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Statistisches Bundesamt: Jeder sechste Deutsche lebt an der Armutsgrenze

952 Euro im Monat. Wer weniger Geld zur Verfügung hat, gilt hierzulande offiziell als von Armut bedroht. In dieser Situation befinden sich immer mehr Deutsche. Vor allem Alleinerziehende trifft es.

Etwa jeder sechste Einwohner Deutschlands ist armutsgefährdet. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 2005, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch zu einer Haushaltsbefragung mit. Demnach galten 2010 rund 15,8 Prozent oder 12,8 Millionen Menschen als armutsgefährdet. 2009 waren es 15,6 Prozent, 2008 noch 15,5 Prozent. Mit der Statistik wurde 2005 aufgrund eines EU-Gesetzes begonnen. Damals lag die Quote bei 12,2 Prozent, wurde aber nach einem anderen Verfahren ermittelt. Trotz des Anstiegs liegt Deutschland weiter unter dem EU-Schnitt von 16,4 Prozent.

Eine Person galt demnach 2010 als armutsgefährdet, wenn sie nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen weniger als 11.426 Euro im Jahr oder 952 Euro im Monat zur Verfügung hatte.

Alleinerziehende besonders armutsgefährdet

Bei der männlichen Bevölkerung lag die Quote mit 14,9 Prozent unter und bei Frauen mit 16,8 Prozent über dem Durchschnitt. Alleinerziehende und ihre Kinder gehörten mit 37,1 Prozent erneut zu den am stärksten von Armut betroffenen Bevölkerungsgruppen. "Das galt auch für die alleinlebenden Personen", schrieben die Statistiker. Hier sind 36,1 Prozent unter 65 Jahren armutsgefährdet. In Haushalten von zwei Erwachsenen unter 65 traf dies nur auf 11,3 Prozent zu.

Überdurchschnittlich fiel die Quote auch bei Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 64 Jahren mit 16,4 Prozent aus. Die Armutsquote von Kindern, die jünger als 18 Jahre alt waren, lag mit 15,6 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Bei Älteren ab 65 Jahren fiel die Quote mit 14,2 Prozent noch niedriger aus. Für die Statistik "Leben in Europa" wurden 13.512 Haushalte und 24.220 Menschen ab 16 Jahren zu ihrem Einkommen und ihren Lebensbedingungen befragt.

mlr/Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters
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