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TV-Kritik "Maybrit Illner": Energie-Diskussion auf Sparflamme

Die Bundesregierung zweifelt doch nicht an der Energiewende - sagt Umweltminister Altmaier bei Maybrit Illner. Ansonsten gibt es wenig Neues.

Von Jan Zier

Zuerst konnte es nicht schnell genug gehen mit der Energiewende. Und dieser Tage ist allenthalben - vor allem aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition - davon die Rede, dass es doch irgendwie zu schnell geht. Und am Ende für alle unbezahlbar wird. Auch Maybrit Illner schlägt jetzt in diese Kerbe: "Zu teuer, zu langsam, zu unsicher - geht der Ökowende schon die Energie aus?"

Es komme "in der Politik immer wieder vor, dass Versprechen nicht eingehalten werden könnten", hatte Peter Altmaier, der immer noch neue Umweltminister kürzlich gesagt. Und Arnold Vaatz, immerhin CDU/CSU-Bundestagsfraktionsvize, nannte die Energiewende gar ein "sinnloses Experiment". Wird da schon der Ausstieg aus dem Ausstieg vorbereitet? Altmaier widerspricht. Zehn Jahre habe Deutschland Zeit, aus der Atomenergie auszusteigen. Und das reicht auch, sagte er jetzt im ZDF - natürlich nicht ohne einmal mehr von "gewaltigen Anstrengungen" zu sprechen, rot-grün für Versäumnisse zu schelten und die ersten Erfolge seiner kurzen Amtszeit ausgiebig zu loben. Kein Wort über die CDU-eigenen Fehler der Vergangenheit, die er jüngst noch freimütig einräumte. Sein Vorgänger Norbert Röttgen? Nicht mehr der Rede wert. War da wer?

Die Sache mit den Netzen

Wer sich ansonsten Erhellendes von der Debatte im ZDF erhofft hatte, der wurde getäuscht. Zwar war die Runde prominent besetzt - schließlich kam der Minister höchstpersönlich, um sich zu erklären -, aber es waren ansonsten eben die üblichen Protagonisten geladen. Allen voran der "ewige" Boris Palmer, grüner Vorzeigebürgermeister aus Tübingen. Da ist die "Stromrebellin", die in diesem Fall von Ursula Sladek gegeben wurde. Sie ist Gründerin der Elektrizitätswerke Schönau, eines genossenschaftlichen Ökostromanbieters, also prädestiniert, um uns zu mitzuteilen, dass die Energiewende "kein Sonntagsspaziergang" wird. Am Ende kann sie aber doch nicht so genau sagen, ob ihre Firma eigentlich auch ein Stahlwerk mit grünem Strom versorgen könnte. Und da ist der ewige Mahner, der Skeptiker, also "der Bremser", hier in Person von Wolfram Weimer, ehemals Chefredakteur von "Focus" oder "Cicero". "Natürlich" sei die Energiewende, die er "Extrem-Ausstieg" nennt, ein "Angriff auf den Wirtschaftsstandort", sagt Weimer. Er hält es lieber mit dem Rest der atomar weiterstrahlenden Welt, allenfalls noch mit der Schweiz, die eben "nur ein bisschen" aussteigt, was Weimer als "besonnen" und "vernünftig" lobt. "Der Klimawandel wartet nicht", widerspricht Boris Palmer und kritisiert die "Horrordiskussion". So weit, so bekannt.

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien, so letztlich der Tenor des Abends, geht es irgendwie ganz gut voran. Und die Sache mit den fehlenden Netzen dafür, ja, die werden "wir" auch noch in den Griff bekommen. Nein, sagt nicht nur Boris Palmer, sondern auch Matthias Kurth, der langjährige Chef der Bundesnetzagentur, der als Mann von Fach geladen ist und von seiner neuen Küche erzählt. Nebenbei warnt er vor einer "Kosten-Explosion", als Folge der Energiewende. Immerhin sagt er nicht "Kosten-Tsunami", so wie neulich Justus Haucap, der Chef der Monopolkommission.

"Energiewende darf etwas kosten"

Doch auch bei dieser Frage gibt sich Altmaier entspannt. "Die Energiewende darf auch etwas kosten", ist einer seiner viel interpretierbaren Umweltministersätze zum Thema. Und das für ihn "höchste Priorität" habe, dass der Strompreis in den nächsten Jahren nicht über "das unbedingt nötige Maß hinaus" steigt. Was das genau heißt? Wir wissen es nicht. Maybrit Illner fragt aber auch nicht so genau nach.

Jan Zier