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Ungerechte Welt: Warum Markus Lanz das Gegenteil vom ADAC ist

Markus Lanz kann machen, was er will, er wird nicht geliebt. Der ADAC kann machen was er will, aber niemand verfasst Petitionen. Der ZDF-Mann ist das Gegenteil des Autoclubs - gerecht ist das nicht.

Eine Lanze für Lanz, gebrochen von Niels Kruse

Markus Lanz, Vertreter der Generation YoLOL (You only live once loud), bei der Arbeit

Markus Lanz, Vertreter der Generation YoLOL (You only live once loud), bei der Arbeit

Das Jahr 2014 ist noch so jung und schon so unfair. Wohin man schaut, allerorten klaffen Gerechtigkeitslücken so groß wie der Kiewer Unabhängigkeitsplatz: Larissa ernährt quasi im Alleingang die Dschungelcrew und wird zum Dank geschmäht und ausgebuht. Da geht es ihr wie Markus Lanz, der prominenteste Vertreter der Generation YoLOL (You only live once loud). Der kann machen, was er will - und wird doch nicht geliebt. Womit er das genaue Gegenteil des ADAC ist. Der macht auch, was er will, aber kaum jemand straft ihn dafür mit Liebesentzug. Was, wie bereits angedeutet, unfair ist.

Diese Argumentationskette beweist es

1. Der ADAC hat mit rund 20 Millionen Mitgliedern den deutlich größeren Fanclub als Lanz, der nur sieben Millionen Zuschauer bei Wetten, dass..? und zwei Millionen für seine Talkshow vorweisen kann. Der Autoclub schuldet also deutlich mehr Menschen Rechenschaft als der dauerverunglimpfte Südtiroler. Das bedeutet jedoch, jetzt nur mal angenommen, dass also Markus Lanz für den Fall, er würde mal nicht so rund laufen wie er sollte, auch deutlich weniger Leuten auf den Senkel geht - klarer Punkt für den Showmaster.

2.

Anders als vom ADAC ist von Markus Lanz nicht bekannt, dass ihn Menschen um Hilfe bitten, weil ihre Wischwaschanlage auf der Autobahn zwischen Düsseldorf und Dortmund den Geist aufgibt. Es ist eigentlich überhaupt nichts darüber bekannt, ob irgendjemand Markus Lanz schon einmal um Hilfe gebeten hat, also wegen Auto-Sorgen. Vermutlich ist das gut so, denn besser Lanz verbaselt ein Gespräch mit einer Linken-Ersatzvorsitzenden als die Montage eines linken Ersatzreifens - weiterer Punkt für Lanz.

3.

Ebenfalls ist nichts bekannt darüber, dass Markus Lanz mit dem Hubschrauber von Hamburg nach Wolfsburg fliegt oder von Saarlouis nach Saarbrücken oder sonst wie von Pontius nach Pilatus. Was vielleicht daran liegt, dass Markus Lanz nicht über eine Armada von Hubschraubern wie der ADAC verfügt. Oder aber daran, dass der Mann ein überzeugter Fußgänger ist, wie er mit seinem Projekt "Wettlauf zum Südpol" eindringlich bewiesen hat - ein (Umwelt-) Punkt für den Italiener.

4.

Letzter Knackpunkt: das Geld. Auf den ersten Blick kostet ein Markus Lanz natürlich mehr als ein Gelber Engel. Den gibt’s schon ab 72 Euro pro Jahr, was gerade einmal für ein Dreivierteljahr ARD und ZDF reicht. Doch realistisch betrachtet wird ein Lanz auch deutlich häufiger in Anspruch genommen als die Dienste des ADAC. Wenn man zum Beispiel fünf Jahre pannenfrei bleibt, hat man für 360 Euro Beitrag niemals einen Gelben Engel gesehen, in der gleichen Zeit aber rund 250 Mal Markus Lanz - das Preis-Leistung-Verhältnis spricht also eindeutig für den ZDF-Mann.

Fazit: Die Welt ist ungerecht

Ein stets bemühter Mann erscheint regelmäßig zur Arbeit (preiswert und umweltschonend) und wird dafür beschimpft. Ein paar Vereinsvorsitzende fliegen mit Hubschraubern zur Arbeit und niemand verlangt deswegen ihren Kopf. Die Welt ist aus den Fugen geraten, daher folgender Vorschlag zur Güte: Die Petition gegen Lanz wird aufgehoben, dafür verfasst die übereifrige Twitter-Gemeinde eine gegen die Automobilisten. Lanz geht ins Dschungelcamp und überlässt in der Zwischenzeit die Wetten-dass-Moderation dem bis dahin zurückgetretenen ADAC-Vorstand Peter Meyer. Der macht der Sendung mit einer Reihe von Motorsport-Wetten endgültig den Garaus und gelobt in Zukunft, nur noch per U-Bahn ins Büro zu fahren. Anschließend sehen sich beide bei einer Talkshow wieder, die von Sahra Wagenknecht moderiert wird.

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