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US-Radiomoderator Scott Simon: Twitter-Protokoll vom Sterbebett der Mutter

US-Radiomoderator Scott Simon twittert vom Krankenbett seiner Mutter. Es ist eine Liebeserklärung eines erwachsenen Sohnes an seine sterbende Mutter, die eine ganze Nation zu Tränen rührt.

Von Frank Siering, Los Angeles

Die Einträge sind kurz und emotional. "Ich weiß nicht, wie wir die nächsten Tage überstehen sollen. Und dennoch möchte ich, dass sie niemals enden", schreibt US-Moderator Scott Simon am 27. Juli auf seinem Twitterprofil. Und einen Tag später: "Wenn wir doch nur begreifen würden wie wenig gemeinsame Zeit uns noch bleibt..." Scott Simons Twitter-Protokoll vom Sterbebett seiner Mutter in einem Krankenhaus in Chicago rührt eine ganze Nation zu Tränen.

Simon ist ein bekannter Radiomoderator in Amerika. Er arbeitet für den öffentlich-rechtlichen Sender National Public Radio (NPR). Als seine Mutter Patricia Lyons Simon Newman Mitte Juli wegen ihres Krebsleidens auf die Intensivstation eingeliefert werden muss, setzt sich der 61-jährige Reporter neben ihr Bett und fängt an zu schreiben.

Kurze Botschaften, Momentaufnahmen für seine 1,2 Millionen Twitter-Anhänger. Am 27. Juli schreibt er zum Beispiel: "Wir hören gerade La Bohème. Meine Mutter kann nicht einschlafen. 'Vielleicht hilft mir ja die Oper. Ich bin immer eingeschlafen, wenn ich in die Oper gegangen bin.'" Am Tag darauf notiert Simon folgende Sätze: "Mitten in der Nacht wackeln meine Knie. Ich halte mich am Arm meiner Mutter fest, weil ich ihre Stärke brauche - noch immer."

Es ist eine Liebeserklärung eines erwachsenen Sohnes an seine sterbende Mutter. Kleine Minutenprotokolle aus den letzten Stunden einer Mutter-Sohn-Beziehung. Und ganz Amerika liest aufmerksam mit: Wie sie noch einmal zusammen alte Filme anschauen, einander festhalten, sich umarmen, gemeinsam alte Lieder singen. Momente, die Söhne und Mütter mit den Jahren vergessen zu teilen.

Scott Simon hat sie wiederentdeckt. Für sich, für seine Follower, für eine ganze Nation. Es gibt in den USA kaum eine Publikation, die seine Twitter-Momente nicht veröffentlicht. Viele TV-Moderatoren haben Tränen in den Augen als sie Simons Tweets vorlesen. Tweets wie dieser vom 28. Juli: "Ich liebe es, die Hand meiner Mutter zu halten. Das habe ich nicht mehr getan seit ich neun Jahre alt war. Warum habe ich damit aufgehört? Ich dachte, dass sei unmännlich. So ein Schwachsinn."

Am Abend des 29. Juli ist die Mutter von Scott Simon gestorben. "Der Himmel von Chicago hat sich geöffnet. Patricia Lyons Simon Newman hat die Bühne betreten", twittert der 61-Jährige. Im Moment des Todes habe sie die Hand ihres Sohnes gehalten, schreibt Simons. Wie früher, als Scott noch ein kleiner Junge war und sie ihm über die Straße helfen musste.