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"Vorzeige-Flüchtlingsheim": Til Schweigers Bodyguard wehrt sich gegen Vorwürfe

Er wollte mit Til Schweiger ein Flüchtlingsheim im Harz bauen. Doch Lügen im Lebenslauf lassen an den Absichten von Jan Karras zweifeln. Nun äußert er sich. Den Recherchen des stern widerspricht er dabei nicht.

Von Lisa-Marie Eckardt

Gute Absicht, falsche Freunde: Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger und sein Bodyguard und Freund Jan Karras

Gute Absicht, falsche Freunde: Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger und sein Bodyguard und Freund Jan Karras

Til Schweiger sagt von ihm, er sei ein "nobler Mensch" - "ein Freund, für den ich mir die Hand abhacken lassen würde". Doch die noblen Absichten des Jan Karras stehen ernsthaft in Zweifel, seit der stern herausgefunden hat, dass sich Schweiger für sein geplantes Vorzeige-Flüchtlingsheim im niedersächsischen Osterode mit zwei dubiosen Partnern einließ. Jan Karras ist einer dieser Partner. Nun äußerte sich der Bodyguard und Freund des Filmemachers zu den Vorwürfen.

"Das, was im stern über mich geschrieben wurde, ist starker Tobak. Da werde ich als dubiose Persönlichkeit, als Krimineller hingestellt", empört sich Karras in einem Interview mit der "Hamburger Morgenpost". "Man will mich denunzieren, um Til zu treffen."

Recherchen des stern hatten ergeben, dass der Schweiger-Freund sich als ehemaliger Polizeikommissar ausgibt, obwohl er nie Kommissar war. Er hatte zwar zweimal eine Ausbildung an der schleswig-holsteinischen Polizeischule begonnen, sie jedoch beide Male wieder vorzeitig abgebrochen. Dort waren zuletzt Zweifel an seiner Zuverlässigkeit aufgetaucht. Zu den konkreten Vorwürfen der stern-Autoren hat sich Karras weder geäußert, noch hat er diese dementiert.

"Aber letztlich bin ich doch gar nicht wichtig und das alles nicht das Thema", verteidigt sich Karras, der in Hamburg auch als Türsteher vor Nacht-Clubs arbeitet. Auch seinen engen Freund Til Schweiger nimmt er in Schutz: "Til ist kein Schnacker. Wenn er eine Idee hat, setzt er sie um - am besten sofort!" 

"Anfangs wollte ich mit den Flüchtlingen Geld verdienen"

Doch zu der Umsetzung von Schweigers Vorzeige-Flüchtlingsheim im Harz, an dem auch Karras beteiligt ist, wird es wohl nicht kommen. Denn zum einen musste Schweiger nach dem stern-Bericht einräumen, den anderen Partner, Immobilienunternehmer Wolfgang Koch, nicht einmal persönlich zu kennen. Dessen Firma machte mit ihren mageren Bilanzen einen dubiosen Eindruck. Zum anderen war es Karras' Lebenslauf, der Zweifel an den Absichten aufkommen ließ. Zudem waren mehrere Inkassounternehmen hinter dem Bodyguard her. Fraglich scheint auch, ob er überhaupt die nötige Genehmigung hat, um als Sicherheitsmann zu arbeiten.

"Ich gebe zu, anfangs dachte ich an ein Flüchtlingsheim, weil sich damit Geld verdienen lässt", gesteht Karras im "Mopo"-Interview ein. Doch dann habe bei ihm - "auch dank Til" - ein "Wertewandel" stattgefunden. Plötzlich steht hinter der Idee also reiner Altruismus? So stellt es zumindest Karras dar: "Was soll ich ein teures Auto fahren, wenn ich von dem Geld anderen helfen kann?"

Schweiger gibt sich mit den Hetzern nicht mehr ab

Das nehmen ihm und Schweiger jedoch viele nicht ab. Und neben der Kritik an ihren Absichten schlägt ihnen vor allem der Hass der Flüchtlingsgegner entgegen. Karras findet es "ekelhaft, was zum Teil an Resonanz kommt". Schweiger selbst gibt sich mit dem Shitstorm der Flüchtlingshasser nicht mehr ab, verrät der Bodyguard: "Er hat Leute, die das für ihn filtern." Diese würden die Hetzer sofort anzeigen. "Ich finde es vernünftig, dass er versucht, sich selbst damit nicht mehr zu belasten. Das würde zu zu viel Energie kosten und diesen Leuten eine Wichtigkeit geben, die sie absolut nicht verdienen."

Die Pläne für die Unterkunft in der ehemaligen Kaserne sind erst einmal vom Tisch. Doch damit wolle Schweiger sein Engagement nicht beenden, sagt Karras im Interview. Mit anderen Promis wie Thomas D, Rita Süssmuth und Jan Josef Liefers habe Schwieger eine Stiftung gegründet, die Projekte ermöglichen soll, die der Staat nicht finanziert. 400.00 Euro seien bereits zusammengekommen - etwa für Sportplätze und Deutschunterricht. Die Kaserne im Harz werde verkauft, solle aber trotzdem eine Erstaufnahme werden. "Von meinem Anteil werde ich einen großen Teil in die Stiftung stecken", verspricht der Bodyguard und beteuert: "Es geht mir nicht um Profit."

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?