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Strauss-Kahn aus dem Gefängnis entlassen: Von Rikers Island in den Luxus-Hausarrest

Nach vier Tagen ist Strauss-Kahn aus der U-Haft entlassen worden. Die Auflagen sind streng - und es gab Probleme, weil die künftigen Nachbarn gegen ihn protestiert haben.

Knapp eine Woche nach seiner Festnahme wegen versuchter Vergewaltigung hat Dominique Strauss-Kahn das Gefängnis verlassen können. Allerdings muss der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine elektronische Fußfessel tragen und wird wegen der Fluchtgefahr rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitsbeamten überwacht. Dem 62-jährigen Franzosen wurde eine Wohnung am New Yorker Broadway in der Nähe von Ground Zero zugewiesen.

Für seine Entlassung von der Gefängnisinsel Rikers Island, einer der berüchtigsten Strafanstalten der USA, hatte Strauss-Kahns Frau, Anne Sinclair, eine Million Dollar (700.000 Euro) in bar und weitere fünf Millionen als Bürgschaft hinterlegt. Nach Medienberichten hatte Sinclair auch zwei Wohnungen in der Upper East Side von Manhattan gemietet, um dort bis zum Prozess mit ihrem Mann zu leben.

Womit sie nicht gerechnet hatte, ist die Reaktion der Nachbarn. Die Bewohner von Bristol Plaza an der 65. Straße erhoben Einspruch, als sie hörten, wer in ihr Haus ziehen wollte. Die Nachbarn in spe störten sich an dem vorhersehbaren Medienrummel um den Franzosen, der inzwischen sein Amt an der Spitze des Währungsfonds aufgegeben hat. Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die für seine Überwachung zuständig sind, brachten ihn dann in eine andere Wohnung in Manhattan.

Polizei hat Barrieren vor dem Haus errichtet

"Er ist hier", bestätigte ein Polizist die Ankunft Strauss-Kahns in dem zweiten Apartment, vor dem Beamte Barrieren errichteten, um Journalisten und Schaulustige auf Abstand zu halten. Später soll er in eine andere Wohnung umziehen, die er nur zu bestimmten Anlässen - etwa Gerichtsterminen, Treffen mit seinen Anwälten, Arztbesuchen oder religiösen Zeremonien - und nach Anmeldung sechs Stunden im Voraus verlassen darf. Er wird rund um die Uhr von bewaffnetem Sicherheitspersonal überwacht und muss eine elektronische Fußfessel tragen. Der Angeklagte muss US-Berichten zufolge für die Kosten der Überwachung selbst aufkommen: auf 200.000 Dollar pro Monat soll sich das summieren. Das Unternehmen hatte dafür gesorgt, dass der inzwischen zu 150 Jahren Haft verurteilte Millionenbetrüger Bernard Madoff während des Hausarrests vor seinem Prozess nicht Reißaus nahm.

Strauss-Kahn ist wegen der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens angeklagt. Er soll die 32-jährige Frau aus Westafrika in seiner New Yorker Hotelsuite überfallen und zu oralem Sex gezwungen haben. Der Franzose ist in sieben Punkten angeklagt und könnte für mehr als 25 Jahre hinter Gitter kommen. Er weist die Anschuldigungen zurück und hat den angeblich besten New Yorker Prozessanwalt, Benjamin Branfman, engagiert.

Früheres Jahresgehalt: 420.000 Dollar

Laut IWF wird Strauss-Kahn nach seinem Rücktritt rund 250.000 Dollar (176.000 Euro) Abfindung erhalten. Die Zahl veröffentlichte der IWF am Freitag in Washington als Reaktion auf Medienberichte, in denen von größeren Summen die Rede war. Diese Angaben seien "schwer übertrieben", hieß es in der Mitteilung der Sonderorganisation der Vereinten Nationen.

Strauss-Kahn habe als einer der bestbezahlten Diplomaten ein steuerfreies Salär von rund 420.000 Dollar im Jahr erhalten. Zusätzlich sei eine Zulage von gut 75.000 Dollar für die hohen Lebenshaltungskosten in der US-Hauptstadt Washington geflossen, teilte der IWF mit.

IWF will Nachfolger bis Ende Juni finden

Das Rennen um die Nachfolge des zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn kann bald auch offiziell beginnen. Von Montag an und bis zum 10. Juni sollen die Kandidaturen für den Posten an der Spitze des Währungsfonds eingereicht werden, wie der IWF am Freitagabend in Washington mitteilte.

Bis spätestens Ende Juni solle dann über einen Nachfolger für Strauss-Kahn entschieden werden, hieß es. Darauf hätten sich die 24 im IWF-Verwaltungsrat vertretenen Staaten oder Staatengruppen geeinigt. Ziel sei es, den neuen IWF-Direktor im Konsens zu ernennen, möglich sei aber auch eine Mehrheitsentscheidung. Die Auswahl solle auf transparente Art erfolgen und auf den Fähigkeiten des Kandidaten basieren.

Traditionell stellen die Europäer den IWF-Direktor, die USA dafür den Chef der Weltbank. Aber auch die aufstrebenden Schwellenländer haben Ansprüche auf den IWF-Spitzenposten angemeldet. Russland hat bereits einen Kandidaten ausgesucht, Südafrika und Indien könnten mit jeweils eigenen Kandidaten versuchen, sich auf der Bühne der internationalen Finanz- und Wirtschaftspolitik zu profilieren. Auch China denkt über eine Kandidatur nach.

Als chancenreichste Anwärterin auf den Posten gilt indes Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde, sie genießt in zahlreichen EU-Staaten und auch bei der US-Regierung ein hohes Ansehen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte der "Bild am Sonntag", Lagarde sei "in der Sache und als Person hervorragend geeignet". "Sie wird in der gesamten Finanzwelt überaus respektiert und geschätzt." Die europäischen IWF-Mitglieder sollten sich daher auf Lagarde als Nachfolgerin Strauss-Kahns einigen. Damit hätte "Europa beste Chancen, den Posten wieder zu besetzen", sagte Schäuble. Er bekräftigte zugleich den Anspruch der Europäer auf den Posten des IWF-Direktors. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hält große Stücke auf Lagarde.

SPD-Fraktionschef Steinmeier vermisst derweil Merkels Einsatz für einen deutschen Kandidaten. "Es ist bemerkenswert, dass es Angela Merkel offenbar überhaupt nicht mehr in den Sinn kommt, einen deutschen Kandidaten ins Spiel zu bringen", sagte er zu "Spiegel Online". Zu einer möglichen Kandidatur Lagardes äußerte er sich zurückhaltend. Sie sei "sicher im Feld der sechs bis acht Kandidaten, die ernsthaft diskutiert werden. Aber das Feld ist größer."

ukl/DPA/AFP / DPA