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Terror in Istanbul: "Die Explosionen waren so stark, das ganze Gebäude wurde erschüttert"

Der Terror in Istanbul erreicht eine neue Dimension: Gleich drei Selbstmordattentäter greifen den größten Flughafen des Landes an. Er ist Sinnbild für den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei - und steht nun für ein furchtbares Massaker.

Terror in Istanbul: Überlebende Fluggäste halten einander fest

Entsetzen und Erleichterung: Überlebenden der Terrorattacke auf den Atatürk-Airport in Istanbul steht der Horror ins Gesicht geschrieben.

Gute Nachrichten sind selten in der Türkei, doch eigentlich gab es gerade Grund für verhaltenen Optimismus. Nach Monaten der Krise nähern sich Ankara und Moskau wieder an. Mit Israel söhnt sich die Türkei nach jahrelanger Eiszeit aus, das Abkommen dazu wurde am Dienstag unterzeichnet. Doch nur Stunden später wird der nächste Alptraum Wirklichkeit: Selbstmordattentäter greifen am späten Dienstagabend den Istanbuler Atatürk-Airport an. Es ist ein Massaker: Mehr als 30 Menschen werden getötet, fast 150 verwundet.

Es ist schon der dritte schwere Terrorangriff in Istanbul in diesem Jahr, das gerade einmal zur Hälfte vorüber ist. Die Anschläge trafen das historische Zentrum Istanbuls und die berühmteste Einkaufsmeile des Landes - beide gehören zum Pflichtprogramm für ausländische Istanbul-Besucher.

Für diese Taten wurden die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - beziehungsweise die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verantwortlich gemacht. Sie sind auch die Hauptverdächtigen für das jüngste Massaker, wobei Ausmaß und Handschrift der Attacke eher auf den IS schließen lassen, wie es am Abend hieß.


Nur langsam ergibt sich ein Bild in Istanbul

Diesmal ist der Atatürk-Airport das Ziel. Der größte Flughafen des Landes fertigt in etwa so viele Passagiere wie der Airport in Frankfurt/Main ab - und wächst viel schneller als die deutsche Konkurrenz. Der Flughafen trägt den stolzen Namen des Staatsgründers und steht für den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei.

Anders als auf Flughäfen in der EU üblich finden in türkischen Airports Sicherheitskontrollen schon vor dem Eingang ins Terminal statt. So ist das auch im Atatürk-Airport, Gepäck wird vor dem Eingang durchleuchtet, Passagiere müssen durch Metalldetektoren. Das Sicherheitspersonal steht nicht im Ruf, seinen Dienst lax zu verüben - dafür ist die Terrorbedrohung in der Türkei zu hoch.

Die Details des Angriffs wurden nur langsam klarer. Nach Angaben des Istanbuler Gouverneurs Vasip Sahin griffen drei Selbstmordattentäter an. Offiziell unbestätigt blieb zunächst, ob es einer oder mehrere Täter trotz der Sicherheitsvorkehrungen ins Terminal schafften. Berichte von Augenzeugen deuten allerdings darauf hin.


"Wir haben uns in einer Ecke versteckt"

Der Südafrikaner Paul Roos (77) ist zum Zeitpunkt des Angriffs im Flughafen. Er hat einen Segelurlaub mit seiner Frau Susie (69) in Bodrum verbracht, in der Nacht zu Mittwoch will das Ehepaar zurück nach Kapstadt fliegen. Roos sagt, er und seine Frau seien gerade die Rolltreppe von der Ankunftsebene zur Abflugsebene hochgefahren, um einzuchecken. Dann brach die Gewalt los.

"Wir haben Schüsse gehört und uns in einer Ecke versteckt", sagt Roos. "Meine Frau hat die Hände vors Gesicht gehalten, aber ich habe geschaut, was passiert. Ich habe einen schwarz gekleideten Mann gesehen, der etwa 50 Meter von uns entfernt herumgeschossen hat. Leute kamen uns in Panik entgegen gerannt. Nach kurzer Zeit haben wir zwei Explosionen gehört. Es hat sich so angehört, als kämen sie von unten. Sie waren so stark, dass das ganze Gebäude erschüttert wurde."

Einige flohen auf die Landebahn

Roos weiß nicht, wie es nun weitergeht. Er und seine Frau sind aus dem Terminal geflohen und sind nun Hunderte Meter entfernt in Sicherheit - die Polizei hat das Gelände weiträumig abgesperrt.

Ratlose Reisende sitzen vor der Absperrung auf ihren Koffern. Viele versuchen, Angehörige zu erreichen.

Einer der türkischen Wartenden sagt, er warte auf seine Ehefrau, die im Duty-Free-Geschäft im Flughafen arbeite. Sie habe ihm am Telefon gesagt, Menschen im Flughafen seien vor den Terroristen sogar auf die Landebahn geflohen. Der Flugverkehr wird nach dem Angriff vorübergehend komplett eingestellt. Erst am Mittwoch sollen wieder Flüge vom Atatürk-Airport aus in die Welt abheben. Der Flughafen mag dann schrittweise wieder in die Normalität zurückfinden. Bis der Türkei als Nation das gelingt - bis dahin wird noch viel mehr Zeit nötig sein.

dho/Can Merey/Mirjam Schmitt/DPA