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Apostolische Visitation Skandal um Kardinal Woelki: Papst Franziskus schickt Prüfer ins Erzbistum Köln

Kardinal Rainer Marika Woelki blickt ernst
Kardinal Rainer Maria Woelki will die Prüfer "mit voller Überzeugung" in ihrer Arbeit unterstützen, wie er sagte
© Oliver Berg / DPA
Die Krise um Kardinal Woelki nimmt eine radikale Wende: Papst Franziskus entsendet die Bischöfe von Stockholm und Rotterdam zu einer offiziellen Überprüfung ins Erzbistum Köln.

Das Erzbistum Köln von Kardinal Rainer Maria Woelki wird auf Anordnung von Papst Franziskus überprüft. Das Oberhaupt der katholischen Kirche entsendet eine sogenannte Apostolische Visitation in das größte deutsche Bistum. Es befindet sich seit Monaten in einer schweren Krise.

Mit der Überprüfung beauftragte Franziskus zwei Bischöfe und ernannte sie zu Apostolischen Visitatoren: Kardinal Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, und Johannes van den Hende, Bischof von Rotterdam und Vorsitzender der Niederländischen Bischofskonferenz. Sie sind mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet und sollen auch mögliche Fehler von Kardinal Woelki und weiteren Kirchenvertretern im Umgang mit Missbrauchsfällen und Vertuschungsvorwürfe untersuchen.

Mögliche Fehler von Kardinal Woelki im Fokus der Untersuchung

"Die Gesandten des Heiligen Stuhls werden sich im Laufe der ersten Junihälfte vor Ort ein umfassendes Bild von der komplexen pastoralen Situation im Erzbistum verschaffen", teilte das Erzbistum Köln am Freitag mit. Sie würden "eventuelle Fehler Seiner Eminenz Kardinals Woelkis" untersuchen.

Im Fokus stehen aber auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße – ehemals Personalchef in Köln – sowie die beiden beurlaubten Kölner Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff. Auch ihr Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs wird von den beiden Beauftragten des Papstes untersucht.

Woelki erklärte in Köln, er habe Papst Franziskus bereits im Februar "umfassend über die Situation in unserem Erzbistum informiert". Er begrüße, dass sich der Papst nun ein eigenes Bild über die Situation verschaffen wolle. Er werde Kardinal Arborelius und Bischof van den Hende "mit voller Überzeugung" in ihrer Arbeit unterstützen, betonte der Kardinal.

Das Erzbistum Köln befindet sich seit vielen Monaten in einer schweren Vertrauenskrise, die sich in einer Welle von Kirchenaustritten spiegelt. Die Krise begann damit, dass Woelki eine von ihm selbst in Auftrag gegebene Untersuchung zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs zurückhielt. Dafür führte er rechtliche Bedenken an.

Mehrere Geistliche mussten schon wegen des Missbrauchsskandals gehen

In einem neuen Gutachten, das im März vorgestellt wurde, war Woelki im Zusammenhang mit Vorwürfen der Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs persönlich entlastet worden. Einen Rücktritt lehnte er ab. Nach der Veröffentlichung des Gutachtens verloren allerdings mehrere ranghohe Geistliche wegen persönlicher Verfehlungen ihre Ämter.

So boten der in dem Gutachten stark belastete Hamburger Erzbischof Heße und der Kölner Weihbischof Schwaderlapp Papst Franziskus den Rücktritt an. Der Kölner Weihbischof Puff wurde von Woelki vorläufig freigestellt, Kirchenrichter Günter Assenmacher von seinen Aufgaben entbunden. Der frühere Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff zog sich aus dem Kölner Priesterrat zurück.

Bei Puff handelt es sich um den ehemaligen Leiter der Hauptabteilung Seelsorge Personal, dem in dem Gutachten ein Verstoß gegen die Aufklärungspflicht in einem Fall zur Last gelegt wurde.

Gutachten zählte mehr als 300 Opfer

Die Kanzlei Gercke bewertete in ihrem Gutachten auf Grundlage von Akten den Umgang des Kölner Erzbistums mit Missbrauchsfällen in den Jahren 1975 bis 2018. Heße war dort früher Generalvikar und Diozesänadministrator und trug Verantwortung für das Personal, bevor er im März 2015 zum Erzbischof in Hamburg ernannt wurde.

Die Gutachter stellten insgesamt 75 Pflichtverletzungen fest, die von acht lebenden oder verstorbenen Verantwortlichen bei der Aufarbeitung begangen wurden. Demnach gab es insgesamt 202 Beschuldigte und 314 Opfer sexuellen Missbrauchs. Mehr als die Hälfte der damaligen Opfer waren laut Gutachten Kinder im Alter unter 14 Jahren.

Kirchenaustritte und Rücktrittsforderungen an Woelki

Der Skandal um die Vorgänge im Kölner Erzbistum versetzte die katholische Kirche in Aufruhr, zahlreiche Gläubige traten dort bereits aus. Zuletzt hatten 14 der 15 Kreis- und Stadtdechanten von Woelki "persönliche Konsequenzen" und damit seinen Rücktritt gefordert.

FC Everton

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anb DPA AFP

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