so schwer missbraucht, dass sie Tage später an ihren schweren Verletzung starb. Mittlerweile wurden vier der Täter zum Tode verurteilt. Der mutmaßliche Haupttäter wurde kurz vor Verhandlungsbeginn tot in seiner Zelle gefunden. Der Jugendliche wurde zuvor zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Im Jahr 2011 wurden laut der Organisation Human Rights Watch 24.206 Vergewaltigungen angezeigt. Es sei jedoch eindeutig, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liege.

ono mit Agenturen

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