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TV-Kritik zu "Hart aber fair": Blackys Blackout

Ihr sollt es besser haben als wir, hieß es früher. Das ist vorbei. Der Reichtum ist zwischen Alt und Jung ungleich verteilt. Recht so, findet Joachim Fuchsberger – und benahm sich daneben.

Von Mark Stöhr

Joachim Fuchsberger hat neue Zähne. Die halten die nächsten 30 Jahre, hat ihm sein Zahnarzt versichert. Nach Adam Riese wäre "Blacky" dann 115 Jahre alt. Man wünscht ihm natürlich nur das Beste, doch wirklich ausmalen will man sich nicht, was für Krudheiten erst im Tatter-Tatter-Greisenalter aus dem ehemaligen Showmaster herauspurzeln würden. Von seiner gewiss sündhaft teuren neuen Kauleiste können die dann Mitte 80-Jährigen sowieso nur noch träumen.

Es ging bei Plasberg um die Rente, um den Generationenvertrag und die Frage, wie das alles werden soll mit den vielen Alten und den wenigen Jungen. Ein altes, ewig junges Thema. Fuchsberger wurde angekündigt als Verfechter der harten Linie: Unser Wohlstand gehört uns Pensionisten, sollen die nachkommenden Generationen selber ranklotzen. In der Sendung wollte er davon allerdings nichts mehr wissen. Er erzählte von einem Fleischverkäufer, der so einen Spaß an Fleisch hatte, dass er es zum Oberfleischverkäufer brachte. Vom Krieg. Vom Nachkrieg. Und von seinen Zähnen.

"Bin ich selig, dass ich so alt bin"

Frank Plasberg, der seine Einspieler sonst immer mitten in den Sätzen seiner Gäste platziert, ließ den greisen Schauspieler plappern ("Bin ich selig, dass ich so alt bin, dass mich das alles nichts mehr angeht"). Denn er wusste, dass es links von "Blacky" nicht besser wurde. Im Gegenteil. Da saß Michelle Müntefering, die junge Ehefrau von "Münte". Sie will nächstes Jahr für die SPD in den Bundestag und redete auch so: in diesen typischen Politiker-Gähnsätzen ("Wir müssen den Generationenvertrag demografie- und zukunftsfest machen"), die die 32-Jährige noch mit halbschlauen Aphorismen im Stile ihres Mannes kombinierte ("Demokratie ist anstrengend, aber gut"). Was will man von solchen glattgekämmten Parteiprofis erwarten? Originelle Konzepte, die länger als eine Legislaturperiode halten?

Es wäre ein mordsmäßig unergiebiger Talk geworden, wenn nicht Klaus Hurrelmann und Wolfgang Gründinger dabei gewesen. Mit ihnen kamen Fakten statt Taktierereien und Tüddeligkeiten auf den Tisch. Hurrelmann ist Jugendforscher und Vater der "Shell-Studie". Er prägte für die Generation der um 1990 Geborenen den Begriff der "Ego-Taktiker": Junge Menschen, die genau darauf achten, wie sie den maximalen Profit aus ihrer Lebenssituation ziehen. Und die ist alles andere als rosig: Umweltprobleme, Dauerarbeitslosigkeit, Finanzkrise, internationale Konflikte. "Diese Generation", so Hurrelmann, "hat keine Garantie mehr dafür, dass sie jemals in einen Beruf kommt oder eine Familie gründen kann."

"Höhere Erbschaftssteuer? Shame on you!"

Der Sozialwissenschaftler Gründinger, 28 Jahre alt, will den vielbeschworenen Generationenvertrag neu verhandeln. Seine Ideen: Alle Werktätigen, auch die Beamten und Selbstständigen, sollten in einen Rententopf einzahlen. Die Lasten des demografischen Wandels sollten gerechter verteilt werden – höhere Beiträge für die Versicherten, aber auch Abstriche bei den Rentenbezügen. Und die Erbschaftssteuer sollte erhöht werden.

Beim Stichwort Erbschaftssteuer schnellte "Blacky" Fuchsberger aus seinem Dämmer hoch. Der alte Mann schleuderte dem jungen ein giftiges "Shame on you!" entgegen. Das war ein schönes Bild für den Verteilungskampf zwischen den Generationen. Beide bewaffnet bis auf die Zähne.