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Strauss-Kahn zahlt Millionen-Kaution: Privatgefängnis für 200.000 Dollar

Dominique Strauss-Kahn kommt auf Kaution frei, das hat ein New Yorker Gericht entschieden. Doch der 62-Jährige muss einige Auflagen erfüllen. Wie Strauss-Kahn jetzt leben muss.

Immerhin, für Dominique Strauss-Kahn ist es der erste Erfolg in einer ansonsten ziemlich üblen Woche: Nachdem die Grand Jury zuvor sämtliche Anklagepunkte gegen ihn bestätigte (Strauss-Kahn drohen bis zu 74 Jahre Haft), hat ein New Yorker Gericht der Freilassung des 62-Jährigen Franzosen aus der Untersuchungshaft zugestimmt - allerdings nur gegen äußerst harte Auflagen. Die US-Justiz scheint um jeden Preis einen zweiten "Fall Roman Polanski" vermeiden zu wollen: Der Regisseur war 1977 während eines laufenden Verfahren wegen Vergewaltigung aus den USA erst nach London und dann nach Paris geflohen und entzieht sich bis heute dem Zugriff der US-Behörden.

Auf sein gewohntes Luxusleben mit 3000-Dollar-Suite und First-Class-Flügen wird Strauss-Kahn auch nach seiner Entlassung aus dem berüchtigten Gefängnis Rikers Island verzichten müssen: Nach Angaben seines Anwalts soll er in einer Wohnung in Manhattan unterkommen, die seine Frau, die Fernsehjournalistin Anne Sinclair, bereits für ihn angemietet hat. Strauss-Kahn darf New York nicht verlassen: Dafür soll eine elektronische Fußfessel sorgen, außerdem musste der Franzose beide seine Reisepässe abgeben.

Jeder Schritt wird überwacht

Fest steht: Einsam wird sich Strauss-Kahn in seinem neuen Refugium nicht fühlen. Dafür sorgt ein ganzes Security-Team, das damit beauftragt ist, jeden Schritt Strauss-Kahns zu überwachen. Es ist die ganz kurze Leine für den erfolgsverwöhnten Banker: Die bewaffneten Sicherheitsleute sollen über jeden Besuch und jede Bewegung Protokoll führen - darüber hinaus sollen in der Wohnung Videokameras installiert werden. Richter Michael Obus, der Strauss-Kahns Freilassung zustimmte, machte unmissverständlich deutlich, dass er den französischen Politiker beim geringsten Verstoß wieder ins Gefängnis schicken werde.

Das kleine bisschen Freiheit kommt Strauss-Kahn teuer zu stehen: So legte Obus fest, dass der 62-Jährige für die gesamten Kosten der Sicherheitsvorkehrungen selbst aufkommen muss - nach Schätzungen von Staatsanwalt John McConnell betragen diese mehr als 200.000 Dollar (140.000 Euro) im Monat. Eine Flucht wäre allerdings noch kostspieliger: Neben der Kaution von einer Millionen Dollar (700.000 Euro) in bar muss Strauss-Kahn weitere fünf Millionen Dollar in Form von Bankbürgschaften hinterlegen.

"Gemütliches und komfortables Leben"

Die strengen Sicherheitsauflagen kritisierte Strauss-Kahns Anwalt William Taylor als überflüssig: Sein Mandant sei ein "ehrenhafter Mann" dessen einziges Interesse es sei, seinen Namen reinzuwaschen. Es sei "lächerlich" zu glauben, Strauss-Kahn werde einfach nach Frankreich verschwinden.

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und verwies unter anderem darauf, dass Strauss-Kahn wenige Stunden nach dem mutmaßlichen sexuellen Übergriff an Bord einer Air-France-Maschine festgenommen wurde. Außerdem habe Strauss-Kahn "Status und Mittel", bei einer Flucht aus den USA ein "gemütliches und komfortables Leben" jenseits der Zugriffsmöglichkeiten der US-Behörden zu führen, sagte Staatsanwalt McConnell.

be/DPA/AFP / DPA