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Skandal um Limburger Bischof: Katholiken verlassen die Kirche in Scharen

Überteuerter Neubau, Erste-Klasse-Flug, Falschaussage - die Liste der Vorwürfe gegen Bischof Tebartz-van Elst ist lang. In seinem Bistum stieg die Zahl der Kirchenaustritte auf Rekordniveau.

Muss Franz-Peter Tebartz-van Elst bald seinen Hut nehmen? Die Ermittlungen gegen den Limburger Bischof stehen vor dem Abschluss.

Muss Franz-Peter Tebartz-van Elst bald seinen Hut nehmen? Die Ermittlungen gegen den Limburger Bischof stehen vor dem Abschluss.

Mehr als 4000 Katholiken protestierten per Unterschrift gegen ihn, ranghohe Kirchenleute gingen bereits auf Distanz: Es wird immer einsamer um den skandalumwitterten Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Laut einem Bericht des "Spiegel" ist die anhaltende Kritik auch an den Kirchenaustritten in seinem Bistum abzulesen. Unter Berufung auf die Zahlen mehrerer Amtsgerichte berichtete das Magazin, angesichts des anhaltenden Skandals um den Bischof hätten die Kirchenaustritte erheblich zugenommen. Insgesamt hätten rund 25.000 Katholiken seit Tebartz-van Elsts Amtsantritt zum Jahresbeginn 2008 ihre Kirche verlassen.

Für das Jahr 2012 verzeichnet das Limburger Amtsgericht demnach mehr als doppelt so viele Austritte wie noch im Jahr 2004. Obwohl sie es nicht müssten, hätten einige Katholiken ihren Kirchenaustritt auch begründet. Laut "Spiegel" störten sie sich an dem "Protzbau" des Bischofs, seinem autoritären Führungsstil sowie an dem Erste-Klasse-Flug nach Indien, der Tebartz-van Elst zuletzt reichlich Ärger eingehandelt hatte.

Ermittlungen wegen falscher Versicherung an Eides Statt

Gemeinsam mit Generalvikar Franz Josef Kaspar war Tebartz-van Elst Anfang 2012 nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen. Als der "Spiegel" ihnen vorwarf, dies sei per Erste-Klasse-Flug geschehen, soll Tebartz-van Elst dies zunächst gegenüber dem Magazin dementiert haben, gestand es später jedoch öffentlich ein. Zuvor hatte er eine eidesstattliche Versicherung beim Landesgericht Hamburg abgelegt und dem "Spiegel" untersagt, über ein angebliches Dementi zu berichten. Der "Spiegel" konnte jedoch Beweise vorlegen, weshalb die Staatsanwaltschaft Hamburg nun wegen Falschaussage gegen den Limburger Bischof ermittelt. Auch gingen in Limburg Anzeigen von Privatpersonen gegen Tebartz-van Elst ein.

Die Ermittlungen um den Rechtsstreit mit dem "Spiegel" stehen kurz vor dem Abschluss. Sollte sich der Verdacht bestätigen, zitiert der "Spiegel" Mitglieder des Limburger Priesterrates, müsste Tebart-van Elst zurücktreten.

Außerdem werden dem Würdenträger die drastischen Kostensteigerungen beim Ausbau seines Bischofssitzes vorgeworfen. Laut Medienberichten sollen diese von ursprünglich veranschlagten 5,5 Millionen Euro auf 15 bis 20 Millionen Euro angestiegen sein. Das Bistum weist dies offiziell zurück.

Sabine Schaper mit DPA