Trauer um den Papst "Pilgerstrom von biblischen Dimensionen"


In den Seitenstraßen vom Petersplatz stehen tausende von Dixi-Toiletten, 600 Ärzte und Sanitäter sind im Dauereinsatz. Und ein Ende des Pilgerstroms ist nicht zu erkennen. Vier Millionen Menschen wollen die Trauerfeier für Johannes Paul II. live in Rom erleben.

Freitag auf dem Petersplatz: In roten Messgewändern schreiten die Kardinäle, angeführt von Joseph Ratzinger, und östliche Patriarchen zur Beerdigungszeremonie. 300.000 Menschen werden sich im weiten Rund zwischen den Säulengängen drängen. 200 Staatsgäste, darunter Könige und Königinnen, US- Präsident George W. Bush, UN-Generalsekretär Kofi Annan, Bundespräsident Horst Köhler, sitzen auf Ehrenplätzen in nächster Nähe. Vor dem Altar steht der geschlossene Sarg mit Johannes Paul II. - darauf ein Evangelium, dessen Seiten der Wind bewegt. So ist das größte Papstbegräbnis der Geschichte geplant.

Die meisten werden Abseits des Peterplatzes stehen

Einen "Pilgerstrom von biblischen Dimensionen" erwarten die Behörden, rund vier Millionen Gläubige wollen zu den Feierlichkeiten nach Rom kommen. Die meisten werden abseits des Petersplatzes ihren Blick auf Riesenleinwände richten müssen - etwa im Olympiastadion oder am Kolosseum. "Es macht nichts, dass wir nicht direkt am Petersplatz sein können", sagt jemand aus einer polnischen Pilgergruppe: "Überall in Rom ist es in diesen Tagen so, als würde man den Hauch der Geschichte atmen."

Daneben haben die Römer mit ganz weltlichen Problemen zu kämpfen, genauer die rund 600 Ärzte und Sanitätshelfer. Sie sind rund um den Petersplatz im Dauereinsatz, und kümmern sich um die Gläubigen. Allein der Malteserorden, der von einem achtköpfigen Team des deutschen Malteser-Hilfsdienstes verstärkt wird, habe inzwischen rund 1000 Menschen geholfen. 15 von Ihnen mussten ins Krankenhaus gebracht werde. Am Sonntag sei eine 57 Jahre alte Frau aus der Ukraine nach einem Herzinfarkt versorgt worden und am selben Tag in einer Klinik gestorben.

"Neben Patienten mit Unterzuckerung oder Herz-Kreislauf-Problemen mussten die Helfer auch kleinere Schnittwunden versorgen", heißt es bei den Maltesern. Eines der häufigsten Probleme sind Übermüdung und Erschöpfung von Menschen, die stundenlang Schlange standen, um den Leichnam von Papst Johannes Paul II. zu sehen.

In einem logistischen Kraftakt wurden in den Seitenstraßen reihenweise Dixi-Klos aufgestellt. Noch am Mittwoch sind zusätzlich rund 1000 mobile Toilettenhäuschen aus Mailand nach Rom geflogen worden.

Damit Menschen auf dem gesamten Globus das Großereignis Papst-Beisetzung verfolgen können, haben sich 4000 Journalisten aus aller Welt haben angemeldet, darunter ehemalige auch Kriegsberichterstatter von CNN und al Dschasira. Die Amerikaner haben schon vor Jahren ein Penthaus mit Panoramaterrasse angemietet - mit Traumblick auf den Petersdom. "Das ist eine Ansammlung von Medien und Staatsrepräsentanten am gleichen Ort, die mit keinem Ereignis der jüngeren Geschichte vergleichbar ist", sagt ein Vatikanmitarbeiter.

Drei Stunden dauert die Totenmesse

Drei Stunden soll die Totenmesse auf dem Petersplatz dauern, sechs Sprachen sollen gesprochen werden - und Latein. Roberto Colavalle vom Chor der Sixtinischen Kapelle, ein Spezialist für Gregorianischen Gesang, singt das Requiem. Es sei wunderschön, sagt er. Dann wird der Sarg in Begleitung von wenigen hohen Kurienvertretern in den Petersdom und in die Grotten gebracht.

Das Begräbnis, das nicht vom Fernsehen übertragen wird, dauert noch einmal etwa eine halbe Stunde. Zum Zeichen der Demut wolle er in die bloße Erde, nicht in einen Marmorsarkophag gelegt werden, so lautete der Wunsch des Papstes. Bevor der Sarg endgültig geschlossen und versiegelt wird, wird dem Toten ein Schleier aus weißer Seide über das Gesicht gelegt. Auch ein Säckchen mit Silber- und Bronzemünzen, eine Rolle mit seinen Lebensdaten in lateinischer Sprache werden beigegeben. Dann beten die Kardinäle ein letztes "Vater unser" - und der Sarg wird 1,70 Meter tief in die Erde gelassen. Auf einer schlichten Marmorplatte wird künftig stehen: "Joannes Paulus II 1920 – 2005".

In der Woche nach der Beisetzung wird im Vatikan vermutlich wieder etwas mehr Ruhe einkehren. Erst am Montag, den 18. April richten sich die Augen der Weltöffentlichkeit auf den Petersdom. Dann beginnt die Papstwahl: Mit einer Messe und einem Vortrag des tschechischen Kardinals Tomas Spidlik. Nach dem Gottesdienst am Vormittag werden die Purpurträger am Nachmittag in einer feierlichen Prozession zur Sixtinische Kappelle ziehen, teilte der Vatikan am Donnerstag mit. Nach kurzen Reden solle dann ein erster Wahlgang beginnen.

117 Kardinäle sind wahlberechtigt. Wie in Rom zu erfahren war, kann zumindest einer der Papstwähler nicht kommen. Es handele sich um Jaime Sin, Erzbischof in der philippinischen Hauptstadt Manila. Der Kirchenmann aus Südostasien sei zu krank für die Reise.

Mit Material von DPA

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