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Treffen mit Missbrauchsopfern: Papst Franziskus bittet um Vergebung

Zum ersten Mal wurden Opfer sexuellen Missbrauchs im Vatikan empfangen. Bei dem Treffen entschuldigte sich der Papst für die "schweren Verbrechen", die lange "verheimlicht und vertuscht" wurden.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche Papst Franziskus hat die "Mittäterschaft" der katholischen Kirche beim sexuellen Missbrauch durch Geistliche verurteilt. Die Verbrechen seien lange "verheimlicht und vertuscht worden, durch eine Mittäterschaft, die nicht zu erklären ist", sagte der Pontifex am Montag nach seinem ersten Treffen mit Missbrauchsopfern im Vatikan. Franziskus empfing jeweils zwei Deutsche, Briten und Iren in seiner Privatresidenz und feierte mit ihnen eine Messe.

Der Papst bat um Vergebung für die Sünden der Kirchenvertreter, die sich geweigert hätten, die "Anschuldigungen und Klagen der Opfer" wahrzunehmen. Franziskus sagte, es gebe in der Kirche keinen Platz, "für jene, die diese Misshandlungen begehen". Er verspreche, kein Leid zu akzeptieren, das einem Minderjährigen angetan werde, ob von einem Geistlichen oder nicht. In seiner Rede sprach er von der "toxischen Wirkung" des Missbrauchs, der viele Leben ruiniert habe.

Der 77-Jährige entschuldigte sich für die "schweren Verbrechen" der Täter aus den Reihen der Kirche. Ihnen seien "tiefe seelische Schmerzen" zugefügt worden, sagte der Papst. Manche hätten sogar einen geliebten Menschen durch Selbstmord verloren. Ihr Tod sei eine schwere Last für "mein Gewissen und das der ganzen Kirche". Er bitte für sich und die Kirche um die Gnade zu weinen und Wiedergutmachung zu leisten für die "Söhne und Töchter, die ihren Auftrag verraten haben".

Die Kritik hält weiter an

Die katholische Kirche wurde in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs weltweit erschüttert. Hunderte Geistliche wurden ihrer Priesterämter enthoben. Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte sich auf seinen Reisen mehrfach mit Missbrauchsopfern getroffen, nie aber Betroffene im Vatikan empfangen. Opfervertreter forderten daher seit langem, dass der Papst die Opfer auch im Vatikan empfängt.

Franziskus lud nun jeweils drei weibliche und drei männliche Missbrauchsopfer aus Deutschland, Großbritannien und Irland in den Vatikan ein. Die Männer und Frauen übernachteten in seiner Residenz, bevor sie am Montag mit ihm frühstückten. Anschließend verbrachte der Papst jeweils eine halbe Stunde im Gespräch mit ihnen. Sein Sprecher Federico Lombardi sagte, sie hofften, die Treffen würden einen "konstruktiven Weg" eröffnen zur "Heilung der Wunden" der Opfer.

Der im Februar 2013 zum Papst gewählte Argentinier Franziskus hatte vor einem Jahr eine strengere Verfolgung von Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche angeordnet. Im März setzte er zudem eine päpstliche Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen ein. Zuletzt brandmarkte er im Mai den Missbrauch an Kindern durch Geistliche. Viele Opfervertreter rügten aber, dass er bisher keine Opfer getroffen hat.

Kritiker werfen der katholischen Kirche vor, die Täter oftmals geschützt zu haben. Zudem fordern sie den Vatikan auf, die Ermittlungen nicht länger im Verborgenen zu führen, sondern mit der staatlichen Justiz zusammenzuarbeiten.

ivi/AFP / AFP