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Tebartz-van Elst: Wohin mit ihm?

Auch wenn alle auf Zeit spielen - kaum jemand glaubt, dass Tebartz-van Elst Bischof in Limburg bleiben kann. Aber was passiert dann mit ihm? In Deutschland gibt es nur einen Fall dieser Art.

Von Alexander Sturm

Fast 800.000 Euro für den bischöflichen Garten, knapp drei Millionen für die Kapelle, 15.000 Euro für die Badewanne: Wegen der Kostenexplosion für seinen Amts- und Wohnsitz steht der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seit Wochen in der Kritik. Nicht 2,5 Millionen Euro, sondern mindestens 31 Millionen Euro wird der Bau kosten – zahlreiche Politiker, Verbände und Kirchenvertreter fordern seinen Rücktritt.

Ob es dazu kommt, könnte sich schon bald zeigen: Sowohl Tebartz-van Elst als auch Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sind nach Rom geflogen, um sich mit Papst Franziskus zu beraten. Zollitsch hatte sein Gespräch bereits - und sagte danach, er sei zuversichtlich, dass es einen Weg aus der "schwierigen Situation" gebe. Offenbar wollen er und Franziskus zunächst jedoch die Ergebnisse der Prüfungskommission abwarten, die am Freitag ihre Arbeit in Limburg aufnehmen wird. Das verschafft Tebartz-van Elst eine Verschnaufpause, mehr aber auch nicht. Denn kaum jemand rechnet damit, dass er in Limburg einfach weiterarbeiten kann. Aber wie könnte dann seine Zukunft aussehen?

Mixa, der einzige Fall in Deutschland

Grundsätzlich kann nur der Papst über die Abberufung eines Bischofs entscheiden, einfach zurücktreten dürfen die Geistlichen nicht. Laut dem Gesetzbuch der katholischen Kirche, dem "Codex luris Canonici", muss ein Bischof seinen Rücktritt selbst anbieten. Mögliche Anlässe sind nur unscharf festgeschrieben: "Ein Diözesanbischof, der wegen seiner angegriffenen Gesundheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund nicht mehr recht in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen, ist nachdrücklich gebeten, den Amtsverzicht anzubieten", heißt es im Canon 401, Paragraf 2.

Der einzige Fall dieser Art in Deutschland ist der des früheren Augsburger Bischof Walter Mixa, der 2010 dem Papst seinen Rücktritt anbot. Ihm wurde vorgeworfen, Minderjährige misshandelt und Kirchengelder veruntreut zu haben. In Slowenien mussten darüber hinaus zwei Bischöfe, die ebenfalls Gelder veruntreut hatten, per Amtsverzicht ihren Posten räumen. Und in Irland reichten wegen des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche gleich mehre Geistliche ihren Rücktritt ein.

Ausweichposten im Vatikan

Rücktrittsgesuche aus Altergründen sind hingegen keine Seltenheit, denn ab dem 75. Lebensjahr muss jeder Bischof dem Papst seinen Ruhestand anbieten. Erst im September nahm Franziskus die Bitte von Zollitsch an. Bei Tebartz-van Elst ist das keine Lösung, er ist erst 53 Jahre. Sollte er freiwillig nicht seinen Rücktritt anbieten, kann der Papst ihn aber auch jederzeit absetzen. Nach Canon 331 ist er "Stellvertreter Christi und Hirte der Gesamtkirche hier auf Erden; deshalb verfügt er kraft seines Amtes in der Kirche über höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann."

Egal ob Tebartz-van Elst als Bischof von Limburg zurücktritt oder vom Papst abgesetzt wird, kann er dennoch in diesem Amt andernorts weiter arbeiten. "Die Bischofsweihe wird davon nicht berührt", sagt eine Pressesprecherin der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn im Gespräch mit stern.de. Die Weihe als Sakrament bleibe erhalten, auch wenn der Posten entfalle. Der ehemalige Augsburger Geistliche Mixa wirkte allerdings wegen des öffentlichen Drucks nicht mehr als Bischof an anderer Stelle weiter. Nach einer Ruhepause berief ihn Papst Franziskus im März 2012 in den vatikanischen Gesundheitsrat.

Fürsprecher in Köln

Theoretisch möglich ist auch eine Amtsenthebung durch "Exkommunikation", also den Ausschluss aus der katholischen Kirche. Doch dafür müssten Verstöße gegen die kirchliche Lehre vorliegen. Papst Benedikt etwa entließ 2011 den australischen Bischof Bill Morris, weil dieser für die Weihe von Frauen zu Priestern eintrat. Die Vorwürfe gegen Tebartz-van Elst – Verschwendung und Veruntreuung von Geldern, eidesstattliche Falschaussage – widersprechen jedoch nicht der kirchlichen Lehre. Bleibt die Versetzung in ein anderes Bistum, sie kann laut Canon 190 gegen den Willen des Amtsinhabers nur bei "schwerwiegenden Gründen" geschehen.

Eine solches Szenario ist durchaus denkbar. Zwar dürfte Tebartz-van Elst wegen der harschen öffentlichen Kritik an seiner Person in kaum einem Bistum gerne gesehen sein, doch mit dem Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat er einen mächtigen Fürsprecher. Gut möglich also, dass der Bischof von Limburg in der Diözese am Rhein unterkommt – oder ebenfalls eine Aufgabe im Vatikan erhält.