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Streit um heiligen Felsen: Wer was von Deutschland zurück will - oder wollte

Ureinwohner aus Venezuela fordern die Rückgabe eines Felsens, der in Berlin steht. Es ist nicht der erste Mal, dass Kunst von Deutschland zurückverlangt wird. Eine Übersicht, wer was will oder wollte.

Der heilige Felsen aus Venezuala

Vor der deutschen Botschaft in Caracas hat eine Gruppe von Ureinwohnern für die Rückgabe eines 30 Tonnen schweren Felsens demonstriert, der im Berliner Tiergarten als Kunstwerk ausgestellt ist. Die etwa 50 Demonstranten gehörten venezolanischen Indianervölkern an. Der "Kueca" genannte Brocken gilt als heilig. Der zwölf Kubikmeter große Felsbrocken lag ursprünglich in der Region Gran Sabana im Süden von Venezuela, 1998 überließ ihn die venezolanische Regierung dem deutschen Künstler Wolfgang von Schwarzenfeld. "Kueca" sei ohne Zustimmung der Indianergemeinden "entführt" worden, sagte der Sprecher der Pemón, Melchor Flores. In Caracas sagte Botschafter Georg Clemens Dick zu, die Forderung nach Rückgabe des Felsens nach Berlin zu übermitteln.

Büste der Nofretete

Die Büste der Nofretete ist mehr als 3000 Jahre alt, rund 300 Millionen Euro wert und die Hauptattraktion des Neuen Museums in Berlin. 1913 kam sie nach Deutschland, sieben Jahre später wurde sie durch eine Schenkung an Preußen "eingebürgert". Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Rückgabeforderungen. Einige führende Nazis wie Hermann Göring waren später angeblich sogar bereit, das Kunstwerk an Ägypten zurückzugeben. Über die Jahrzehnte ist die Diskussion über die Rückgabe immer wieder aufgekeimt, wie zuletzt 2011, als der damalige oberste ägyptische Altertumsverwalter die Büste zurückhaben wollte. Doch sowohl der Eigentümer, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, als auch Außenminister Guido Westerwelle, lehnen die "Auslieferung" der Nofretete ab.

Pergamonaltar

Als der Pergamonaltar einst aus der heutigen Türkei nach Berlin kam, musste extra ein Museum um das antike Bauwerk herum errichtet werden. Mittlerweile ist das Pergamonmuseum auf der Museumsinsel einer der Besuchermagneten der Hauptstadt. 1998 forderte der damalige türkische Kulturminister erstmals die Rückgabe des Pergamonaltars und wiederholte seine Bitte drei Jahre später. Da die Forderung aber nie offiziellen Charakter hatte, wurde eine Rückführung nie ernsthaft in Betracht gezogen.

Sphinx von Hattusch

Noch mal Türkei gegen Pergamonmuseum: Im vergangenen Jahr, verlangte die Regierung in Ankara die Rückgabe der Sphinx von Hattusch, auch die hethitische Sphinx genannt. Andernfalls müssten deutsche Archäologen ihre Ausgrabungen in der Türkei stoppen. Die Hethiter waren eine Großmacht in der Antike neben Ägypten und Assyrien. Im Juli 2011 wurde die Sphinx an die Türkei zurückgegeben.

Schädel aus Nambia und Australien

In Freiburg und Berlin lagern seit mehr als 100 Jahren Schädel der Herero aus Namibia sowie Kopfknochen australischer Aborigines. Die Häupter wurden damals bei Völkerschauen ausgestellt, um die angebliche Überlegenheit des weißen Mannes zu demonstrieren. Viele Jahre baten Vertreter Namibias und Australiens die Museen darum, die Schädel wieder in ihre Heimatländer zurückzubringen. Im Mai 2011 wurde damit begonnen, die menschlichen Überreste wieder zurückzugeben.

Geraubte Plakatsammlung

Im März dieses Jahres hat der Bundesgerichtshof das Deutsche Historische Museum dazu verurteilt, NS-Raubkunst zurückzugeben. Es war das erste Urteil dieser Art. Bei dem Prozess ging es um mehrere Tausend Plakate aus der Sammlung von Hans Sachs, der vor den Nazis fliehen musste. Die Erben des jüdischen Kunstliebhabers hatte das Museum verklagt und Recht bekommen. Die Bilder waren nach dem Krieg in der DDR aufgetaucht und dem Museum für Deutsche Geschichte übergeben worden, das in das Museum für Deutsche Geschichte aufgegangen ist. Bis zur Übergabe an die Sachs-Erben, die in den USA leben, verwaltet das Museum die Sammlung.

Niels Kruse