Trauerfeier in Rom "Marsch der Dankbarkeit"


Horst Köhler und Wolfgang Thierse waren mit die letzten, die am aufgebahrten Leichnam von Johannes Paul II. Abschied vom verstorbenen Pontifex nehmen konnten. Um 10 Uhr beginnt die Trauerfeier.

Unter beispielloser Anteilnahme der Welt wird Johannes Paul II. heute in Rom beigesetzt. Zum größten Papst-Begräbnis der Geschichte werden vier Millionen Pilger und 200 Staatsgäste erwartet. Milliarden Menschen können das historische Ereignis live im Fernsehen verfolgen. Die italienischen Sicherheitsbehörden sagten, für die Feierlichkeiten gebe es keine erhöhte Terrorgefahr. Es lägen keine "konkreten und unmittelbaren Warnungen" vor. Allein zum Schutz der Staatsgäste sind rund 15.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, der Luftraum ist gesperrt, Flugabwehrraketen wurden in Stellung gebracht.

Kurz bevor die Pforten des Petersdoms am Donnerstagabend geschlossen wurden, erwies auch Bundespräsident Horst Köhler dem Pontifex die letzte Ehre. Begleitet wurde Köhler unter anderem von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer machten sich Abend auf den Weg in die Ewige Stadt.

Trauermesse bis ins kleinste Detail geregelt

Zahlreiche Gläubige verbrachten die Nacht in der Nähe des Vatikans, um sich einen Platz bei der dreistündigen Trauerfeier zu sichern. Die Zeremonie auf dem Petersplatz, die um 10 Uhr beginnt, ist bis ins kleinste Detail geregelt. Vor dem Altar steht der geschlossene Sarg mit dem Verstorbenen. Während der Totenmesse werden Gebete und Fürbitten in sechs Sprachen gesprochen. Anschließend wird der Sarg, begleitet von wenigen hohen Kurienvertretern, durch den Petersdom in die Krypta gebracht. Das eigentliche Begräbnis in den Grotten, das nicht mehr vom Fernsehen übertragen wird, soll rund eine halbe Stunde dauern. Der Sarg wird unter Gebeten in die Erde gesenkt - unweit der Stelle, an der nach kirchlicher Überlieferung das Grab des Petrus liegt, des ersten Papstes.

Für die Totenmesse, die der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger leitet, wurde die gesamte römische Innenstadt für den Verkehr gesperrt. Schulen, Ämter und alle Museen bleiben geschlossen. Da aber höchstens 300.000 Menschen auf den Petersplatz passen, wird die Zeremonie auf riesige Leinwände in der ganzen Stadt übertragen, etwa am Kolosseum, auf der Piazza Navona und im Olympiastadion. Die Wetteraussichten für die Trauerfeier sind gut: Am Vormittag soll es in Rom bei bis zu 19 Grad heiter bis wolkig sein. Erst ab Mittag sind Schauer möglich.

Der größte christliche Pilgerstrom der Geschichte verlief bis Donnerstagabend ohne nennenswerte Zwischenfälle. Vor allem aus der polnischen Heimat des Papstes kamen viele Menschen. Der Papst war rund drei Tage und Nächte im Petersdom aufgebahrt. Mindestens zwei Millionen zogen an dem Leichnam vorbei.

Mit einem "Marsch der Dankbarkeit" nahmen rund eine Million Polen in Krakau am Abend Abschied vom Karol Wojtyla. In einem Schweigemarsch zogen sie durch die Krakauer Innenstadt zu den Blonie-Wiesen, wo der Papst im August 2002 eine Messe mit drei Millionen Menschen gefeiert hatte. Um 21.37 Uhr, dem Todeszeitpunkt des Papstes, stellten die Menschen in ganz Polen auf Plätzen und Straßen, die nach Johannes Paul benannt sind, brennende Kerzen auf. Auch in London zogen mehrere tausend Menschen mit Kerzen und polnischen Flaggen vom Trafalgar Square zur katholischen Westminister Cathedral.

In Kuba hat Präsident Fidel Castro die Anwesenheit von US-Präsident George W. Bush bei den Trauerfeiern für Papst Johannes Paul II. als Heuchlei bezeichnet. In einer Fernsehansprache pries er das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche als scharfen Kritiker des Raubtier-Kapitalismus. Es sei wahr, dass Johannes Paul II. gegen den Kommunismus gewesen sei, aber in den letzten Jahren sei er ein Kritiker des Kapitalismus und vor allem des US-Imperialismus geworden, sagte Castro. 1998 hatte der Papst Kuba besucht.

"Jetzt weinen sie am Leichnam von Johannes Paul II., der gegen Krieg war, der gegen das imperialistische System war und der so oft das Konsumdenken und diesen brutalen Krieg im Irak verurteilt hat", sagte Castro zum Besuch Bushs im Rom und fragte: "Wie weit soll diese Heuchelei noch gehen?"

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker