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Tipps für die Schulsuche: Wie Eltern gute Privatschulen erkennen

Auch unter Privatschulen gibt es gute und weniger gute. Anhand einiger Kriterien erkennen Eltern, welche Einrichtung wirklich zu ihrem Kind passt. Die wichtigsten Punkte für die Schulauswahl.

Von Christian Füller

Privatschulen bieten nicht per se die bessere Ausbildung. Bevor Eltern ihr Kind einer Einrichtung anvertrauen, sollen sie eine Reihe von wichtigen Punkten überprüfen.

1. Sprechen Sie mit den Lehrern!

Die Lehrer sind die wesentlichen Akteure einer Schule - abgesehen von Ihrem Kind, versteht sich. Wichtig bei einer Privatschule: Erkundigen Sie sich, wie hoch die Fluktuation bei den Pädagogen ist. Wenn Sie davon hören, dass es gleich mehrere nur ein Schuljahr lang ausgehalten haben, dann sollten Sie gewarnt sein. Es gibt Privatschulen,die der Form nach ein geniales Konzept haben - deren Lehrer sich aber die Klinke in die Hand geben. Entweder weil sie schlecht bezahlt werden. Oder weil miese Stimmung im Kollegium herrscht. Oder beides. An so einer Schule hat Ihr Kind nichts verloren. Es ist kein Versuchskaninchen.

2. Welche Schule wollen Sie eigentlich?

Kleine Klassen, Englisch als Unterrichtssprache und eine Instrumentalklasse? Manche Eltern finden, dass dies eine gute Privatschule ausmache. Kann sein, muss aber nicht. Wichtiger ist, dass Ihr Kind selbstbewusst und zufrieden nach Hause kommt, dass es von seinen Lehrern gefordert wird, aber dennoch in eigener Geschwindigkeit lernen kann. An vielen staatlichen Schulen herrscht heute noch die Methode "press und stopf". Gerade die Gymnasien mit verkürzter Ausbildungszeit und manche Grundschulen von der dritten Klasse an füllen Schüler ab, als wären es Mastgänse. Das sollten Sie Ihrem Kind nicht antun. Sehen Sie sich zum Beispiel den neuen Schulpreisträger an. Die kleine Sophie-Scholl-Schule im bayerischen Bad Hindelang schafft etwas, was eigentlich gar nicht gehen könnte: Sie arbeitet, da sie eine Krankenhausschule ist, mit einer schnell wechselnden Klientel - und bringt trotzdem mehr Spaß und Erfolg als die Heimatschulen. "Wir fokussieren das Lernen auf jeden Einzelnen", erklärt Schulleiterin Angela Dombrowski. "Der Schüler erlebt: 'Ich bin mein eigener Chef!'"

3. Zu welchem Typ gehört die Privatschule?

Ist die Schule, die Sie sich ausgeguckt haben, eine religiös geprägte? Vielleicht eine Spur zu religiös? Acht von zehn Privatschulen haben einen kirchlichen oder zum Spirituellen neigenden Hintergrund: die konfessionellen und die Waldorfschulen. Das muss nicht zwingend ein Problem sein. Bei den Schulpreisen 2010 sind drei von ihnen ausgezeichnet worden, aber weder die Waldhofschule Templin noch das Evangelische Firstwald-Gymnsium Mössingen und schon gar nicht die Sophie-Scholl-Schule sind wirkliche Bekenntnisschulen. Das heißt: Dort steht nicht das Beten im Mittelpunkt. Allerdings finden sich gerade bei den evangelischen Schulen noch einige mit sehr missionarischem Ansatz. Auch bei den Waldorfschulen lohnt es sich, aufmerksam zu sein: Viele benutzen Rudolf Steiners Lehren lediglich als Werkzeugkasten für selbstständiges Lernen, etwa die Epochenarbeit. In anderen Waldorfschulen aber wird der Begründer der Anthroposophie geradezu vergöttert - das muss man mögen.

4. Seien Sie ein aufmerksamer Schulinspektor!

Schauen Sie sich die Schule an, in die Sie Ihr Kind schicken wollen. Dazu gehört unbedingt das Klassenzimmer. Steht der Lehrer wie bei Heinz Rühmanns "Feuerzangenbowle" vor der Klasse? Oder sieht es vielleicht schon so aus wie in den wunderbaren Freien Aktiven Schulen Wülfrath? Klassenzimmer heißen hier Schatzkammer oder Kreativraum. Man blickt in eine Lernlandschaft, in der überall Kinder sitzen, liegen, sich manchmal sogar fläzen - und doch arbeiten alle. Ja, das ist keine Garantie für gute Schule. Aber wundert es Sie nicht auch manchmal, dass viele Klassenzimmer heute noch so angeordnet sind wie in einem Museum, das uns die Schule des 18. und 19. Jahrhunderts zeigt? Sie fahren doch auch keinen alten Käfer mehr oder kochen auf einem Holzofen. Also: Sollten Sie sich beim Betreten der Klassenzimmer an Ihre eigene Schulzeit erinnert fühlen - kehren Sie besser um.

5. Denken Sie an eine Absicherung!

Was passiert, wenn Sie das Schulgeld nicht mehr zahlen können? Muss Ihr Sohn oder Ihre Tochter dann sofort raus? Oder hat die Schule einen Sicherungsfonds installiert, der es Kindern klammer Eltern ermöglicht, das Schuljahr würdevoll zu Ende zu bringen? Danach sollten Sie fragen. Die meisten Privatschulen verlangen übrigens viel weniger Gebühren als gemeinhin angenommen. Zwischen 50 und 120 Euro pro Monat zahlt man im Schnitt. Luxusschulen, die bis zu 30 000 Euro im Jahr kosten, sind absolute Ausnahmen.

6. Wann zahlt der Staat?

In vielen Bundesländern müssen die Betreiber von Privatschulen zwei oder sogar fünf Jahre warten, ehe der öffentliche Haushalt etwas zum Budget beisteuert. In anderen sind die Zuschüsse mickrig. Für die Institute bedeutet das oft, eine harte Durststrecke zu überwinden. Selbst die noble Privatschulkette Phorms musste deswegen zwei Filialen abgeben. Hat die Schule aber finanzielle Probleme oder gerät gar ganz ins Aus, dann haben Sie Geld verloren und Ihr Kind wertvolle Zeit. Sie können das kaum verhindern - aber Sie können die Betreiber fragen: Wann und wie hilft der Staat Ihrer Privatschule?

7. Die Mischung macht’s

Wollen Sie Ihr Kind eigentlich in einem Raumschiff lauter Gleichartiger aufwachsen lassen? Oder fänden Sie es gut, wenn Ihr Kind auch mal einem Marsmännchen begegnet? Privatschulen unterliegen stets der Gefahr der sozialen Sonderung. Entweder sie versammeln eine selbst ernannte Elite - oder sie lesen die Trümmerkinder auf, die das staatliche Schulsystem zurückgelassen hat. Beides ist gut und muss sein. Die Ausgestoßenen aus der Regelschule sind nicht selten die interessantesten Kinder. Aber: Wer will schon ausschließlich mit verzogenen Schnöselchen aufwachsen - oder sich einzig und allein mit auffälligen Klassenkameraden herumschlagen? Nachfragen sind zugleich ein Härtetest für den Direktor: Wie transparent ist seine Schule wirklich?

8. Lernen Sie vor allem den Schulleiter gut kennen!

Während staatliche Schulen oft (nicht immer!) von besseren Verwaltungsbeamten oder Paragrafenreitern geführt werden, ist der Leiter einer Privatschule Manager, erster Lehrer und Spiritus Rector in einem. Woran können Sie seine Qualität erkennen? Sie werden es spüren. So wie der Direktor einer freien Schule sein pädagogisches Personal aussucht und inspiriert, so wird er auch Sie begeistern. Er wird nicht jammern, sondern Ihnen seine spannendsten Projekte vorstellen. Fragen Sie einfach! Wie viele Stipendien für Kinder armer Leute gibt es wirklich? Sind seine Kollegen eigentlich alle ausgebildete Lehrer? Und: Wo ist die Toilette? Das ist noch immer die beste Visitenkarte einer Schule.

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