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Unglücksreaktor Fukushima Erdbeben legt AKW-Kühlung zeitweise lahm


Der Nordosten Japans ist erneut von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Das Epizentrum lag im Süden der Präfektur Fukushima. Die Kühlung des Unglücks-AKW fiel zeitweise aus.

Ein weiteres starkes Erdbeben hat Japan erschüttert und zeitweise die Kühlung am Katastrophen-AKW Fukushima lahmgelegt. Einen Monat nach dem schlimmsten Beben in der Geschichte des Landes unterbrachen die Erdstöße am havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins am Montag erneut die Stromversorgung. Etwa 50 Minuten fiel die Kühlung der Reaktoren 1, 2 und 3 deshalb aus. Die Regierung hatte zuvor die Evakuierungszone um die Atomruine auf mehrere Gemeinden außerhalb des bestehenden 20-Kilometer-Radius ausgeweitet. Das Risiko weiterer Strahlenlecks am Atomkraftwerk hat sich nach Regierungsangaben allerdings verringert. Die Menschen im ganzen Land gedachten mit Schweigeminuten der Opfer von Erdbeben und Tsunami.

Das Beben am Montag hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte die Stärke 7,0. Das Erdbebenzentrum lag in der Präfektur Fukushima, wo sich das havarierte Atomkraftwerk befindet. Auch in der Hauptstadt Tokio gerieten Häuser stark ins Schwanken. Nach Informationen des Fernsehsenders NHK wurden zehn Menschen verletzt.

Reaktorkühlung für 50 Minuten unterbrochen

Bereits kurz nach der Erschütterung wurden Flutwellen von einem halben Meter in der Provinz Ibaraki gemessen. Eine Tsunami-Warnung wurde jedoch nach kurzer Zeit wieder aufgehoben. Live-Bilder des japanischen Fernsehsenders NHK zeigten ein Feuer in der Stadt Iwaki. Kurz nach dem ersten Beben kam es erneut zu einer Erschütterung.

Der Erdstoß unterbrach in der Atomruine Fukushima Eins für kurze Zeit die Stromversorgung. Das Einfüllen von Kühlwasser in die beschädigten Reaktoren 1, 2 und 3 wurde deshalb für 50 Minuten unterbrochen. Die Stromversorgung konnte nach Angaben eines Sprechers der Atomaufsichtsbehörde jedoch wieder hergestellt werden.

Bereits vor dem neuerlichen Beben hatte Regierungssprecher Yukio Edano angekündigt, dass die japanische Regierung weitere Gebiete außerhalb der bestehenden Sperrzone um die Atomruine Fukushima Eins evakuieren lassen wolle. Vor diesem Schritt hatte die Regierung sich lange Zeit gescheut - obwohl die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und Greenpeace das schon vor Wochen gefordert hatten. Derzeit gilt die Evakuierungszone nur für einen 20-Kilometer-Radius um das Atomkraftwerk.

Greenpeace misst deutlich erhöhte Strahlenwerte

Da die Krise in der Anlage andauere, würden einige Gemeinden in einem Radius zwischen 20 und 30 Kilometern um Fukushima Eins als zusätzliche Evakuierungszonen ausgewiesen, erklärte Edano nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo. Geräumt werden sollen unter anderem die Orte Katsurao, Namie und Iitate. Den Bewohnern in diesem Gebiet war bisher empfohlen worden, in ihren Wohnungen zu bleiben. Nach Kyodo-Angaben sollen die betroffenen Bewohner innerhalb eines Monats in andere Regionen gebracht werden.

Greenpeace hatte zuvor von deutlich erhöhten Strahlenwerten berichtet, die ihre Experten in bewohnten Gebieten rund 60 Kilometer von Fukushima Eins entfernt gemessen hätten. Auf einem Spielplatz in Fukushima City fand ein Team demnach Werte von bis zu vier Mikrosievert pro Stunde. In der Stadt Koriyama seien es 2,8 Mikrosievert pro Stunde gewesen. Laut Greenpeace ist das so viel, dass die maximal tolerierbare Dosis für die Bevölkerung von 1000 Mikrosievert pro Jahr in wenigen Wochen aufgenommen würde.

Edano erklärte, dass das Risiko für weitere massive Strahlenlecks in dem havarierten Kernkraftwerk geringer sei als zu Beginn der Katastrophe vor einem Monat. "Das Risiko, dass sich die Situation verschlechtern wird und dass es neue massive Ausstöße radioaktiver Substanzen geben wird, wird deutlich geringer."

Radioaktives Wasser soll abgepumpt werden

Am Montagmorgen hatten Arbeiter in der Ruine die Vorbereitungen zum Abpumpen radioaktiv versuchten Wassers fortgesetzt. Zunächst sollten Behälter überprüft werden, aus denen in den vergangenen Tagen relativ schwach verstrahltes Wasser ins Meer abgeleitet wurde. Die Arbeiter wollten sicherstellen, dass sich dort keine Reste mehr befinden. Mit Hilfe von Schläuchen und Pumpen will der Betreiber Tepco so schnell wie möglich Millionen Liter radioaktive Brühe aus der Anlage pumpen und in eine Entsorgungsanlage bringen.

Mehr als vier Wochen nach dem verheerenden Erdbeben vom 11. März mit der Stärke 9,0 und dem folgenden Tsunami gelten 14.300 Menschen als vermisst. Rund 150.000 Menschen leben noch immer in 2400 Notunterkünften. Japan gedachte am Montag in den Notlagern, an Arbeitsplätzen und Schulen im ganzen Land mit Schweigeminuten seiner Opfer, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete. Insgesamt wird von 28.000 Toten ausgegangen.

be/DPA DPA

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