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Skandal um Limburger Bischof: Aufstand für den Anstand

Es wird eng für Franz-Peter Tebartz-van Elst, den umstrittenen Bischof von Limburg. Ihm droht eine Anklage wegen Falschaussage, und nun rebelliert auch noch sein Kirchenvolk.

Von Frank Ochmann

Er hat derzeit wirklich schwer zu tragen, der Bischof von Limburg. Erst machte sich, wie seine Verteidiger giften, eine böse und feindselige Pressemeute wegen eines öffentlich gewordenen 1.-Klasse-Fluges nach Indien über Franz-Peter Tebartz-van Elst her. Dann gesellte sich die Staatsanwaltschaft Hamburg dazu, weil in dieser Sache der Verdacht einer eidesstattlichen Falschaussage des Bischofs vorliegt. Da allerdings regte sich auch längst schon Widerstand unter den eigenen Priestern und Hauptamtlichen gegen den, wie sie es empfanden, autoritären Führungsstil und dazu gegen das barocke Gepränge ihres Chefs.

Das verdichtet sich inzwischen symbolisch in einem imposanten, kürzlich eingeweihten Neubau neben dem Limburger Dom, der als "Diözesanes Zentrum" firmiert, tatsächlich aber, wie Kritiker glauben, nur die prachtvolle neue Residenz des Limburger Bischofs unter irreführendem Namen ist. Seit dem Wochenende hat der Konflikt die nächste Stufe erreicht. Denn nun erhebt sich auch noch das Kirchenvolk, zumindest in Teilen, gegen seinen Oberhirten.

Umkehr und Dialog gefordert

Am Rande des Stadtkirchenfestes, das die "zur Diözese gehörenden Frankfurter jährlich zum Bartholomäustag rund um den Kaiserdom feiern, wurde – im Dom – ein offener Brief an den Bischof verlesen, dessen Verfasser und Unterstützer Tebartz-van Elst nachdrücklich zur Umkehr und zum Dialog auffordern. Nicht weniger als die Zukunft des Bistums sehen sie "in hohem Maße gefährdet". Applaus gab es für solche Worte, ein verhaltenes Schmunzeln etlicher anwesender Priester im Chorraum, und im Anschluss drängten sich die Gläubigen, um den Appell an den Bischof zu unterzeichnen. Tags darauf waren es schon rund tausend Unterschriften.

Das Vertrauen zwischen dem Hirten und seiner geistlichen Herde scheint zumindest aus Sicht der Aufständigen allerdings längst verspielt. Wenn etwa der Stadtdekan von Frankfurt, zugleich Mitglied des Domkapitels in Limburg, seinem Bischof öffentlich vorschlägt, doch erst einmal ein paar Jahre als Pfarrer an der pastoralen Front zu verbringen, und mit den so gewonnenen Erfahrungen gegebenenfalls auf die Limburger Kathedra zurückzukehren, dann ist das nichts anderes als eine seelsorglich hübsch verpackte Aufforderung zum Rücktritt.

Während am römischen Tiber Papst Franziskus mit Wärme und bewusst schlichtem Auftreten die Herzen der Menschen für sich gewinnt, residiert der Bischof von Limburg inzwischen als abschreckendes Gegenbeispiel über der Lahn. Wie aus der Zeit gefallen wirkt er. Und das war auch schon nicht viel anders, als Benedikt XVI. noch im Apostolischen Palast regierte. Zwar war da der liturgische Pomp im Vatikan noch gewaltig. Gold, Purpur und Hermelin bestimmten vor allem gegen Ende des Pontifikats den Stil. Doch wäre niemand mit halbwegs Sachkenntnis auf den Gedanken gekommen, Benedikts persönliche Lebensverhältnisse für großspurig zu halten.

"Karrieredenken ist wie Lepra!"

Anders ging es da schon in Limburg zu und auch zuvor in Münster, wo Tebartz-van Elst seine bischöfliche Karriere an der Seite des im April verstorbenen Reinhard Lettmann begann. Von ihm, dessen Vater auf der Zeche gearbeitet hatte, hätte der Sohn eines niederrheinischen Bauern lernen können. Auch von einem anderen Münsteraner, Franz Kamphaus, der Tebartz als Bischof nach Limburg vorausgegangen war und schon damals einen Stil pflegte, der sich von dem des heutigen Papstes allenfalls in Nuancen unterschied. Kein Palais, kein Prunk, keine Protzerei.

Als Franziskus Anfang Juni mit künftigen vatikanischen Diplomaten zusammenkam, warnte er die eindringlich: "Bitte, macht euch nicht lächerlich! Seid Heilige, oder aber geht zurück in eure Diözesen und arbeitet als Pfarrer." Ohne eine tiefe Frömmigkeit sei der Gefahr einer Verweltlichung besonders in höheren Ämtern nicht zu begegnen. "Karrieredenken ist wie Lepra! Lepra! Bitte kein Karrieredenken!", schärfte der Papst den 45 Studenten ein. Sie müssten sich vor Ehrgeiz hüten und vor persönlichen Zielen, die der Kirche so viel Schaden zufügen könnten. Ohne den Geist eines wahren Hirten gäben sie ihre heilige Mission der Lächerlichkeit preis, wiederholte der Papst noch einmal mit Nachdruck. Eingedenk dieser ernsten Worte des Bischofs von Rom und angesichts seiner eigenen vertrackten Lage wird Tebartz-van Elst in den nächsten Tagen und Wochen sehr genau überlegen müssen, was für ihn geboten ist, um das Amt eines Limburger Bischofs nicht gänzlich der Lächerlichkeit preis zu geben.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?