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Spionage-Experiment: Journalisten überwachen Schweizer Geheimdienstchef

Markus Seiler hat als Chef des Schweizer Geheimdienstes die Lizenz zum Schnüffeln. Zwei Journalisten haben den Spieß umgedreht und den Top-Agenten wochenlang überwacht - nun "erpressen" sie ihn.

Von Niels Kruse

Sage bloß niemand, bei Schweizern und Geheimdiensten höre der Spaß auf. Journalisten der #link; eidgenössischen http://www.woz.ch/;Wochenzeitung "Woz"# haben den Überwachungsspieß umgedreht und den Chef des Schweizer Geheimdienstes ausspioniert. Wochenlang sind zwei Redakteure, die sich selbst jargongerecht "Elemente Gross und Jirát" nennen, Markus Seiler hinterhergereist. Dabei gelang es ihnen, das ganze Leben des obersten Agenten der Schweiz offenzulegen: Wo er lebt, wo seine Yacht liegt, welche Autos er fährt, wie viel Geld er verdient und wann er zuletzt den obligatorischen Kirchgang schwänzte. Alles fein säuberlich dokumentiert auf der eigens dafür eingerichteten Website www.markusseiler.ch.

Obwohl die ganze Aktion mit einer ordentlichen Portion Humor aufbereitet wurde, ist der Hintergrund natürlich ziemlich ernst. "Wer nichts zu befürchten hat, hat auch nichts zu verbergen", heißt es noch ironisch auf der Startseite. In dem Stück, das die beiden Journalisten über ihre Überwachung geschrieben haben, werden die Autoren jedoch deutlicher: "Wir wollen wissen, was man über einen Menschen herausfinden kann, ohne dass man ihn wissen lässt, dass man etwas über ihn herausfinden will. Dies ist die Methode der Geheimdienste mit ihrer flächendeckenden, präventiven Überwachung, und wir wollen sie auf ihre Nummer eins in der Schweiz selbst anwenden."

Bei ihren Nachforschungen hätten die Redakteure Dominik Gross und Jan Jirát nur legale Mittel angewendet, beteuern sie, schränken in der "Taz" aber ein: "Wir haben dabei auf Trojaner verzichten müssen und unsere Drohne nicht so benutzen können, wie wir es gerne getan hätten." Letztlich ist das Profil eines hochbezahlten, aber wenig spektakulären Führungsbeamten herausgekommen. O-Ton aus der Reportage: "Kein Zweifel. Der Typ bringt die perfekte Hülle für seinen Job mit. Er ist derart unscheinbar, dass ich schon wieder vergessen habe, wie er aus…".

Am Ende lässt es sich die "WOZ" aber nicht nehmen, einen zarten Erpressungsversuch zu starten. In einem Video spielt ein Schauspieler den "Verleger" des Blattes, der Markus Seiler "anbietet" doch die ganze Auflage aufzukaufen. 16.000 Hefte à 6 Franken - "das werden Sie sich doch noch leisten können", sagt der Mann freundlich und lässt ein Exemplar im Reißwolf verschwinden. Das Video ist übrigens Teil einer Werbekampagne für das Magazin. In der am Donnerstag erscheinenden jährlichen Sonderausgabe geht es um Datenschutzfragen und Überwachung.

Liebe Leser, leider ist uns in der ersten Fassung ein Fehler unterlaufen. Ursprünglich zitierten wir den Schauspiel-Verlegen im letzten Absatz mit den Worten "60.000 Hefte à 16 Franken" - tatsächlich sagte er "16.000 Hefte à 6 Franken". Wir bitten dies zu entschuldigen.

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