HOME

Studie: Antisemitismus in Europa leicht rückläufig

Nach einer Studie der jüdischen Anti-Diffamierungs-Liga ist Antisemitismus in Deutschland jedoch noch weit verbreitet. In Frankreich und Spanien nahmen antisemitische Einstellungen deutlich ab, in Großbritannien und den Niederlanden zu.

Der Antisemitismus in Deutschland ist nach Ansicht der jüdischen Anti-Diffamierungs-Liga seit 2002 leicht zurückgegangen. Dennoch sind antisemitische Einstellungen in der Bundesrepublik immer noch weit verbreitet. Das geht aus einer Studie hervor, die die Anti-Defamation League am Montag in Berlin vorstellte. Danach vertreten nach wie vor 36 Prozent der Deutschen Meinungen, die sich gegen Juden, Israel und die Rolle Israels im Nahost-Konflikt richten (2002: 37 Prozent).

Insgesamt untersuchte die Organisation die Verbreitung des Antisemitismus in zehn europäischen Staaten. In den meisten dieser Länder habe es einen spürbaren Rückgang gegeben, sagte Abraham Foxman, nationaler Vorsitzender der Anti-Diffamierungs Liga. Am stärksten war dieser in Frankreich, wo sich zuletzt noch 25 Prozent zu antijüdischen Einstellungen bekannten (2002: 35 Prozent), und in Spanien (Rückgang von 34 auf 24 Prozent). Steigende Tendenzen wurden dagegen in Großbritannien (von 18 auf 24 Prozent) und in den Niederlanden (von sieben auf neun Prozent) registriert.

Regierungschefs sahen sich zum Handeln gezwungen

Foxman führte die insgesamt positive Entwicklung darauf zurück, dass viele Regierungen das Problem inzwischen erkannt hätten. Als vor zwei Jahren eine Welle der Gewalt gegen Juden über Europa hinweggerollt sei, hätten sich viele Regierungschefs zum Handeln gezwungen gesehen. So habe etwa der französische Staatspräsident Jacques Chirac endlich aufgehört, den Antisemitismus in seinem Land zu leugnen, und entsprechende Tendenzen für inakzeptabel erklärt. Außerdem habe er verschiedene Initiativen zum Kampf gegen Antisemitismus gestartet.

Foxman verwies auch auf die verschiedenen internationalen Konferenzen, die sich seither erfolgreich mit dem Thema beschäftigt hätten. Am Mittwoch beginnt in Berlin eine zweitägige Antisemitismus-Tagung der OSZE. "Taten bringen Ergebnisse, und diese zeigen, dass, wenn das Leugnen aufhört und das Problem anfasst wird, nicht nur die Zahl der antisemitischen Taten zurückgeht, sondern auch viele negative Einstellungen gegenüber Juden abgebaut werden", sagte Foxman.

AP / AP / DPA