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Trauerfeier für Loki Schmidt: Das Ende einer großen Liebe

Bewegende Trauerfeier für Loki Schmidt: Mehr als 2000 Gäste wollten Abschied nehmen - zurück bleibt ein alter Mann, von dem seine Freunde hoffen, dass er die Kraft findet weiterzumachen.

Von Niels Kruse

Leise pfeift die Querflöte von der Nordempore herunter in den riesigen, weiß-goldenen Raum. Tonleiter rauf, Tonleiter runter: Warmspielen für Johann Sebastian Bachs H-Moll-Ouvertüre, die ein 20-köpfiges Orchester in wenigen Minuten beginnen wird. Der Mann am Cembalo stimmt ein letztes Mal sein Instrument. Die Plätze der St. Michaelis-Kirche füllen sich, es ist Gemurmel zu hören, vor allem aber die straffen Schritte der schwarzgekleideten Platzzuweiser, die die Trauergäste zu ihren Sitzen begleiten.

Richard von Weizsäcker ist einer der Ersten, als Alt-Bundespräsident darf er nach vorne in die Ehrenreihe, in der später auch einer seiner Nachfolger, Horst Köhler, Ex-Bundeskanzler Gerd Schröder und Amtsinhaberin Angela Merkel Platz nehmen werden. Daneben Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister Hennig Voscherau sowie das aktuelle Stadtoberhaupt Christoph Ahlhaus. Diese Garde von ehemaligen und noch aktiven Politkern ist es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen, nun, an diesem tristen Montagmittag, tritt sie hinter einer Frau zurück, die zwar selten im großen Rampenlicht gestanden hat, aber dennoch verehrt und geachtet wurde wie nur wenige andere Persönlichkeiten aus dem Umkreis der Politik.

Beispielloser Aufmarsch an Politprominenz

Hamburg nimmt Abschied von Loki Schmidt. Mehr als 2000 Trauernde haben sich im Michel eingefunden, dem Wahrzeichen der Stadt. Die Bürger drängen sich bereits anderthalb Stunden vor Beginn der Trauerfeier vor dem Eingang. Jeder muss durch die Sicherheitsprüfung, Taschen werden durchwühlt, Metalldetektoren wandern über Kragen, Säume und Hosenbünde. Selten erlebt Hamburg einen derartigen Aufmarsch an Politprominenz: Außer den ehemaligen und noch aktiven Staats- und Regierungschefs geben sich die vier letzten Bürgermeister der Stadt die Ehre, dazu der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen, Kurt Biedenkopf sowie der SPD-Veteran Hans-Jochen Vogel. Und natürlich, allen voran, der Witwer, Bundeskanzler a.D., Helmut Schmidt.

Viel ist über die Botanikerin und die Kanzlergattin gesagt worden, seit sie am 21. Oktober gestorben ist. Friedlich, wie Christoph Ahlhaus betont. Nach einer Zeit des Leidens, wie Henning Voscherau, früherer Bürgermeister Hamburgs ergänzt. Er hat den Weg der Schmidts lange begleitet, und seine klare und anrührende Rede, gespickt mit Anekdoten über ihr Leben, gerät nur einmal kurz ins Stocken, als dem nüchternen Notar die Stimme versagt.

Schlicht, eine schöne Liebesgeschichte

Die Schmidts waren 68 Jahre verheiratet, auf den 70. Hochzeitstag hatten sie sich gefreut. Doch nun wurde "das ehrwürdige Hamburger Liebespaar auseinander gerissen", wie Voscherau sagt und die Faszination für Hannelore und Helmut in einem Satz zusammenfasst: Es ist schlicht die schöne Liebesgeschichte eines Paars, das sich in der Grundschule kennengelernt hat und 82 Jahre gemeinsam durchs Leben gegangen ist. "Unsere Loki war bescheiden, weltoffen, humorvoll und gradlinig - genauso wie sich Hamburg gerne selber sieht", sagt Christoph Ahlhaus, der CDU-Bürgermeister, dessen Vorgänger Ole von Beust sie vor knapp zwei Jahren zur Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt gemacht hat.

Nach etwas mehr als einer Stunde endet die schlichte Feier. Weiße Lilien schmücken den Eichensarg. "Wir sind unendlich traurig", steht auf der Schleife des Familienkranzes. Vorne, in der allerersten Reihe, sitzt ein in sich gesunkener Helmut Schmidt neben Tochter Susanne und Schwiegersohn Brian Kennedy - ein sehr alter Mann, dem ein großer Teil seines Lebens genommen wurde. Wahrscheinlich der wichtigste. Niemand weiß, wie es in ihm aussieht, und beinahe flehend bittet Henning Voscherau ihn, sich Hilfe bei Freunden zu suchen. "Bislang hast Du die Last des Alters auch mit Hilfe von Loki gemeistert." Die Zeremonie über bleibt der Angesprochene stark, doch nun am Ende rollen auch ihm die Tränen über die Wangen. Wer wird ihm nun helfen, die Last des Alters zu schultern?