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Trauerfeier in Hamburg: "Falle sanft, Loki!"

Trauerfeier im Michel: Hunderte Hamburger und die Größen deutscher Politik haben sich von Loki Schmidt verabschiedet. Besonders bewegend: die Tränen von Helmut Schmidt.

Hamburg hat Abschied genomen, und Deutschland war zu Gast, als sich die Hansestadt heute in der Hauptkirche St. Michaelis von Loki Schmidt verabschiedete. 2200 Gäste nahmen an der Trauerfeier für die verstorbene Gattin von Ex-Kanzler Helmut Schmidt teil, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin hatte ohnehin einen Besuch in der Hansestadt auf ihrem Terminkalender - allerdings zu einem erfreulicheren Anlass. Auch ihr Vorgänger Gerhard Schröder und die Ex-Präsidenten Richard von Weizsäcker und Horst Köhler waren im Michel. Der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing, ein Freund und politischer Weggefährte von Helmut Schmidt, musste dagegen absagen.

Loki Schmidt war am 21. Oktober im Alter von 91 Jahren gestorben. Helmut Schmidt trug beide Eheringe, auch den seiner verstorbenen Frau. Er machte einen gefassten, aber geschafften Eindruck und stützte sich, im Rollstuhl sitzend, zusätzlich auf seinen Handstock. Gelegentlich legte der trauernde Altkanzler sein Gesicht in seine Hände.

Loki Schmidt war äußerst beliebt in der Hansestadt. So gehörten nur 600 der 2200 Gäste zu den geladenen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die Mehrzahl der Trauernden waren normale Bürger. Das Ehepaar galt als volksnah und äußerst beliebt: Helmut und Loki Schmidt waren in Hamburg verwurzelt und drückten die oft zitierten hanseatischen Werte aus - Natürlichkeit und Bodenständigkeit. Seit Beginn der 60er Jahre, als Helmut Schmidt das Amt des Innensenators der Hansestadt bekleidete, wohnten sie in einem Haus im Stadtteil Langenhorn. Doch auch später - während seiner Zeit als Bundeskanzler in Bonn und darüber hinaus - blieb das Domizil im Norden Hamburgs das Zuhause der Schmidts, ihr Rückzugsort von der Öffentlichkeit. Dort genossen sie das gemeinsame Schachspielen, die Freude an klassischer Musik, an Kunst im Allgemeinen und pflegten eine klare wie schnörkellose Sprache, einen hintergründigen Humor.

Aufrichtig, gradlinig, weltoffen

Wenn es hochkomme, lebte der Mensch 80 Jahre, sagte Bischof Lohse in seiner Traueransprache. Das reich gefüllte Leben von Loki Schmidt sei noch ein gutes Stück über dieses Maß hinausgekommen. "Sie hat viel Gutes bewirken können, bis zuletzt und mit Warmherzigkeit vielen Menschen geholfen."

Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) sagte, Loki Schmidt sei so gewesen, "wie sich Hamburg gerne sieht". Er lobte ihre "Aufrichtigkeit, Geradlinigkeit und Weltoffenheit". Sie sei "Hamburgerin durch und durch" gewesen. Auch habe die Gattin von Helmut Schmidt eine kluge und begeisternde Art gehabt.

Einer seiner Vorgänger, Henning Voscherau, würdigte "unsere Freundin Loki" als "große Frau". Er schilderte rührend und mit zittriger Stimme seine letzten Begegnungen mit dem Ehepar Schmidt, dessen nächstes großes Ziel es gewesen sei, gemeinsam 70. Hochzeitstag zu feiern. Voscherau nahm die Trauergemeinde zudem mit auf eine detaillierte Reise durch Loki Schmidts Leben. Sie sei mit ihrem Engagement im Naturschutz ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus gewesen, sagte der Altbürgermeister. Voscheraus Fazit: Loki Schmidt habe nicht ein Denkmal verdient, "sondern gleich mehrere". Am bewegenden Ende seiner Rede zitierte Voscherau Rainer Maria Rilkes Gedicht "Die Blätter fallen" und schloss: "Falle sanft, Loki!"

ben/DPA / DPA