St. Pölten "Suchtartig Kinderpornos heruntergeladen"


Klaus Küng macht kurzen Prozess. Das wegen eines Sexskandals in Verruf geratene Priesterseminar St. Pölten wird geschlossen. Der vatikanische Visitator Küng hält einen Neuanfang für nötig.

Nach dem Sexskandal im österreichischen Bistum St. Pölten hat der Vatikan das dortige Priesterseminar am Donnerstag mit sofortiger Wirkung geschlossen. Der päpstliche Visitator Klaus Küng teilte mit, nach den Vorfällen sei ein völliger Neuanfang notwendig. Einige Seminaristen hätten wie in einer Sucht pornografische Bilder aus dem Internet heruntergeladen, so der Vorarlberger Kardinal.

Der Seminarführung warf er vor, die Priesteranwärter nicht sorgfältig genug ausgewählt zu haben. Die Verantwortlichen "haben den Prozeduren zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt", sagte er auf einer vom ORF ausgestrahlten Pressekonferenz. Er bedauerte, dass das Seminar seine Aufgabe, junge Männer für den Dienst in der katholischen Kirche auszubilden, vernachlässigt habe. "Ein Neuanfang ist notwendig. Ich schließe das Seminar."

40.000 pornografische Bilder und Filme gefunden

Die Polizei hat rund 40.000 pornografische Bilder und zahlreiche Filme sichergestellt. Auf einigen Bildern sind Kinder zu sehen. Kardinal Küng, ein Mitglied der konservativen Organisation Opus Dei, kündigte eine scharfe Untersuchung an und versprach alles zu unternehmen, um die Glaubwürdigkeit der skandalgeschüttelten österreichischen Kirche wieder herzustellen. Unabhängig von dem kirchlichen Verfahren ermitteln auch die österreichischen Behörden wegen der möglichen Verbreitung von Kinderpornografie. Gegen einen 27-jährigen früheren Seminaristen aus Polen wurde Anklage erhoben.

Der Skandal war hochgekocht, als das österreichische Magazin "Profil" vor einigen Wochen Bilder sich küssender Seminaristen und Priester veröffentlichte. Daraufhin schickte Papst Johannes Paul II. Küng nach St. Pölten. Der Vatikan entsendet einen Visitator nur dann, wenn er Hinweise auf schwere Verfehlungen erhält. 1998 untersuchte ein amerikanischer Benediktinermönch Vorwürfe, wonach der österreichische Kardinal Hans Hermann Groer Jungen sexuell belästigt haben soll. Die Ergebnisse wurden nicht veröffentlicht, Groer legte jedoch alle Kirchenämter nieder und verließ Österreich.

Der für St. Pölten zuständige Bischof Kurt Krenn, dessen enge Verbindungen zum Vatikan vor sechs Jahren zu einem Papstbesuch in seiner Diözese führten, lehnte trotz erheblichen öffentlichen Drucks bislang einen Rücktritt wegen des neuen Skandals ab.

AP AP DPA

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