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Südafrika: Nur noch einmal pro Woche Fleisch

Das VW-Werk in Uitenhage entließ hunderte Arbeiter. Thobeka Nkevu ist eine davon: Jetzt ist die Mutter ohne Geld und Krankenversicherung.

"Für ein paar Monate reicht das Geld noch, dann wird es wirklich kritisch", sagt Thobeka Nkevu. Sie wurde im Dezember beim Autozulieferer Johnson Controls in der südafrikanischen Autohochburg Uitenhage entlassen. "Einfach so", sagt sie noch immer wütend. "Acht Jahre lang habe ich Sitzbezüge genäht, fünf, sechs Tage die Woche, immer 20 Stück pro Stunde." Dann kürzte das große VW-Werk in Uitenhage die Produktion und entließ fast 600 seiner 3500 Arbeiter.

Es dauerte nur ein paar Tage, bis die Welle die Zulieferer erreichte. Thobeka Nkevu erhielt Ende Dezember zum letzten Mal ihren Lohn: umgerechnet rund 420 Euro. "Jetzt weiß ich kaum noch, wie ich unser Leben finanzieren soll." Zwar zahlte Johnson eine Abfindung von knapp 4000 Euro, doch es gibt keine staatliche Unterstützung, die Arbeitslose auffangen würde. Das ist Sache der Familie. Doch in der Familie Nkevu ist Thobeka die Ernährerin.

Ohne Mann lebt sie mit ihren drei Kindern und zwei Neffen in einem winzigen Haus. Schon die jährlichen Schulgebühren fraßen im Januar fast ein Drittel der Abfindung auf. "Dazu kommen noch die Kosten für die Asthmamedikamente meiner jüngsten Tochter, denn mit der Arbeit habe ich auch meine Krankenversicherung verloren", sagt Nkevu. Also spart sie: Fleisch gibt es nur noch einmal pro Woche, und der Plan, das kleine Haus zu erweitern, ist aufgegeben. Sie wird weiterhin mit ihrer Jüngsten in einem Bett liegen, während ihre Söhne auf dem Boden im Wohnzimmer und die Neffen in einem Verschlag neben der Küche schlafen.

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