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Standorttreue Tiere: Stuttgarter Fraktion fordert kontrollierte Futterplätze für Tauben in der Stadt

Mehrere Abgeordnete im Gemeinderat der Stadt Stuttgart fordern gemeinsam eine Lockerung des bestehenden Taubenfütterungsverbotes. 

Tauben und Spatzen sind auf der Königstraße unterwegs

Tauben finden in Stuttgart kein artgerechtes Futter, eine Fraktion fordert Futterplätze in der Stadt

DPA

Eine Fraktion aus Linken, Piraten, Tierschutzpartei und der Gruppe "Stuttgart Ökologisch Sozial" fordert die Lockerung des örtlichen Fütterungsverbotes für Tauben in der Schwabenmetropole. Es sollen spezielle Fütterungsplätze eingerichtet werden. Diese würde den qualvollen Tod der Tiere verhindern und zudem die Ausbreitung der Vögel nachhaltig beschränken. In Stuttgart, wie auch in vielen weiteren Orten, ist es gesetzlich untersagt, Tauben zu füttern. Ziel des Gesetzes ist es "den Taubenbestand im Stadtgebiet zu reduzieren bzw. auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren sowie Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung, Verunreinigung bzw. Beschädigung von Bauwerken und Denkmälern durch Taubenkot zu verringern".

Stadttauben sind standorttreu

Laut dem Antrag der Fraktion fänden Tauben in der Stadt, auch wegen des bestehenden Verbotes, kaum mehr artgerechtes Futter. Die Behauptung von Befürwortern des Fütterungsverbotes, dass die Tauben sich auf den Feldern außerhalb der Städte ernähren könnten, sei nicht haltbar. Zwar würden im ländlichen Raum nach der Getreideernte mitunter Tauben auf Feldern beobachtet, jedoch blieben jene, die im Zentrum größerer Städte lebten, standorttreu. Zudem sei die Erntezeit begrenzt. Die Mähmaschinen hinterließen kaum essbare Abfälle und die Felder würden bereits unmittelbar nach der Ernte umgepflügt.

"Die Behauptung und Befürchtung, dass das Füttern der Tauben ihre massive Vermehrung zur Folge habe, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Durch Domestikation und Zuchtwahl sind die Erbanlagen der Tauben so verändert, dass sie ganzjährig und häufiger als die Wildform brüten, unabhängig vom Fütterungsangebot", begründet die Fraktion ihren Antrag. Ein Vorteil kontrollierter Fütterungsplätze sei zudem, dass die Tauben nicht mehr überall in der Stadt auf Futtersuche gingen.

Krankheitsübertragung äußerst selten

Jedoch stößt die Liebe zu Tauben vielerorts auf wenig Verständnis. Ihr Spitzname "Ratten der Lüfte" ist weit verbreitet, insbesondere da ihnen der Ruf als Krankheitsüberträger vorauseilt. Ornithosen, durch Vögel auf Menschen übertragene Krankheiten, seien laut Robert Koch-Institut mit maximal 32 Ansteckungen in einem Zeitraum von zehn Jahren jedoch extrem selten und träfen in erster Linie lediglich die Vogelzüchter, nicht jedoch Passanten in den Städten und Dörfern, wie der Naturschutzbund Deutschland berichtet.

Wie sich die weiteren Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat zu einer möglichen Lockerung des Fütterungsverbotes positionieren wollen, ist bisher nicht bekannt.

Quellen: Fraktionsantrag Linke/SÖS/Piraten/Tierschutzpartei / Stuttgarter Taubenfütterungsregelung / Nabu

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