HOME

Swasiland: Defilee zum Ende der Keuschheit

50.000 Jungfrauen und ein Monarch in Partylaune: Im Königreich Swasiland endet Montag der Sex-Bann für Mädchen unter 18 Jahren. Nicht weil der eigentliche Grund - Aids - wegfällt, sondern weil der König sein eigenes Gesetz zu oft übertrat.

Schwarzafrikas letzte absolutistische Monarchie ist in Partylaune. Mit einem Defilee von rund 50.000 barbusigen Jungfrauen will das von Südafrika umgebene Berg-Königreich am Montag das vorzeitige Ende eines umstrittenen Sex-Banns feiern. Swasi-Monarch Mswati III hatte ihn 2001 für junge Frauen unter 18 Jahren verfügt. Mit einer Wollquaddel sollten sie Keuschheit signalisieren und so die Aids-Rate in dem von Südafrikas umschlossenen Binnenstaat reduzieren - sie zählt weltweit zu einer der höchsten. Doch nun ist Schluss mit der königlich verfügten Enthaltsamkeit. Mswati selbst, dem sein Dekret wiederholt Ärger mit Frauenrechtsgruppen durch eigene Übertretungen einbrachte, erklärte es offiziell für beendet.

Eine trifft es immer

Der traditionelle Rietgras-Tanz der jungen Schönen des Landes vor dem königlichen Hof an diesem Montag wird daher von Swasilands Medien bereits als "historisch" gewertet. Seit Tagen schon werden Dutzende Ochsen für das opulente Fest geschlachtet, während die "nationalen Blumen" - so der poetische Name für Swasilands Jungfrauen - bereits emsig Rietgras schneiden. Eine von ihnen darf sich auch in diesem Jahr wieder Hoffnungen machen, dass das königliche Auge mit Wohlgefallen auf ihr ruht. Des Monarchens Häscher werden sie dann in den Palast bringen, um sie auf ihre Rolle als eine der "Emakhosikati" (Königs-Frauen) vorzubereiten.

Erst wenn sie schwanger wird, ändert sich ihr Familienstatus von "Verlobt" in "Verheiratet". Sie wäre dann Ehefrau Nummer 13 des 37- jährigen Monarchen, der neben 27 Kindern auch noch eine Verlobte hat. Das pralle Leben, das Mswati sich mit Annehmlichkeiten wie Luxuskarossen und Palästen versüßt, steht in krassem Gegensatz zum trüben Bild, das das bitterarme Swasiland abgibt. Der seit 1986 per Dekret herrschende Monarch hat immer wieder Kritik an seinem üppigen Lebensstil herauf beschworen, sie bisher aber erfolgreich mit Hinweis auf traditionelle Privilegien und Rechte abgeschmettert.

Keine politische Parteien zugelassen

Doch die barocke Prachtentfaltung von Afrikas Sonnenkönig vermag nicht zu verdecken, dass knapp 70 Prozent der Bevölkerung seines Reichs unterhalb der Armutsgrenze lebt. Aids, Dürre und sinkende Investitionen trüben die Bilanz des 1968 unabhängig gewordenen Staates. Strittige Themen, die das Königshaus und die ihm genehme Regierung berühren, sind tabu in der Monarchie, in der politische Parteien nicht zugelassen sind. Auch die Zukunftsaussichten sind trübe. Der drohende Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen in der Textil- und Zuckerindustrie dürfte die Massenarbeitslosigkeit nach einem Bericht der "Times of Swaziland" noch weiter verschärfen.

Ralf E. Krüger/DPA / DPA