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Suizidrate steigt weltweit: Alle 40 Sekunden ein Selbstmord

In unserer Welt sterben mehr Menschen durch den Freitod als durch Kriege oder Morde. Tendenz steigend.

Von Sophie Albers

Selbst wenn man die Opfer von Kriegen und Verbrechen zusammenzählt, sterben in der Welt derzeit mehr Menschen durch Selbstmord als durch andere Verletzungstode. Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind es eine Million Menschen pro Jahr, die den Freitod wählen: Alle 40 Sekunden tötet sich ein Mensch. Und da auf jeden Selbstmord etwa acht bis zehn Versuche kommen, nimmt diese Zahl monströse Ausmaße an. Fünf Prozent aller Menschen versuchen mindestens ein Mal, sich das Leben zu nehmen.

Umso erstaunlicher ist das Desinteresse für den internationalen Tag zur Verhinderung von Selbstmord, der am 10. September für Aufmerksamkeit sorgen sollte. Doch der ging völlig unter angesichts der von Gewalt und Hass geprägten Weltlage, wie Experten feststellen mussten. Umso dringlicher wird der Appell.

Selbstmord ist verhinderbar

"Selbstmord ist meist verhinderbar", so der Aufruf. "Es ist zwingend erforderlich, dass Regierungen über ihre Gesundheits- und Sozialsektoren menschliche und finanzielle Ressourcen für die Verhinderung von Selbstmorden stellen." In manchen Regionen der Welt sei die Selbstmordrate in den vergangenen Jahren um 60 Prozent angestiegen, wird Experte Shekhar Saxena zitiert. "Auch wenn der Selbstmord in Ländern mit hohen Einkommen ein ernstes Problem bleibt, tragen die Länder mit niedrigen und mittleren Durchschnittseinkommen die größte Last." Diese Länder seien zudem am schlechtesten aufgestellt, was die Prävention betrifft.

Am höchsten liegt die Selbstmordrate in osteuropäischen Ländern wie Litauen und Russland. Am wenigsten Freitode werden in Südamerika verzeichnet. Die USA, Asien und Westeuropa bewegen sich im Mittel. Allerdings gibt es kaum Statistiken aus afrikanischen, südostasiatischen und muslimischen Länderen. Letzteres liegt daran, dass der Islam Selbstmord verbietet.

Männer sind drei Mal mehr gefährdet, sich das Leben zu nehmen, als Frauen, allerdings kommt es bei drei Mal mehr Frauen zu einem Versuch. Das wird unter anderem damit erklärt, dass Männer brutalere Tötungsarten wählen als Frauen. Als Gründe für den Wunsch zu sterben wird die verschlechterte Weltwirtschaftslage angegeben, aber auch unheilbare Krankheiten, unerträgliche Schmerzen, Armut, Hoffnungslosigkeit , hohe Schulden, enttäuschte Liebe.

Mehr Selbstmordtote als Verkehrstote

Der detaillierte Blick in einzelne Länder befördert befremdliche wie tragische Vergleiche ans Licht: In Pakistan haben sich in den vergangenen zwölf Jahren 32.762 Menschen das Leben genommen - 4031 Kinder, 11.752 Frauen und 16.975 Männer. "Nur" 5205 kamen durch Selbstmordanschläge ums Leben.

In den USA hat die Selbstmordrate die der Verkehrstoten überholt, berichtet eine neue Studie im "American Journal of Public Helath". Von 2000 bis 2009 wurden die Daten gesammelt und untersucht. Während die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle um 25 Prozent abgenommen habe, stieg die Zahl der Selbstmorde um 15 Prozent. Grund für die Zahlen seien höhere Standards bei der Autosicherheit, sowie härtere Strafen für betrunkenes Fahren. Dagegen sei eine höhere Selbstmordrate typisch für Zeiten der Rezession und wirtschaftlichen Unsicherheit. Im Jahr 2009 haben sich 37.000 Amerikaner das Leben genommen. Im Juli war bekannt geworden, dass sich mehr US-Soldaten das Leben nehmen, als dass sie im Einsatz getötet werden.

Immerhin: Bereits 2004, noch unter Präsident Bush, war ein Präventionsprogramm angelaufen, mit dem Einzelpersonen, Familien und ganzen Gemeinschaften geholfen werden soll.

Die Aussage, die am Anfang aller Studien und Präventionsprogramme steht klingt simpel, muss aber immer wieder wiederholt werden: "Die Leute müssen wissen, dass sie nicht allein sind und dass es in Ordnung ist, um Hilfe zu bitten."

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?