Teenager-Schwangerschaften Faltblatt empfiehlt Verhütung durch Handarbeit


Britische Jugendliche sind offenbar besonders lebens- und liebeslustig. Daher gibt es in keinem anderen westlichen Land mehr Teenager-Schwangerschaften als im Königreich. Nun wollen die Gesundheitsbehörden das Problem bekämpfen - und empfehlen, täglich einen Orgasmus zu erleben.

Großbritannien, das Land der Tea-Time, des Linksverkehrs und - der Teenager-Schwangerschaften. In kaum einem anderen westlichen Land werden so viele Mädchen unter 18 Jahren schwanger. Und es werden sogar immer mehr. Erst Ende Februar musste die Regierung Brown eingestehen, dass im Jahr 2007 die Zahl der werdenden Mütter unter 16 zum ersten Mal seit 2002 wieder angestiegen ist: 7715 junge englische Mädchen zwischen zwölf und fünfzehn, die "plötzlich" ein Ungeborenes in sich trugen und sich der Frage stellen mussten, ob sie das Kind haben wollen oder doch eher eine Abtreibung vorziehen. Die zuständige Ministerin Beverly Hughes versprach 20,5 Millionen Pfund, um das Problem in den Griff zu bekommen - Aufklärungsprogramme, Erziehungsarbeit, Medienkampagnen.

Wie viele andere lokale Behörden hat sich auch der National Health Service (NHS) der Stadt Sheffield zu diesem Thema eine Broschüre einfallen lassen. Dringend nötig: Die Stadt im Norden Englands liegt in der Statistik der Teenager-Schwangerschaften sogar noch über dem englischen Durchschnitt. Doch dass es auf dieses Faltblättchen aus der 530.000-Einwohner-Stadt so ein breites Medienecho geben würde, hätte wohl niemand der Autoren gedacht. "Pleasure" - "Vergnügen" - lautet der simple Name. Was sich darin verbirgt, treibt so manchem in der Zielgruppe die Schamesröte ins Gesicht: Anleitung zur Selbstbefriedigung. Denn auch wenn die Teenager Sex miteinander haben - so aufgeklärt, dass sie auch darüber reden können, sind die meisten längst nicht.

Masturbation statt ungeschützten Sex

Die einfache Formel lautet: Wer masturbiert, hat keinen ungeschützten Sex, wird also auch nicht schwanger. Und so wirbt die Broschüre mit dem Slogan: Ein Orgasmus am Tag hält den Arzt fern - eine Anspielung an die englische Redewendung "An apple a day keeps the doctor away." Den Doktor vielleicht schon, aber auch die Hebamme, fragt sich nun so mancher Kritiker. Schließlich machten britische Jugendliche bisher eher nicht den Eindruck, dass sie es bei der Selbstbefriedigung belassen würden.

Man mache den Jugendlichen Sex nicht zusätzlich schmackhaft, behauptet Steve Slack, Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde in Sheffield, gegenüber der Sunday Times. Masturbation bereitet nicht nur großes Vergnügen, sondern es hält auch noch gesund, heißt es in der Broschüre. "Gesundheitsexperten empfehlen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag und dreimal am Tag 30 Minuten Bewegung. Warum nicht Sex oder Masturbation zweimal in der Woche", heißt es in dem Faltblatt, mit dem man laut Slack erreichen kann, dass Teenager sich das berühmte Erste Mal aufheben, bis sie sicher sind, dass sie es genießen können. Slack ist der Meinung, dass auch Jugendliche ein Recht auf genussvolle Sexualität haben - so lange sie gut aufgeklärt sind.

Die britische Regierung hat sich bereits 1998 ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: 2010 sollen in England nur noch halb so viele Mädchen unter 18 schwanger werden. Ob das mit Broschüren gelingt, die jungen Frauen lehren, dass man für Sex nicht immer einen Partner braucht? Da kann man den Briten nur eine glückliche Hand wünschen.

Ulrike Klode

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