Spekulationen Was waren die letzten Worte des Papstes?


Als die Sterbestunde nahte, waren nur die die engsten Vertrauten und die polnischen Ordensschwestern in den Schlafgemächern des Papstes. In Rom wird seitdem spekuliert, was der Pole auf seinem Sterbebett wirklich gesagt hat.

Legenden und Legendenbildung gehören zu den Päpsten wie ihr Bischofsstab, ihre Mitra und ihr weißes Gewand. Auch bei Papst Johannes Paul II. ist das nicht anders. In Rom mehren sich die Zweifel darüber, was der Pole auf seinem Sterbebett wirklich gesagt hat. "Die wahre Geschichte über die letzten Stunden des Papstes muss erst noch geschrieben werden", meint der römische Vatikanist Marco Politi. War sein letztes Wort wirklich "Amen"?

So will es zumindest der polnische Priester Jarek Cielecki gehört haben. Es war der 2. April, Samstagabend, über den Petersplatz war die Dunkelheit hereingebrochen, in den Schlafgemächern des Papstes längst das Licht entzündet. Die Welt wusste: Die Sterbestunde nahte, auf dem Platz beteten die Gläubigen den Rosenkranz. Ganz weiß soll das Bett des Pontifex gewesen sein. Nur die engsten Vertrauten und die polnischen Ordensschwestern waren in seinen Schlafgemächern, und eben Priester Cielecki.

Eine schöne Geschichte lief um die Welt

Und dies ist seine Schilderung: "Als das Gebet der Gläubigen zu Ende war, hat der Papst mit letzter Lebenskraft das Wort "Amen" gesprochen. Einen Augenblick später starb er." Sogar die Hand soll er zum Segen gen Fenster gehoben haben. Die schöne Geschichte lief um die Welt, entzückte die Herzen der Katholiken. Doch kann es wirklich so gewesen sein? Renato Buzzonetti, der päpstliche Leibarzt, hat erhebliche Zweifel: "Der Heilige Vater konnte kein einziges Wort mehr sagen", berichtete er der römischen Zeitung "La Repubblica". "Ihm blieb nur noch Schweigen."

Ganz ähnlich könnte es um andere ergreifende Papstworte bestellt sein. Es war der 1. April, Freitag, auf dem Petersplatz versammelten sich viele Jugendliche. Die jungen Leute hat der Pontifex bekanntlich immer geliebt. Aus dem Vatikan sickerte die Information, der Sterbenskranke habe sich noch einmal zum Fenster gewandt und gesagt: "Ich habe euch gesucht. Jetzt seid ihr zu mir gekommen. Ich danke euch." Nüchternen Betrachtern waren schon gleich Zweifel aufgekommen, schon seit Wochen konnte der Papst nicht mehr so gut reden.

Dann ist da die Sache mit den Schuhen, auch das wohl eher Legendenbildung. In einfachen Straßenschuhen und nicht in prächtigen kurialen Pantoffeln wurde der Papst im Petersdom aufgebahrt. Flinke Kommentatoren meinten sofort, der Pontifex wolle damit so etwas wie eine "proletarische Botschaft" übermitteln, schließlich war er immer der Freund der einfachen Leute gewesen. Doch des Rätsels Lösung ist viel einfacher: Die Schuhe sind das letzte Geschenk von Stanislaw Zmija aus der südpolnischen Heimat des Papstes. Der Mann fertigte schon seit über zwei Jahrzehnten das Schuhwerk des Papstes.

Peer Meinert und Jutta Lauterbach/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker