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Studie zum Missbrauchskandal Keine Häufung der Pädophilie unter Priestern


Eine Studie im Auftrag der katholischen Kirche sieht bei Pristern keine überdurschnittliche Pädophilie-Neigung. Das Gutachten empfiehlt sogar bei fast 50 Prozent der Täter die weitere Beschäftigung.

Eine Studie hat bei des sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigten Priestern keine auffällige Häufung pädophiler Neigungen festgestellt. Es gebe keine besondere Abweichung von der Allgemeinbevölkerung, sagte der Duisburger Forensiker Norbert Leygraf am Freitag bei der Vorstellung der nicht-repräsentativen Untersuchung in Trier. Die deutsche Bischofskonferenz sieht zudem keinen Zusammenhang des Missbrauchskandals mit dem Zölibat.

Nach Bekanntwerden einer Reihe von Missbrauchsfällen am von Jesuiten geführten Berliner Canisius-Kolleg Anfang 2010 war es in Deutschland wie zuvor in anderen Ländern zu einer Welle von Anzeigen sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester gekommen. Zur Aufarbeitung des Skandals hatte die Deutsche Bischofskonferenz unter anderem Wissenschaftler mit der Ursachenforschung beauftragt.

Die Institute für Forensische Psychiatrie der Universitäten Duisburg-Essen, Berlin und Ulm werteten für ihre Studie Gutachten zu insgesamt 78 Geistlichen aus, die ihnen von den Bistümern vorgelegt wurden. Die in den Gutachten behandelten 576 Missbrauchsfälle verübten die Priester zwischen den 1960er und 1990er Jahren an 265 Mädchen und Jungen. Norbert Leygraf, Direktor der Forensik der Uni Duisburg-Essen, erklärte, dies sei eine Zeit gewesen, "in der noch ein anderes gesellschaftliches Bewusstsein und eine geringere Sensibilität für das Thema sexueller Handlungen an Kindern und Jugendlichen vorherrschte".

Täter sollen weiter als Geistliche arbeiten

Ein für die Opfer zentrales Ergebnis der Studie dürfte sein, dass die Gutachter bei den meisten Priestern trotz des Missbrauchs keinen Grund sahen, diese nicht mehr als Geistliche arbeiten zu lassen. Nur bei zwölf Priestern - 15 Prozent der untersuchten Fälle - sei kein weiterer Einsatz empfohlen worden. Bei 29 Priestern oder 37 Prozent der Fälle ein eingeschränkter Einsatz. Und in fast der Hälfte der Fälle, nämlich bei 37 Priestern, sahen die Psychiater keine Bedenken gegen einen weiteren Einsatz in der Gemeinde.

Neun Priester waren pädophil und vier hatten eine Neigung zu pubertären Jungen. Die Beweggründe seien aber "nur in wenigen Fällen Folge einer spezifischen Psychopathologie", sagte der Leiter der an externe Sachverständige in Auftrag gegebenen Studie, Prof. Norbert Leygraf, am Freitag in Trier. Es gebe "keine bedeutsamen Unterschiede" zur übrigen Bevölkerung.

Während die Forensiker in der Untersuchung zwar keine auffällige Häufung von pädophilen Neigungen oder Neigungen zu Pubertierenden feststellten, unterscheidet sich die sexuelle Neigung der untersuchten Geistlichen von der Allgemeinbevölkerung aber deutlich. Nur 54 Prozent der Priester gaben an, heterosexuell orientiert zu sein. 37 Prozent bezeichneten sich als homosexuell und neun Prozent als bisexuell orientiert. Nur jeder Vierte der Priester hatte vor dem Missbrauch keine sexuelle Erfahrung.

Kirche hält am Zölibat fest

Der für die Aufarbeitung des Missbrauchskandals in der Bischofskonferenz verantwortliche Trierer Bischof Stephan Ackermann verteidigte die Empfehlung der untersuchten Gutachten, viele der Priester weiter für den Kirchendienst zuzulassen. "Wenn jemand ein Verbrechen begeht, sich schuldig macht - mit der Sprache der Theologie gesprochen: sündigt - und es von Herzen bereut, dann gibt es ja nach unserem Verständnis auch Umkehr und die Chance zum Neuanfang", sagte Ackermann im Deutschlandradio Kultur.

Einen Grund, das Eheverbot für Priester aufzuheben, sieht Ackermann nicht. "Es gibt keinen Kausalzusammenhang zwischen zölibatärer Lebensweise und sexuellem Missbrauch." Die Opfer der Geistlichen stammten zu 88 Prozent aus den Kirchengemeinden, meist waren es Ministranten oder Jugendgruppenleiter. Zwischen den Übergriffen und der Meldung beim Bistum vergingen meist viele Jahre.

ivi/AFP/DPA DPA

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