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Terre des Hommes: Ein Kampf an über 500 Fronten

Millionen Kinder hungern, werden sexuell ausgebeutet oder leiden unter Krieg und Verfolgung. Terre des Hommes kümmert sich seit 40 Jahren um deren Schicksale - und kommt doch oft zu spät.

Von Daniel Hopkins

Anita hätte heute tot, hundertfach vergewaltigt oder einfach nur ein seelisches Wrack sein können. Wie viele ihrer ehemaligen Leidensgenossinnen in Bolivien. Anita aber geht es gut. Dank der deutschen Hilfsorganisation Terre des Hommes (TdH), die sich in diesem Jahr seit vier Jahrzehnten für Kinder in Not auf der ganzen Welt engagiert.

Eine Chance für eine bessere Zukunft

"Anita hat es geschafft", freut sich Peter Strack. Jahrelang organisiert er vor Ort das Oqhariquna-Projekt der Stiftung La Paz in Bolivien. "Dort haben in den vergangenen 19 Jahren rund 1300 Straßenmädchen und junge Frauen aus der bolivianischen Hauptstadt Zuflucht gefunden", erläutert Strack. Zuflucht, die gleichzeitig eine Chance für eine bessere Zukunft bedeute. Dabei sind die Aussichten auf eine Rückkehr in ein halbwegs erträgliches Leben für ehemalige Straßenkinder schlecht. Fehlende Schulbildung, irreparable Hirnschäden durch Drogenkonsum oder auch seelische und körperliche Verletzungen gehören zu den häufigsten Gründen.

Das Oqhariquna-Projekt hilft gefährdeten jungen Frauen aus diesem Teufelskreis heraus. Die heute über 30-Jährige Anita erhielt damals eine psychologische und medizinische Betreuung und absolvierte eine Mechanikerausbildung. Heute arbeitet sie als Verkäuferin auf einem Markt und versorgt ihre 13- und 15-jährigen Töchter, die zur Oberschule gehen und in wenigen Jahren ihr Abitur machen wollen.

"Es sind so viele, die sterben"

Doch der Entwicklungshelfer muss bei jeder Erfolgsmeldung auch an die vielen Straßenkinder denken, die den Weg aus ihrem brutalen Dasein nicht finden. "Es sind so viele, die sterben", sagt Peter Strack traurig. Den Kampf gegen das Elend und Unrecht gegenüber Kindern fechtet Terre des Hommes im Jubiläumsjahr 2007 mit insgesamt rund 500 Partnerprojekten in 25 Ländern aus. Ob in Guatemala, Peru, Burkina Faso, Sambia, Indien oder Vietnam - die Thematik der Entwicklungshelfer gleicht sich allerorts: gegen Kinderhandel, gegen sexuellen Missbrauch von Kindern, gegen Kinderarbeit. Um den Grundstein für eine bessere Zukunft der Kinder zu legen, fördert der Verein unter anderem Ausbildungs- und Schulprogramme, welche wesentliche Bestandteile der Arbeit von TdH sind. Er sorgt aber auch für Finanzspritzen für Partnerprojekte in den Förderländern.

"Unsere Arbeit geht aber noch weit darüber hinaus", sagt TdH-Sprecher Wolf-Christian Ramm. Längst habe sich die Organisation mit Hauptsitz in Osnabrück auch als politisch agierende Instanz einen Namen gemacht. "Informationsarbeit und politische Einflussnahme stehen als Vereinsauftrag in der Satzung von Terre des Hommes", erklärt er. Der Verein sei Anfang der 80er Jahre eine der ersten Nichtregierungsorganisationen gewesen, die politisch öffentlich Stellung bezogen hätten.

Überdies sehe sich der Verein auch in der Pflicht, bei den geförderten Projekten besonders die Rechte der Frauen zu berücksichtigen. TdH finanziert sich überwiegend durch private Spenden. Einen kleinen Teil der Gesamteinnahmen erwirtschaftet der Osnabrücker Verein selbst. Mit Büchern, Geschenkartikeln oder auch Produkten aus den Ländern, in denen die Organisation fördert. "Das System hilft den Notleidenden bei der Hilfe zur Selbsthilfe", ist Ramm überzeugt.

Ehrenamtliche sind das Zünglein an der Waage

Beim Vertrieb der Produkte helfen unter anderem Schüler bei Aktionen wie jüngst dem Projekt "Straßenkind für einen Tag". Deutsche Jugendliche ziehen dabei in die Innenstädte und machen mit Schuhe putzen, Verkaufs- und Informationsständen und vielen anderen Aktionen auf das Schicksal der Kinder aufmerksam. Unterstützung erfährt der Verein auch durch Prominente wie Dagmar Berghoff oder Barbara Schöneberger. Hilfe, die nötig sei, wie Ramm sagt. "Ohne ehrenamtliche Mitarbeit wäre terre des hommes kaum denkbar." Vielleicht sei gerade sie das Zünglein an der Waage, das Menschen wie Anita eine Chance auf ein neues Leben ermöglicht.

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