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Tochter von Helmut Schmidt: "Jammern ist bei uns nicht angesagt"

Kurz vor dem 90. Geburtstag von Altkanzler Helmut Schmidt spricht seine einzige Tochter Susanne erstmals öffentlich über ihren Vater. Dabei gibt sie tiefe Einblicke in Privates und erzählt über die hochdramatischen Jahre des RAF-Terrors.

In einem Interview in der neuen, bereits am Mittwoch erscheinenden Ausgabe des stern erzählt die heute 61-jährige promovierte Finanzexpertin und TV-Journalistin, sie habe ihren Vater als einen zwar fernen, aber liebevoll zugewandten Vater erlebt, einen Mann "von rustikaler Zuneigung". Er war es, der sie aufgeklärt hat, "wie man Kinder kriegt oder auch nicht".

Sowohl ihren Vater, als auch ihre Mutter Loki schildert Susanne Schmidt im stern als pragmatisch und schnörkellos: "Wir sind alle drei keine Leute, die ständig ihr Innerstes nach außen kehren. Jammern ist nicht angesagt." In der Erziehung hätten beide Eltern erfolgreich an ihre Vernunft appelliert. "Und ich war immer vernünftig. Vielleicht ein bisschen zu sehr", so Susanne Schmidt im stern.

Nur an die bedrückenden Jahre der RAF, als Kanzler Schmidt ganz oben auf der Abschussliste der Terroristen stand, erinnert sich die Tochter mit Unbehagen. "Das waren hochdramatische Zeiten, an die ich nicht gern zurückdenke." Sie habe ständig Angst um ihre Eltern gehabt. Das Haus sei ständig umzingelt gewesen von Polizisten und bewacht von Kameras. Nie konnte sie einfach mal so mit Freunden ausgehen. "Es waren zeitweise vier Bodyguards dabei, mit Maschinenpistolen."

Ebenso wie Loki und Helmut Schmidt hatte auch Tochter Susanne beschlossen, sich im Falle einer Entführung durch die RAF nicht austauschen zu lassen. "Wir waren einer Meinung. Der Staat darf sich nicht von Terroristen erpressen lassen."

Susanne Schmidt, 61, arbeitet beim Börsenkanal Bloomberg in London und lebt mit ihrem Ehemann Brian Kennedy, einem irischen Banker, in der englischen Grafschaft Kent.

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