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Umsiedelung wegen Stuttgart 21: Ein Sonnendeck für Eidechsen oder wenn Artenschutz zur Posse wird

Wegen des Bahnprojekts Stuttgart 21 werden Tausende Eidechsen umgesiedelt – eine ebenso teure wie schräge Aktion.

Von Isabel Stettin

Stuttgart 21 vs. Artenschutz: Schotter für Millionen

Nach den Erfahrungen der Bahn kostet die Umsiedlung eines einzigen Tieres im Schnitt 3000 Euro, im Extremfall mehr als 8000 Euro

Wolfgang Rollis neue Nachbarn sind anspruchsvoll. Sie benötigen 80 Quadratmeter pro Kopf, viele Steine und ein großzügiges Sonnendeck. Eidechsen sind Diven. Müssen sie beengt leben, bekämpfen sie sich.

Am Rande des Killesbergs, Stuttgarts feinster Adresse, entsteht derzeit ein einzigartiges Biotop. Die Bahn hat 15.000 Tonnen Muschelkalkstein, Schotter und Split auftürmen lassen, riesige Steinhaufen ragen aus der "Feuerbacher Heide". Hier sollen sich demnächst 350 Eidechsen aus Untertürkheim sonnen – umgesiedelt wegen der Bauarbeiten fürs Bahnprojekt Stuttgart 21.

"Jahrelang haben Grüne in Stuttgart diese Flächen vor Bebauung geschützt"

Das Problem: Das Terrain grenzt an ein Landschaftsschutzgebiet, ein grünes Idyll am Rande der Stadt. "Eine Posse", schimpft Anwohner Wolfgang Rolli, der hier jeden Tag mit seinem Hund vorbeispaziert. Die drei Hektar große Fettwiese, auf der im Frühjahr Kräuter und Wildblumen blühten, sei zerstört. "Jahrelang haben Grüne in Stuttgart diese Flächen vor Bebauung geschützt", sagt die Landtagsabgeordnete Thekla Walker, selbst eine Grüne. Warum die Naturschutzbehörde des Stuttgarter Regierungspräsidiums ausgerechnet diese Wiese aufschütten lässt, sei ihr ein Rätsel. Die Stadt hat auf Bitten des Landes die Fläche der Bahn zur Verfügung gestellt.

Juchtenkäfer, Biber und Fledermaus machen den Planern von Stuttgart 21 seit Baubeginn Probleme. Ihr Pech, dass sich auch Eidechsen auf dem Schotter der Gleisanlagen wohlfühlen. Der Artenschutz ist streng. Droht ein Bauvorhaben gegen das Tötungsverbot gefährdeter Arten zu verstoßen, darf es nicht genehmigt werden.

Weil die Tiere trotz Baulärms nicht freiwillig verschwinden wollten, müssen Tausende Zaun- und Mauereidechsen für das Megaprojekt der Bahn auf mehrere Flächen umgesiedelt werden. Speziell ausgebildete Sammler fangen Tier für Tier mit einer Art Mini-Lasso ein, dazu haschen sie nach den kleinen Reptilien wie nach Schmetterlingen, werfen ihnen die Schlinge übers Köpfchen und ziehen vorsichtig zu. In Stoffsäckchen werden sie in ihr neues Heim transportiert und dort zwischen den Steinen ausgesetzt.

Mindestens 15 Millionen Euro teuer ist die Aktion nach Schätzung der Bahn, darin einkalkuliert die jahrelange Beobachtung nach der Umsiedlung, "aber nicht die Kosten für Bauverzögerungen", sagt Jörg Hamann, Sprecher von Stuttgart 21. An einigen Abschnitten haben Eidechsen den Bau um anderthalb Jahre verzögert.

Stuttgart 21: Selbst Naturschützer halten die Umzugsaktion für "überdimensioniert"

Nach den Erfahrungen der Bahn kostet die Umsiedlung eines einzigen Tieres im Schnitt 3000 Euro, im Extremfall mehr als 8000 Euro. Wäre es nicht günstiger, die Echsen auf die steinreiche Schwäbische Alb oder in andere Regionen zu bringen? Geht nicht, sagt Stephan Blum, Artenschutzbeauftragter der Bahn für S 21. Denn der Artenschutz verlangt nicht nur ein tiergerechtes Biotop, sondern auch die Abgrenzung unterschiedlicher Eidechsenfamilien. Gentests belegten, dass die Stuttgarter Mauereidechsen etwas ganz Besonders sind: Mischlinge, die von französischen und italienischen Einwanderern abstammen und vermutlich als Futtertiere für den Zoo nach Stuttgart kamen, aber rechtzeitig Reißaus nahmen. Diese besonderen Eidechsen sollen deshalb nur im Stadtgebiet umgesiedelt werden, fordern die zuständigen Behörden.

Selbst Naturschützer halten die komplizierte Umzugsaktion auf den Killesberg für "überdimensioniert". Hubert Laufer, der als der Eidechsen-Experte im Land gilt, fürchtet, dass binnen eines Jahres ohnehin nur noch ein Bruchteil der Reptilien im neuen Luxusheim leben werden. "Ein nicht unerheblicher Teil der umgesiedelten Tiere stirbt durch den Stress des Ortswechsels", so der Landschaftsökologe.

Polizeigewalt bei Stuttgart21-Demonstration
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.