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TV-Kritik zu "Hart aber fair" Makler Plasberg vermittelt WG-Genossin Künast


Jauch hatte sich an gerechten Löhnen versucht, Raab dilettiert an der Reichensteuer - Plasberg machte die sozialen Probleme nun konkret: Treiben explodierende Mieten die Menschen aus den Städten?
Von Christoph Forsthoff

Ich habe ein bisschen Pech, denn mit mir will ja keiner zusammenziehen." Ja, da wären einem doch fast die Tränen gekommen, als Andreas Stücke am Ende auf Frank Plasbergs Abschlussfrage, mit wem aus der "Hart aber fair"-Runde er denn gern in eine WG ziehen würde, mit traurigem Dackelblick den Blickkontakt der drei anderen Diskutanten suchte. Denn als Vertreter der Eigentümerschutz-Gemeinschaft "Haus & Grund" war ihm an diesem Abend beim Thema "Mieten, Makler, Nebenkosten – wird Wohnen zum Luxusgut?" fast durchweg der schwarze Peter zugefallen. Selbst beim sonst gern knallharten Moderator kam Mitleid auf und er fühlte sich verpflichtet, den Hausbesitzer vor der gern aufbrausenden Mieter-Anwältin Renate Künast in Schutz zu nehmen: "Herr Stücke hat's schwer genug, deshalb lassen wir ihn mal ausreden", wies er die Fraktionschefin der Grünen zurecht.

Sympathie für die Hausbesetzerszene

Was natürlich nichts am Tatbestand änderte, den Plasberg eingangs am emotionalen Beispiel der Studentin Anna-Sophie Rolof aufgezeigt hatte: Vergeblich sucht die 24-Jährige seit längerem mit ihrem spanischen Freund in Hamburg eine Zwei-Zimmer-Wohnung für 700 Euro Warmmiete – und musste dabei bislang die für Großstädte und Ballungszentren üblichen frustrierenden Erfahrungen machen. Massenbesichtigungen mit mehr als 50 Leuten, ahnungslose Makler, horrende Mieten, bescheidene Wohnung(sausstattung)en – "ist das gelebte Marktwirtschaft?" Nein, natürlich nicht, beschied Eckhard Pahlke: "Markt bedeutet ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage, doch das ist überhaupt nicht mehr gegeben", schimpfte der Vizepräsident des Deutschen Mieterbundes. Der als Folge dieses Missverhältnisses in einer Stadt wie Hamburg aufkeimende Sympathien für die Hausbesetzerszene festgestellt hat.

Kleinlaute Eingeständnisse von Künast

Künast warnte gar vor einem "sozialen Desaster" in großstädtischen Regionen, ähnlich wie in Paris und New York: Durch fehlende Mietobergrenzen könnten "im Zentrum nur noch ganz reiche Leute wohnen, alle anderen werden in die Peripherie verdrängt" – und dort ballten sich dann die sozialen Probleme. Schreckensszenarien, die aus den Medien, wenn nicht gar aus dem selbst erlebten Alltag wohl vertraut sind - wie auch die hier aufgeführten Ärgernisse mit ahnungslosen Maklern, die für minimalen Aufwand maximales Geld kassieren, falsch berechneten Wohnungsgrößen oder den von Hauseigentümern an die Mieter weitergereichten Kosten für energetische Sanierungen und Modernisierungen.

Doch weitaus interessanter als diese schon oft ausgetauschten Positionen – die Vermieter klagen über immense Kostenbelastungen durch politische Auflagen, die Mieter über Wucherpreise, die nicht zuletzt durch fehlende Mietobergrenzen entstünden – waren die Anmerkungen und Eingeständnisse zwischen den lautstarken Attacken: Etwa wenn Künast indirekt ein Versäumnis der Politik zugab – es müsse "endlich wieder Wohnungsbau organisiert werden" – und dann ausgerechnet Bayern lobte, wo in München für Neubauten mindestens 20 Prozent der Wohnungen niedrigeren Gehaltsklassen vorbehalten sein müssten.

Plasberg will auf Makler umschulen

Oder Stücke die Frage stellte, warum denn in Deutschland die Zahl der Vermieter immer weiter abnehme? Mag seine Erklärung der Investorenabschreckung durch immer weiter steigende Grunderwerbssteuern sowie die wachsenden Kosten durch energetische Anforderungen als Antwort auch allzu einseitig gewesen sein, sie verdeutlichte doch eines: Längst ist nicht mehr die Kaltmiete der Hauptkostentreiber.

"Die Energiepreise sind deutlich stärker gestiegen", stellte auch Jan-Marco Luczak, CDU-Experte für Mietrecht, fest. Konkret: für Gas um 31 Prozent seit 2005, für Strom um 43 Prozent und für Öl gar um 65 Prozent – und der Steueranteil an diesen hohen Energiepreisen, so Stücke, betrage mittlerweile 50 Prozent! "Der Durchschnittsverdiener muss heute ein Drittel seiner Nettoeinkünfte nur fürs Wohnen aufbringen, der Geringverdiener sogar die Hälfte", warnte Pahlke vor sozialen Verwerfungen. Angesichts solcher Kostenexplosionen sollte sich doch auch für Stücke noch ein WG-Genosse finden lassen – nur die sympathische Studentin scheidet wohl aus: Die hatte nämlich dank Plasbergs Aufruf am Ende der Sendung gleich zwei Mietangebote vorliegen. Der denn mit Blick auf diesen völlig qualifikationsfreien Job nur feixend meinte: "Es gibt ein Leben nach dem Fernsehen – ich werde Makler."


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