Tod von Johannes Paul II. Abschied und Neubeginn im Vatikan


Kardinäle, Kirchenführer und Politiker haben dem toten Papst am Sonntag die letzte Ehre erwiesen. Im Vatikan bereitet man sich bereits auf den Ansturm der Gläubigen und die Wahl des nächsten Papstes vor.

Ende einer Ära, Abschied und Neubeginn: Nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. trauern Millionen Menschen rund um den Erdball. Das Kirchenoberhaupt war am Samstagabend im Vatikan nach langem Todeskampf im Alter von 84 Jahren gestorben. Politiker und Repräsentanten der Weltreligionen würdigten den Papst aus Polen am Sonntag als Mann des Friedens und "großen spirituellen Führer". Zu den Trauerfeiern in dieser Woche in Rom werden bis zu zwei Millionen Menschen erwartet. Im Vatikan laufen die Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Papstes. Spekulationen um die Nachfolge haben begonnen.

Johannes Paul war nach mehr als 26 Amtsjahren am Samstagabend um 21.37 Uhr in seinen Gemächern über dem Petersplatz gestorben. Der einbalsamierte Leichnam wurde am Sonntag in den Räumen des Vatikans aufgebahrt. In einer bewegenden Trauerfeier auf dem Petersplatz sagte Kurienkardinal Angelo Sodano am Sonntag vor mehr als 130.000 Menschen: "Unserem unvergesslichen Vater sagen wir hier - unter dem Haus, in dem er ruht, dass ihn die Engel ins Paradies führen werden."

Zahlreiche Kardinäle und italienische Spitzenpolitiker erwiesen dem Toten in der Sala Clementina die letzte Ehre. Johannes Paul war in seinem roten Pontifikalgewand mit Mitra und Bischofsstab aufgebahrt, so wie er es selbst 1996 angeordnet hatte. Die friedlichen Gesichtszüge des Toten lassen auf einen sanften Tod schließen. Am Montag soll der Leichnam in den Petersdom gebracht werden, wo Gläubige aus aller Welt von ihm Abschied nehmen können.

Kardinalskongregation tritt Montag zusammen

Am Montag wird auch erstmals die Kardinalskongregation zusammentreten, die die römisch-katholische Kirche in der Übergangsphase provisorisch leitet. Die Kongregation mit den höchsten Würdenträgern der Kirche hat unter anderem zu bestimmen, wann der Papst beerdigt wird. Dies werde vermutlich nicht vor Donnerstag geschehen, hieß es in Rom. Polnische Medien spekulierten darüber, dass zumindest das Herz des Papstes auf dessen Wunsch hin in Polen beigesetzt werden könnte.

Nach der Beisetzung konzentriert sich die Führung der Weltkirche auf die Wahl eines neuen Papstes nach uraltem Ritual. Diese Wahl muss 15 bis 20 Tage nach dem Tod beginnen. Dazu hat der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger, einer der starken Männer dieser Stunde im Vatikan, bereits die 117 wahlberechtigten Kardinäle aus aller Welt nach Rom berufen. Dort sollen sie an dem streng abgeschirmten Abstimmungsverfahren, dem so genannten Konklave, in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan teilnehmen. Bobachter halten den Ausgang für völlig offen. Ein "Übergangspapst" aus Italien wurde ebenso für möglich gehalten wie ein "Reformpapst" aus der Dritten Welt. Als Mitfavorit gilt auch der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger.

Offizielle Todesursache: Blutvergiftung und Herz-Kreislauf-Zusammenbruch

Der schwer kranke Pontifex war am Samstagabend in den päpstlichen Gemächern im Vatikan seinen Leiden erlegen, wie der Kirchenstaat bekannt gab. Auf dem offiziellen Totenschein werden eine Blutvergiftung und ein Herz-Kreislauf-Zusammenbruch genannt.

Italienische Medien berichteten, das letzte Wort des Papstes sei "Amen" gewesen. Nach den Worten von Vatikansprecher Joaquin Navarro- Valls starb er im Beisein seiner engsten Vertrauten. Diese hätten noch eineinhalb Stunden vor dem Tod eine Messe am Sterbebett gelesen. Dann habe der Papst nochmals das Sterbesakrament erhalten. Unter den letzten Besuchern am Sterbebett waren auch Ratzinger und weitere Kurienkardinäle.

Nachdem der Kämmerer des Vatikans, Kardinal Eduardo Martinez Somalo, offiziell den Tod festgestellt hatte, wurde Johannes Paul der Fischerring, das Symbol der päpstlichen Macht, abgenommen. Damit war das Pontifikat beendet. Alle wichtigen Amtsträger der Kurie traten damit automatisch von ihren Ämtern zurück.

Bereits unmittelbar nach Bekanntgabe des Todes von Johannes Paul II. kamen Hunderttausende Menschen überall auf dem Erdball zusammen, um zu beten. Auch in zahlreichen deutschen Städten läuteten die Glocken, die Flaggen wurden am Sonntag auf Halbmast gesetzt. Eine zentrale deutsche Trauerfeier findet am Mittwoch in der Berliner St.-Johannes-Basilika in Berlin statt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) würdigte den Papst für sein "unermüdliches Eintreten für den Frieden, für Menschenrechte, Solidarität und soziale Gerechtigkeit". In Italien und fast allen Staaten Lateinamerikas, selbst im kommunistischen Kuba wurde Staatstrauer ausgerufen. In Polen, dem Geburtsland des Papstes, trauerten viele Hunderttausend Gläubige.

Kritik von Küng

Der Tübinger Theologe Hans Küng sprach aber auch von einer "schweren Erblast", die Johannes Paul II. der Kirche hinterlassen habe. Das Engagement des Pontifex sei unbestritten, schrieb Küng in der "Sonntags-Zeitung": "Innerhalb der Kirche aber herrscht eine Hoffnungs- und Vertrauenskrise. Die Innenpolitik des polnischen Papstes war verheerend", so Küng. Dem Theologen war wegen seiner Kritik am Papsttum 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen worden.

Johannes Paul II., der 264. Papst der Kirchengeschichte, war seit vielen Jahren schwer krank. Er litt an der Parkinson-Krankheit und an den Folgen eines Attentats im Jahr 1981. Er konnte nicht mehr gehen und saß zuletzt im Rollstuhl. Nach einem Luftröhrenschnitt Ende Februar verschlechterte sich sein Zustand weiter. Ostern konnte er den Segen Urbi et Orbi mit der Hand nur noch andeuten, aber nicht mehr selbst sprechen. Zuletzt hatte er hohes Fieber.

DPA DPA

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