Türkei-Reise Benedikt XVI. versöhnt die Medien


Die türkischen Medien waren vor dem Besuch Benedikts XVI. skeptisch gewesen - seine islamkritischen Äußerungen waren noch zu präsent. Doch der Papst hat sie angenehm überrascht. "Die Sorgen waren unnütz, der Papst-Besuch hat sehr gut begonnen", lautete der Tenor der Presse.

Papst Benedikt XVI. hat am zweiten Tag seiner Türkeireise zu Frieden und Versöhnung zwischen Christen, Juden und Muslimen im Nahen Osten aufgerufen. "Wir brauchen alle diesen universellen Frieden", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche bei einer Messe am Marienhaus in der antiken Stadt Ephesus. Angenehm überrascht reagierte die türkische Öffentlichkeit auf das bisherige Auftreten Benedikts, dessen erste Reise in ein islamisches Land im Vorfeld als politisch schwierig gewertet worden war. Für den Abend stand ein erstes Treffen Benedikts mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. in Istanbul auf dem Programm.

Gerade die Türkei sei "eine natürliche Brücke zwischen den Kontinenten", sagte Benedikt bei der Messe vor einigen hundert Katholiken in Ephesus, dem Höhepunkt seines zweiten Besuchstages. "Lasst uns daher von diesem Ort zu Frieden und Versöhnung für all diejenigen bitten, die in der Region leben, die Christen, Juden und Muslime als das Heilige Land betrachten."

Maria lebte in Ephesus

Zugleich erinnerte der Papst an die große und einflussreiche christliche Gemeinde, die in der Antike in Ephesus lebte. Gegründet wurde sie vom Apostel Paulus. Nach kirchlicher Überlieferung verbrachte die Jesus-Mutter Maria ihre letzten Lebensjahre in Ephesus. Auch Muslime pilgern dorthin, weil Maria auch im Islam als die Mutter Jesu verehrt wird.

Bei der von strengsten Sicherheitsvorkehrungen begleiteten Messe auf einem kleinen, mit Blumen und Palmwedeln geschmückten Platz ging der Papst erneut auf die Klagen der Christen im Land ein. "Heute sind die Christen in der Türkei eine kleine Minderheit, die jeden Tag viele Herausforderungen und Schwierigkeiten erleben", sagte der Papst. Bereits am Vorabend hatte Benedikt vor dem Diplomatischen Korps in Ankara Religionsfreiheit eingefordert. Dies setze einen "gänzlichen Verzicht auf Gewalt als legitimen Ausdruck der religiösen Praxis" voraus.

"Botschaft des Friedens"

Ein positives Echo des bisherigen Verlaufs des Papst-Besuches spiegelte die türkische Presse. "Die Sorgen waren unnütz, der Papst-Besuch hat sehr gut begonnen", lautete der Tenor. Benedikt habe eine "Botschaft des Friedens" ausgesendet und "zum Dialog aufgerufen". Als "Überraschung" werteten die Zeitungen, dass sich Benedikt, der bislang im Ruf eines Türkei-Gegners stand, für einen türkischen EU-Beitritt ausgesprochen habe.

Aufmerksam registrierten die Zeitungen, dass Benedikt das Kreuz am Hals nicht offen trug, als er bei der Ankunft in Ankara aus dem Flugzeug stieg. Nach seiner Rede über Islam und Gewalt war dem Papst in der Türkei eine "Kreuzfahrermentalität" vorgeworfen worden.

In Istanbul feiert Benedikt an diesem Donnerstag mit Bartholomäus das orthodoxe Fest des Heiligen Andreas, dem Patron des Patriarchats von Konstantinopel. Die Annäherung zwischen Rom und der Orthodoxie ist eines der Hauptanliegen der viertägigen Türkeireise des Papstes.

DPA DPA

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