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So liebt die Welt, Teil 2: Argentinien: Von Treue und Tango

Die Liebe ist hier eine ständige Suche. Unberechenbar und schnell in der Krise. Wo Kirche und Diktatur einst alles verboten haben, ist nun alles erlaubt. Vor allem die Männer tun sich schwer damit, seit sie Frauen begegnen, die ihr Recht auf Lust auch ausleben wollen.

Von Jan Christoph Wiechmann

Sie hat drei Liebhaber in drei Stadtteilen, aber keinen richtigen Mann. Sie träumt von der Ehe, eine wie die ihrer Eltern hält sie aber für ein Relikt aus einer untergegangenen Zeit. Sie spricht nicht von Beziehungen, sondern Projekten, nicht von Liebschaften, sondern Begegnungen, und wenn sie von der Liebe erzählen soll, wird Melisa still. "El amor?", fragt sie unsicher. In ihren dunklen Augen spiegelt sich das Neonlicht einer Tangobar, ihre Hände suchen nach Halt unter dem bauchfreien Top. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich weiß, was die Liebe ist. Aber ich suche sie."

Es ist ein fast tropischer Samstag im argentinischen Spätsommer, eine feuchtheiße Nacht wie aus den Romanen Jorge Luis Borges'. Über den Dächern von Buenos Aires leuchtet ein halber Mond, auf den Grünstreifen der Alleen turteln junge Paare im matten Licht der Laternen. An den Straßenecken der Innenstadt verteidigen einheimische Huren ihre Stammplätze gegen die schwarze Konkurrenz aus der Karibik. Es ist weit nach 24 Uhr und die Nacht noch jung in dieser 13-Millionen-Metropole, die niemals schläft, auch dann nicht, wenn New York schon schlappmacht.

Melisa begibt sich mit ihrem Liebhaber auf den Weg zu einem Stundenhotel. Sie ist 22 und Studentin, sie war mal Model für Unterwäsche, bis ihre Kurven sich nicht mehr an die Vorgaben der Industrie hielten. Für diese Nacht hat sie ihren Liebhaber Nr. 2 ausgewählt. Er ist ein netter Kerl aus der Nachbarschaft, der niemals ihr Freund sein wird, aber er sei besser als Nr. 3 und im Gegensatz zu Nr. 1 verfügbar. Keine Gewissensbisse, Melisa? "Nein", sagt sie bestimmt. "Del amor y de los cuernos nadie se salva." Vor der Liebe und dem Betrug rettet sich keiner.

Das Zuhause der Liebe

Es könnte so etwas wie das argentinische Lebensmotto sein. Der Titel der Nationalhymne.

Auf ihrer Fahrt durch endlose Trabantensiedlungen passieren Melisa und ihre Nr. 2 ein Stundenhotel nach dem anderen, eines mit Wandmalereien wie aus Ägypten, ein anderes mit verspiegelten Decken, ein drittes mit der Kulisse eines brasilianischen Dschungels. Jedes Stadtviertel und Dorf Argentiniens hat seine eigenen "Telos", sie sind das Refugium für gestresste Eltern oder Ehebrecher, für Studenten mit Platznot oder Freier mit Huren. Sie sind so etwas wie Argentiniens Zuhause der Liebe. Sie entstanden vor 100 Jahren, als in den Wohnungen der Großfamilien kein Platz war für Intimität und Eltern ihren Kindern jeden Sexualkontakt verboten.

Für diese Nacht wählt Melisa ein Liebesmotel mit römischen Wandbildern und Thermalbecken. Sie parkt den Wagen in einer Tiefgarage, wo ein Privatgang diskret aufs Zimmer führt. Sie mietet das Zimmer für vier Stunden und geht auf eine sexuelle Rundreise durchs alte Rom, über den Tisch, das Bett und ins Becken, wie auf einem Rundkurs, einem Parcours der Lust. "Es muss sich schon lohnen", sagt Melisa, "für 300 Pesos", 60 Euro. Es zahlt - der Mann.

Draußen stehen die Autos Schlange und hupen ungeduldig. So ist es immer am Anfang des Monats, wenn das Geld noch locker sitzt. In Argentinien ist alles konjunkturabhängig, auch die Liebe.

Nachhilfe für Männer

Wenn sie es sich genau überlegt, sagt Melisa später, ist die Liebe für sie und die Frauen ihrer Generation eher ein Selbstbedienungsladen, eine Begegnungsstätte der Lust, ein Umerziehungslager. "Wir müssen den Jungen eine Menge beibringen", sagt sie. "Die kennen Sex nur aus US-Pornos und glauben, so funktioniert es, wenn man eine argentinische Frau lieben will. Aber wir brauchen viel mehr Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit. Schließlich sind wir die schönsten der Welt."

Was sagt die Nr. 2 dazu? - "Lieber Nummer zwei sein als gar nichts." Sehr viel mehr hat er nicht zu sagen. Dann nimmt sie ihn mit auf eine zweite Rundreise durchs alte Rom.

Draußen dämmert es schon. Über der Hauptstadt liegt der nächtliche Klangteppich aus Hupen, Fangesängen und Musik. Das wahre Nachtleben von Buenos Aires beginnt erst kurz vor Sonnenaufgang. Jetzt tauchen Gruppen Jugendlicher auf und pilgern zu den Großraumdiscos am Río de la Plata, wo auch Diego Maradona gern absteigt, um noch einmal 20 zu sein. Jetzt klappern Tangopaare die Bars ab und gleiten selig ineinander. Jetzt beginnen die Cumbia-Partys in den Villas Miserias, den Slums von Buenos Aires, wo paraguayische Einwanderer hüftenschwingend den Liebesakt simulieren. Eine Disco in der Vorstadt lockt die Gäste mit einer Tombola, Hauptgewinn: eine Brustvergrößerung. Motto: "Yo quiero mis lolas" - ich liebe meine Brüste. So schmilzt sie dem Sonntag entgegen, eine ganz normale Nacht in Buenos Aires, wo die Musik etwas dramatischer ist, der Tanz etwas enger und das Liebesspiel etwas ausgefallener.

Steak und Sex

Man wird das Gefühl nicht los: Die Liebe ist hier eher Suche denn Gewissheit. Unberechenbar. Launisch. Wie die Wirtschaft. Ständig im Umbau. In der Krise. Ein Schwebezustand.

"Willkommen in der Hölle", sagt ein Portier im schneeweißen Anzug und öffnet die Tür eines Etablissements im Szeneviertel Palermo-Soho. Junge Frauen im engen schwarzen Kostüm und Stars der Showbranche treten ein. Sie führen ihre Chihuahuas aus und ihre prallen Brüste aus dem Katalog, zu denen sie sich gegenseitig gratulieren. Sie durchkreuzen einen schneeweißen Saal, Himmel genannt, und landen in einem Speisesaal ganz in Rot, der Hölle.

Die Hölle ist eine Art Edelrestaurant mit Stripeinlagen. Oder eine Stripshow mit Steakbeilage, ganz wie man will. Argentiniens ultimative Version der Fleischeslust, so nennt es die Besitzerin, Argentiniens Showstar Moria Casán. Sie ist eine Mischung aus Verona Pooth und der älteren Hildegard Knef, sieht sich aber eher in der Nähe von Angelina Jolie. "Ich will hier keine dumpfe Show, sondern die Genüsse des Lebens vereinen: Essen und Erotik. Steak und Sex. Wir Argentinier müssen ausbrechen aus unseren Hemmungen."

Eine neue Dekadenz

In einer Ecke, unter dem Bild von Marlon Brando, entledigt sich ein Stripper seiner Militäruniform und schnallt sich eine Besucherin um die Hüfte. Sie hat gerade ein Stück Steak im Mund, und der Stripper steckt schnell seine Zunge hinterher. In einer anderen Ecke gleitet eine nackte Nixe im Spagat in einen Pool und krabbelt dann triefnass auf einen Gast und seinen patagonischen Lammbraten. Die Besucher finden das lustig. Sie finden das wunderbar dekadent. Und über der ganzen Szenerie, auf einem Großbildschirm, läuft eine Telenovela, die Seifenoper Lateinamerikas, in der keine Episode ohne Erotik, Ehebruch und Tunten auskommt. Schon lange hat sie mehr Macht über den Moralkodex des Landes als jeder Papst und jeder Politiker dieses einst so erzkatholischen Landes.

"Wir holen eine Menge nach seit der Diktatur", sagt Moria Casán. Sie klingt ein bisschen wie eine Freiheitskämpferin. Sie fühlt sich auch so. "Ich hatte die erste Silikonbrust Argentiniens 1973", sagt sie mit einem Stolz, als wäre dies das Äquivalent zum Sturm auf die Bastille.

Nur zwei Straßenecken weiter, in der Rúa Gorriti, versammeln sich in dieser Nacht Intellektuelle und Touristen in der rot ausgeleuchteten aphrodisischen Bar "Te Mataré Ramirez." Sie bestellen Gerichte mit Namen wie "Ich ergebe mich dem Angriff deiner Brüste" und "Ich gleite sanft über dein Geschlecht". Sie beißen in Lachsstreifen, geformt wie Vaginas, und benutzen Salzstreuer in Form einer großen Spermie. Einige Paare sitzen unter einem Schaukasten mit Reizwäsche und reden über Borges. Andere küssen sich vor Wandbildern kopulierender Paare und reden über die Globalisierung. Sie nennen dies "Inteligencia meets Sex", sie leben den alten Latino-Traum aus Sex, Kunst und Rebellion. Che Guevara und Borges. Evita und Perón. Revolutionäre waren in Argentinien immer auch Sexsymbole. Literaten waren immer auch Lustmolche. Von beiden gibt es nicht mehr viele, aber das stört die Gäste nicht.

Stadt der Therapeuten

Auf der Bühne führen Schauspieler ein pornografisches Puppenmärchen auf. Eine wilde Ménage à trois, in der muskulöse Klempner und Polizisten das Liebesleben intellektueller Paare auffrischen. Sex im "Mataré" hat nichts Verruchtes oder Ordinäres, er lauert überall, im Dessert und an den Wänden, auf der Bühne und dem Klo, er entlässt die Gäste lustvoll in den frischen Morgen. Nur ist nicht ganz klar, ob die Paare noch dieselben sind, die drei Stunden zuvor ankamen.

"So ist das im Argentinien des 21. Jahrhunderts", sagt der Sexualforscher Dr. Adrián Sapetti. "Die Grenzen sind gesprengt. Alles ist bei uns explodiert, die Zahl der Scheidungen, Swingerclubs, Homosexuellen, Transsexuellen." In Buenos Aires, der Stadt mit der weltweit höchsten Psychologendichte, gibt es für alles Therapeuten, vor allem für die Liebe und ihre Abgründe, und wenn es einen Obertherapeuten gibt, ist dies Sapetti. Er ist ein kleiner Mann mit nervöser Stimme, der auch aus einem Woody-Allen-Film stammen könnte. Er behandelt Betrogene und Betrüger, Swinger und Transsexuelle, und wenn er auf diese Jahre blickt, wird ihm manchmal schwindelig. "Unter der Diktatur und der Vormacht der katholischen Kirche Anfang der 80er Jahre war alles untersagt, Homosexualität, Scheidung, Pornografie; das Fernsehen durfte nicht einmal Küsse zeigen. Liebe fand im Verborgenen statt. Heute hat sich vor allem in den Beziehungen der unter 30-Jährigen eine Flüchtigkeit durchgesetzt, ‚Fast Fucking‘ und ‚Touch and go‘. Männer wollen sich nicht mehr binden. Aber auch Frauen nicht. Frauen stehen an der Spitze der sexuellen Revolution."

Sapetti sieht den argentinischen Mann in einer schweren Identitätskrise, die sich in Zeiten der Rezession noch verschlimmert. "Der Argentinier tut sich schwer mit Frauen, die heute nicht nur ihr Recht auf Arbeit, sondern auch ihr Recht auf Lust ausleben wollen." Dabei war die argentinische Frau immer stark. Den Protest gegen die Diktatur führten nicht Männer an, sondern die Mütter der Plaza de Mayo. Argentinien hatte schon eine Präsidentin, als ganz Europa noch davon träumte. Die Landesheilige war immer eher Evita Perón als die Jungfrau Maria. Und die Männer, sagt Sapetti, ziehen sich zurück und gehen zu Huren. "Prostitution gehört für viele Männer zum Alltag, zu ihrer Mittagspause. In dieser Begegnung dürfen sie noch Boss sein", sagt Sapetti und bittet um Entschuldigung. Er hat selbst einen Termin beim Therapeuten.

Rollenspiele zur Rettung der Beziehung

Wenn man Paola Kullock glauben darf, weiß sie genau, wie man die verlorenen Männer zurückgewinnt. Sie demonstriert dies an einem Sonntagmittag auf einer Verbrauchermesse an der Trabrennbahn in Buenos Aires. Kullock steht im engen Minirock vor einer Gruppe von 80 jungen Frauen und sagt: "Mein Name ist Paola, ich bin Sex-Coach. Ich habe in zehn Jahren über 10.000 Männer befriedigt, heute kommen wir zur technischsten meiner Lektionen: Wie befriedige ich meinen Mann. Wie viele von euch haben schon Rollenspiele mit den Männern gespielt? Sechs Hände gehen zögerlich hoch. "Was, nur so wenige? Heute zeige ich euch, wie man eine Hure spielt. Da gehen eure Männer schließlich hin, machen wir uns nichts vor." Getuschel im Raum. "Als Erstes zieht euch anders an, richtig ordinär. Ihr lasst euch anrufen. Ihr trefft euch dann in einem Telo. Ihr lasst euch für Sex bezahlen." Gekicher im Raum. "Das meine ich ernst. Für Analverkehr nehmt ihr das Doppelte. Ihr werdet sehen, dann läuft er euch so schnell nicht weg."

Kullock redet ununterbrochen. Sie redet wie einer dieser Motivationstrainer, nur dass sie Blowjob sagt statt Bilanz und Prostata statt Profit. Sie sieht sich als Lehrerin einer Sexschule, die die Lust zurück in fade Beziehungen bringt. Die den Trend zur Zweitfrau stoppen will. Sie nimmt 120 Pesos für eine Stunde Beratung, etwa 25 Euro. Sie gibt Auffrischungskurse für Rentner und Einführungskurse für Jungfrauen. Auf alles hat sie eine Antwort, nur dann nicht, wenn 60-Jährige flehen, Sex noch mal von Grund auf zu lernen, weil ihre Männer den 20-Jährigen hinterherlaufen. "Da hast du keine Chance", rät sie. "Vergiss ihn."

Kullock legt einen mit Unterhose bekleideten Mann auf einen Massagetisch und schnallt ihm einen Dildo um. Vereinzelt kichern die Frauen, aber vor fünf Jahren wären sie vor Scham noch geflüchtet. Dann beginnt sie mit der Erotikmassage und kommentiert das Geschehen wie ein Fußballreporter. Sie erklärt Atemtechniken und Rhythmuswechsel und den gezielten Einsatz von Fingernägeln. "Könnt ihr folgen?", ruft sie, und wie beim Kasperletheater rufen alle: "Ja." Sie animiert zum Mitmachen, und dann umkreisen an einem Sonntagmittag auf einer Trabrennbahn in Buenos Aires 80 Frauen mit ihrer rechten Hand ihre Unterarme, und es wirkt wie eine bizarre Ballett-Choreografie. Kullock beschwört die neue Lust der Frauen, aber es wirkt eher wie die servile Rückeroberung des argentinischen Mannes.

Tango unter Männern

Argentinien war mal das Land der Machos, aber die haben es eher in den Ruin getrieben. Es ist das Land mit mehr als 90 Prozent Katholiken, das Land, das sich gern antiamerikanisch gibt, aber "Sex and the City" hat hier mehr Einfluss als das Neue Testament. Es ist das Land, das mit Wehmut nach Europa schaut, dabei hat es seine eigenen Mythen der Liebe geschaffen, Evita, den Gaucho, den Tanguero.

Augusto Balizano trägt viel Gel im Haar und im Blick eine Menge Stahl. Seine Haltung ist stolz und sein Körper drahtig und in seinem Gesicht kein Lächeln zu erkennen. Er sieht sich als Altmeister des Tangos, als Bewahrer einer argentinischen Tradition, in dramatischer Pose führt er übers Tanzparkett. Aber in seinem Arm liegt keine Frau, sondern ein schmaler biegsamer Mann, der etwas theatralisch jauchzt.

Balizano und sein Lebenspartner Miguel haben sich beim Tango lieben gelernt, wie viele Argentinier. Aber nicht in einer der unzähligen Tangobars der Stadt, sondern hier im "La Marshall", einem Tanzsaal im Zentrum. Es ist Mittwochnacht, zwei Uhr, beim "Tango Gay", das Licht gedämpft, die Musik dramatisch, ein Barde besingt den Tiefenschmerz der Liebe. Männerwangen schmiegen sich an Männerwangen, verschwitzte Glatzen kleben an behaarten Brüsten, zur Musik von Carlos Gardel schieben sich die Männer stilvoll übers Parkett, alte Tangueros mit getönten Bärten und junge mit den langen Mähnen Che Guevaras, Matrosen aus Irland und Touristen aus den USA. Eine Szene wie aus dem 19. Jahrhundert, als der Tango als Demonstration des Machismo in den Spelunken des Hafens entstand. Früher tanzten die Männer aus Frauenmangel zusammen. Heute aus Lust. "El tango te espera", sagen sie. Der Tango wartet auf dich.

Rasante Entwicklungen

Augusto und Miguel wollten immer in den großen Sälen der Stadt tanzen, aber das gilt den Traditionalisten als Sakrileg. Der klassische Tanguero ist männlich, begehrt bei den Frauen und gleichzeitig Opfer ihrer Untreue. Also gründete Augusto vor neun Jahren seine eigene "Milonga", seine eigene Tanzveranstaltung.

Buenos Aires, die einstige Kapitale des Machismo, ist zur Schwulenhauptstadt Südamerikas geworden. Konnten Homosexuelle vor 30 Jahren noch im Gefängnis landen, gibt es inzwischen Boutique-Hotels und Weinläden, und sogar eine Fußball-WM für Schwule fand hier statt. Buenos Aires war die erste Stadt Lateinamerikas, die die Homo-Ehe erlaubte, und heute pilgern pro Jahr 300.000 schwule Touristen an den Río de la Plata, angelockt vom günstigen Wechselkurs und billigen Strichern und dem Ruf des Latin Lovers.

"Ich erkenne mein Land nicht mehr", sagt Oscar Pereyra. "Es ist der Sünde erlegen." Pereyra sitzt im Schatten eines Baumes der Pampa, 100 Kilometer außerhalb von Buenos Aires, und spielt Liebeslieder auf der alten Gitarre. "Ich bin dein Sklave, du bist meine Liebste, ich bin dein Beschützer, du meine Rose", er besingt den Geruch ihrer Haare und vergleicht sie mit der Schönheit von Sommerblumen. Die Frau sitzt ihm zu Füßen und singt leise mit. Seit 41 Jahren sind sie verheiratet.

Zurück zu alten Werten

Pereyra ist 67 und spielt noch täglich für seine Frau, er führt sie aus zum Reiten, er garantiert ihr seine unendliche Liebe und bekommt ihre volle Unterwerfung. "Unser Leben gibt es heute nicht mehr", sagt er. "Nein", sagt sie. "Ich weiche nicht von ihrer Seite." "Niemals", sagt sie. "So ist die Liebe der Gauchos", sagt er. "Wir sind eins", sagt sie. "Das wollte ich sagen", sagt er. - "Entschuldige, mein Liebling."

Pereyra ist ein Gaucho, jener argentinische Cowboy, der in heldenhafter Männlichkeit die Pampa durchreitet. Der Gaucho ist ein Ehrenmann, aggressiv im Kampf, ein Frauenheld, aber nicht untreu, Argentiniens Mythos von Männlichkeit und Freiheit. Pereyra zähmte sein Leben lang Pferde und schläft am liebsten unter freiem Himmel, er trägt einen buschigen Schnurrbart und einen Stolz in der Seele, der ihm den Blick auf das heutige Argentinien verleidet. Sein Sohn liebt eine moderne Deutsche. Ein anderer lebt in Sodom und Gomorrha, er meint Buenos Aires. "Ich habe meine Tochter vor der Ehe nicht aus dem Haus gelassen", sagt Pereyra stolz. "Heute treiben sie sich herum und schleppen dir uneheliche Kinder an." Er setzt an zum Klagelied auf das moderne Argentinien, in dem sich die Liebe zu einem Ramschartikel verwandelt hat und Sex zu einem Markt, und am Schluss ist er sich nicht sicher, ob es unter der Diktatur nicht allen besser ging, auch der Liebe. Damals, als sie noch unter Kontrolle war.

Je weiter man sich auf der Reise durch Argentinien von der Hauptstadt entfernt, desto eher trifft man die Urform der argentinischen Liebe noch an, das Idealbild der heilen Großfamilie, die sich sonntags nach der Kirche zum "Asado" trifft, zum Grillfest. Bei den Fischern im Süden Patagoniens etwa, die in der rauen Einsamkeit leben, die aber manche Frau hat flüchten lassen. Bei den Bewohnern Ushuaias, der südlichsten Stadt der Welt, in der aber viele Opfer des alten argentinischen Sprichworts wurden: "Wenn die Armut ins Haus kommt, flieht die Liebe aus dem Fenster." Und bei den Indianern im Süden, die sich aber nicht mehr sicher sind, wie Indianer eigentlich lieben.

Die gefährliche weiße Welt

Marcos Pantoja vom Stamm der Ona kennt die Geschichten. Die Vorfahren, weiß er, rannten noch nackt herum. Sie zeugten Kinder im Jahrestakt. Nicht mal ein Prozent der Argentinier sind Indianer und ihre Traditionen fast ausgestorben. Pantoja ist Nachfahre der Ona in Feuerland und studiert mit anderen Stammesangehörigen die alten Lebensweisen. Er hat sich in mühevoller Arbeit zurückverwandelt in einen Indianer. Er sieht die Liebe als Fortpflanzung im Dienst der Vorfahren, als Wiederbesiedlungsprogramm der patagonischen Steppe.

Jedes Jahr bekommen er und seine Frau Christina kleine Indianer, sie haben jetzt sechs. Er bringt den Kleinen das Jagen bei, das Häuten, Spurenlesen, Fallenstellen, die schon ausgestorbene Sprache, diese ganze indianische Welt, in der es noch klare Regeln gibt. "Wir sind keine Argentinier", sagt er den Kindern. "Nein", sagen die Kinder. "Wir halten uns an die Regeln. Erst mit 16 darf man eine Frau ausführen, aber sie muss vor der Dunkelheit wieder zu Hause sein. "Jawohl", antworten die Kinder. "Dem Vater obliegt die Entscheidung über die Eheschließung. Der Mann muss seine Ehre beweisen. Die Frau muss rein sein. So sind die Gesetze, wir verstehen uns. Ihr geht nie hinaus in die gefährliche weiße Welt." "Nein", sagen sie.

Die Welt, die er meint, umringt Argentiniens Städte als ein Gürtel aus Steinhütten und Sandstraßen. Hier leben Millionen, und jedes Jahr kommen neue hinzu, aus Bolivien, Paraguay, vom Land. Sie ziehen in Armenviertel, die keine Namen haben, sondern Zahlen oder Spitznamen wie Ciudad Oculta, die dunkle Stadt. Die erste sexuelle Begegnung haben viele Mädchen mit 12, und wenn sie 15 sind, sitzen sie wie Noemia in einer kleinen Steinhütte unter einem Bild von Jesus Christus und blicken mit großen Augen auf ihr kleines Baby im Arm. "Sie war mein großer Wunsch", sagt Noemia. Warum? "Weil alle eins haben." Warum ist das so? "Da hat man mal was Eigenes." Der junge Vater steht neben ihr. "Ist halt so passiert", sagt er und holt sich schnell ein Bier.

Liebe am Stadtrand

Sie leben in einem mit Karton abgetrennten Zimmer bei Verwandten. An der Wand hängt Eva Perón und ein Schild mit dem Spruch "Jesus ist mein Hirte". Sie hätten gern, dass die Eltern ihnen helfen, aber die Mutter hat selbst ein Baby, mit einem anderen Mann, und der Vater noch eine dritte Familie, nachdem er seine zweite verlassen hat. Das Konzept der Kernfamilie hat sich aufgelöst in Ciudad Oculta und wird durch neue Modelle ersetzt, in denen Babys bei Tanten aufwachsen, Halbgeschwister aus dem Nichts auftauchen und Kinder die Geborgenheit der Familie in Drogengangs suchen. "Die Liebe gibt es nicht", sagt Noemias Schwester, die so etwas wie die Ersatzmutter ist. "Männer sind morgen wieder weg, das erste Kind bekommen die meisten mit 15, das zweite mit 17, spätestens dann ist der Kerl verschwunden. Und meine Schwester hier ist viel zu jung, um Mutter zu sein. Schauen Sie sie nur an."

Noemia erwidert nichts. Sie blickt, als würde sie ihr Schicksal längst kennen. Ihr Freund holt sich lieber noch ein Bier und geht hinaus in den klaren Abend, und Noemia ahnt, dass er auf einer heißen Ghetto-Party oder in einem Telo enden wird. "Die Liebe gibt es sowieso nur im Fernsehen", sagt sie und taucht ein in ihre Telenovelas, die sie für den Rest des Tages durch eine Traumwelt aus Latin Lovers, treuherzigen Evitas und glühender Liebe führen werden.

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Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg