Urteil Muslimisches Mädchen muss schwimmen


In Nordrhein-Westfalen muss ein muslimisches Mädchen weiter am gemischten Schwimmunterricht in der Schule teilnehmen. Die Eltern hatten Bedenken geäußert und waren vor Gericht gezogen. Doch das Verwaltungsgericht folgte der Argumentation nicht.

Trotz religiöser Bedenken seiner Eltern muss ein muslimisches Mädchen in Remscheid weiter am gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen teilnehmen. Zwar seien die Gewissensgründe der zwölf Jahre alten Realschülerin plausibel, urteilte das Düsseldorfer Verwaltungsgericht (Az.: 18 K 301/08).

Der Schule könne jedoch nicht zugemutet werden, nach Geschlechtern getrennte Schwimmstunden zu organisieren. Die Eltern hatten argumentiert, die islamische Kleiderordnung verpflichte das Mädchen, seinen Körper vor fremden Blicken zu schützen.

Die Anwälte der Familie kündigten Berufung gegen die Entscheidung an. Im Mai 2005 hatte die Düsseldorfer Kammer bereits eine ähnliche Klage abgewiesen. Das Urteil gegen die Eltern eines 11-jährigen muslimischen Jungen galt damals als bundesweiter Präzedenzfall. "Der Streitpunkt ist auch hier der schonende Ausgleich zwischen zwei Grundrechten: dem staatlichen Bildungsauftrag und der persönlichen Religionsfreiheit", sagte der Vorsitzende Richter Uwe Sievers. Weil der größte Teil des Schwimmunterrichts aber im Wasser stattfinde, könne man die "Körperkonturen" des Mädchens nur schwer erkennen. "Der Eingriff in die Religionsfreiheit durch den Bildungsauftrag ist in diesem Fall daher nachrangig", hieß es in der Urteilsbegründung.

Allerdings bleibe es eine wichtige Aufgabe der Schule, die Belange islamischer Mädchen zu berücksichtigen. Einzelkabinen zum Umziehen und "akzeptable Schwimmkleidung" wie Leggins oder Bermuda-Shorts seien denkbare Kompromisse.

DPA DPA

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