Trauer Pater Basilius Streithofen gestorben


Der Dominikanerpater und Sozialwissenschaftler Basilius Streithofen ist tot. Der frühere Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl starb am Dienstagmorgen im Alter von 80 Jahren.

Zeit seines Lebens war Basilius Streithofen bekannt für drastische, teils umstrittene Äußerungen zu tagespolitischen Themen. Er kritisierte die CDU ebenso wie den Deutschen Gewerkschaftsbund, die Grünen und die Sozialdemokraten. Jetzt ist der Dominikanerpater und Sozialwissenschaftler im Alter von 80 Jahren im Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg in Bonn gestorben.

Über die CDU sagte er einmal, in ihr seien auch "machtpolitische Schwachmatiker, Gschaftlhuber oder opportunistische Schönschwätzer/innen". Die katholischen Bischöfe zieh er wegen ihrer Haltung gegenüber dem päpstlichen Verbot, durch Beratungsscheine den Weg zur straffreien Abtreibung zu öffnen, der Doppelmoral, und den deutschen Christen attestierte er eine sehr laue Einstellung zum Glauben.

Einfluss auf die CDU

Streithofen, am 20. Dezember 1925 in Anrath bei Krefeld am Niederrhein geboren, machte zunächst eine Lehre als Textilkaufmann. Während des Zweiten Weltkrieges entschloss sich der 17-Jährige, Priester zu werden. In den Dominikanerorden trat er 1950 ein. Nach Philosophie und Theologie studierte er als Priester zudem Soziologie und Volkswirtschaft. 1967 promovierte er im schweizerischen Fribourg mit einer Arbeit über die "Wertmaßstäbe der Gewerkschaftspolitik", im selben Jahr ging er an das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg und leitete es seit 1993.

Als eine Art politischer Beichtvater prominenter Christdemokraten gewann Streithofen Einfluss in der Partei. Der von ihm begründete "Walberberger Kreis" wurde zum regelmäßigen Treffpunkt der Parteiprominenz. Zu Kohl hatte er bereits zu dessen Zeit als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident gute Beziehungen. Aber auch zur SPD hatte er Kontakte. Unvergessen ist vielen jene legendäre Begegnung von Herbert Wehner (SPD) und den Dominikanern, die 1969 im Kloster Walberberg stattfand.

Dem Deutschen Gewerkschaftsbund stand Streithofen sehr kritisch gegenüber. Nach seiner Meinung sei das Streikrecht zum "Erpressungsmittel zu Lasten der Gesamtgesellschaft" degeneriert. Mit Skepsis beurteilt er auch die Tarifautonomie, weil sie die Tarifpartner von ihrer Gemeinwohlverantwortung entlaste. Im März 1981 lehnte die DGB-Spitze die Teilnahme an einer Fernsehdiskussion mit Streithofen ab.

Beleidigungsverfahren gegen Streithofen

Aufsehen erregte auch, dass Streithofen bei einer Bundeswehrveranstaltung zum Golf-Konflikt im Februar 1991 die Forderung erhob, Deutschland dürfe nicht "im pazifistischen Abseits herumdümpeln". Für große Aufregung sorgte 1992 eine öffentliche Äußerung, Polen und Juden seien die "größten Ausbeuter des deutschen Steuerzahlers". Ein daraufhin gegen ihn eingeleitetes Beleidigungsverfahren wurde zwei Jahre später gegen eine Zahlung von 4000 Mark an eine Kinderklinik eingestellt, nachdem Streithofen selbst seine Äußerungen bedauert hatte.

Der Termin der Beerdigung stand am Abend noch nicht fest. Ein Sprecher des Dominikanerklosters Heilig-Kreuz in Köln, zu dem Streithofen gehörte, sagte, in dieser Woche werde der Verstorbene voraussichtlich nicht mehr zu Grabe getragen.

DPA


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