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Til Schweiger im Shitstorm: Der den Shit zurückschmeißt

Til Schweiger hat Tausende neue Fans gewonnen. Und das ganz ohne Film, dafür mit Haltung. Ein Nachwuchsverehrer schreibt "Heute sind wir alle Schweiger". Naja, fast.

Ein Kommentar von Sophie Albers Ben Chamo

Der Schauspieler und Regisseur Til Schweiger

Til Schweiger antwortet - sofort

Wir müssen Til Schweiger dankbar sein. Denn mal ehrlich, niemand von uns hätte so öffentlichkeitswirksam sagen können, was (hoffentlich) der großen Mehrheit der Deutschen auf Zunge und Herzen liegt, wenn sie Mitbürger lesen/hören/sehen, die Flüchtlinge für Simulanten und Kriminelle halten. Also: danke, Til Schweiger, für dieses "Ihr seid zum Kotzen!" Besser hätte man es nicht ausdrücken können.

Denn es führt zum Brechreiz, wenn man liest, was Schweiger-"Fans" auf der Facebook-Seite des Schauspielers in den Kommentaren hinterlassen haben, nachdem der Filmstar am vergangenen Samstag dazu aufgerufen hatte, eine Spendenaktion für Flüchtlinge in Hamburg zu unterstützen. Innerhalb von Minuten brach ein rechter Shitstorm los.

Meine Bitte an Hamburg: Alle mitmachen!!!❤️❤️󾮖🏻

Posted by Til Schweiger on Saturday, 18 July 2015


Doch dieses im Netz so beliebte Meinungs-Absetzen (vom üblichen "Ich habe nichts gegen Ausländer, aber" bis zu Beleidigungen alles mit dabei) verlief anders als sonst: Denn Schweiger hat - anders als jeder andere A-Klasse-Promi in diesem Lande - sofort geantwortet. Und das auch noch auf dem gleichen sprachlichen Niveau wie seine Angreifer. 

Oh Mann- ich habs befuerchtet!! Ihr seid zum Kotzen! Wirklich! Verpisst Euch von meiner Seite, empathieloses Pack! Mir wird schlecht!!!󾮖🏻󾮖🏻󾮖🏻󾌽󾌽󾌽

Posted by Til Schweiger on Saturday, 18 July 2015

Gerade diese prollige "I don't give a fuck"-Attitüde trägt Schweiger nun ungeheuer Sympathiepunkte ein. Und das auch bei Leuten, die bisher alles andere als Schweiger-Fans waren: "Ich sehe mich gezwungen, ihn von nun an sympathisch zu finden", schreibt etwa ein User auf Facebook. Und einer schwingt sich gar zu einem "Heute sind wir alle Schweiger" auf. Hm, naja, ein bisschen, vielleicht.

Tatsächlich ist niemand im Olymp des deutschen Showgeschäfts so "unvorsichtig" wie Til Schweiger, wenn es ums eigene Image geht. Die ganz großen Nummern halten sich raus, distanzieren sich, schweigen lieber, um sich nicht angreifbar zu machen. Das ist eigentlich überall auf der Welt so. Besonders aber in Deutschland, wo die Trennung von politisch und privat geradezu zum guten Ton gehört. Der war noch nie Schweigers Ding. 

Schweigers offene Worte

Angefangen hat es mit seinem öffentlichen Ärger über Filmkritiker, denen er Elitarismus vorwarf. 2011 forderte der Schauspieler und Regisseur eine Meldepflicht für Sexualstraftäter, vier Jahre später wetterte er öffentlich gegen den SPD-Politiker Edathy, der unter dem Verdacht stand, Kinderpornographie konsumiert zu haben. 2013 hat Schweiger sich für Soldaten in Afghanistan eingesetzt. Dann wollte er den "Tatort"-Vorspann verändern. Und jetzt also das Flüchtlingsthema, bei dem die richtige Seite zu finden, doch eigentlich unfassbar einfach sein sollte, wenn jemand darum bittet, für Menschen, die alles verloren haben, zu spenden: Sind Sie ein Mensch oder - verzeihen Sie mein Schweiger-Deutsch - ein Arschloch?

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