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US-Spielzeug: Wie Jesus in den Wal-Mart kam

Der religiöse Eifer in Amerika kennt keine Grenzen: Nun sollen schon die Kleinsten mit christlichem Spielzeug missioniert werden. Die Handelskette Wal-Mart vertreibt Jesus, Samson und Co. als Plastik-Actionfiguren.

Von Angelika Dehmel

Sie heißen nicht Barbie und Skipper, sondern Abigail und Leah. Zum Zubehör der Puppen gehört eine Bibel, zwei Plätzchen-Ausstecher und ein Backrezept. Kurzum: Mit den "P31-Dolls" der Firma "One2believe" sollen Mädchen spielerisch ihre christliche Zukunft einüben. "Gott möge diese Puppen dazu nutzen, um die Mädchen zu Frauen im Sinne Salomons und der Bibel zu formen", heißt es auf der Homepage von "One2believe".

In den USA haben viele christliche Gemeinschaften entdeckt, dass man mit Spielzeug bereits im Kinderzimmer missionieren kann. "One2believe"-Gründer David Socha nimmt diese Mission sehr ernst und führt einen "Kampf für die Spiele-Box", die er auf seiner Seite zusammen mit den "P31-Dolls" verbreitet. Als Supermann-Ersatz offeriert die Box die "Spirit-Warrior"-Figuren Samson und Goliath. Wer nicht nur spielen, sondern auch zuhören will, wählt die "Messenger of Faith", kleine Puppen mit Lautsprecher, die auf Knopfdruck Bibelverse rezitieren.

Kampf um den Supermarkt

Seit August gibt es die Produkte von David Socha nicht nur im Internet. 425 Wal-Mart-Filialen in den USA werden nach und nach das Glaubensspielzeug in ihr Sortiment aufnehmen. Marissa Bluestone, Sprecherin des Wal-Mart Konzerns, sagte stern.de, man nutze einfach nur eine "sales opportunity", eine Chance auf ein gutes Geschäft. Die Frage, ob die Initiative dazu von "One2believe" oder Wal-Mart ausging, wollte sie nicht beantworten. Der Konzern bietet das Bibel-Spielzeug vor allem in den Filialen an, in denen der Bibelumsatz besonders hoch ist. Die Figuren kosten zwischen fünf und 20 Dollar.

Josh Livingston, Sprecher von "One2believe", hofft nun auf das große Geschäft. Der Kampf um das Wal-Mart-Regal habe erst begonnen, da noch nicht alle 425 Geschäfte die Spielsachen in ihrem Sortiment hätten. Livingston sagte, sie bekäme online auch Bestellungen aus Europa, doch bisher eher sporadisch: "Die hohen Frachtkosten schaden dem Geschäft." Gleichwohl will das Unternehmen das Sortiment zügig ausweiten: Die sprechenden Puppen sollen Gott künftig nicht nur auf Englisch sondern auch in anderen Sprachen preisen.

Kein "Kampf gegen Barbie"

Religiöses Spielzeug dieser Art gibt es in Deutschland bisher nicht. "Davon haben wir noch nichts gehört", so Steffen Kahnt, stellvertretender Geschäftsführer vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels e.V. Im Zuge des Weihnachtsgeschäfts gebe es zwar Krippen, die seien jedoch oft eher für Erwachsene geeignet. Playmobil habe auch eine Arche Noah im Angebot, die sei aber sicher wegen der vielen Tiere ein Verkaufsschlager. Die Idee, Religion für Kinder "anfassbar" zu machen, findet Kahnt gut. Die Absatzchancen für Bibel-Action-Figuren sieht er in Deutschland aber eher skeptisch: "Wal-Mart startet in den USA auch erst einmal einen Testballon". Die Deutschen seien zudem nicht so religiös wie die Amerikaner, was einen erfolgreichen Verkauf sicher erschwere.

Auch Andreas Fincke, Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, wusste bisher nicht von der Existenz solch sakralen Kampf-Spielzeugs. Er könne deswegen kaum etwas darüber sagen, betonte aber: "Die Kirchen freuen sich eigentlich gar nicht darüber." Er habe bereits Schwierigkeiten gehabt, als sein Kind mit der Playmobil Arche Noah gespielt habe: "Es war irgendwie peinlich, die Geschichte der Arche ins Banale gebrochen."

Andere bestreiten, dass religiöses Spielzeug überhaupt etwas Innovatives sei. "Das ist gar nichts Neues, es gibt längst Bilderbücher mit religiösen Spielelementen", sagt Barbara Leicht, Pressesprecherin des Katholischen Bibelwerks. Sie schränkt jedoch ein, dass "wir deswegen nie einem Kampf gegen Barbie führen würden". Jesus-Actionfiguren auf dem deutschen Markt könne sie sich schwer vorstellen. Das sei höchstens etwas für eine kleine Nische.

Der Papst als Plüschfigur

Nicht so in Amerika, denn neben "One2believe" sind längst weitere Produzenten an den Start gegangen. Der Hersteller "J-Zoo, Inc." gibt Eltern den Rat, ihre Kinder mit "Heiligen statt mit Plastikgören"" zu umgeben und verkauft auf "store.faithdolls.com" Puppen, die mitunter auch Nonnenschleier tragen. Mutter Theresa und Papst Johannes Paul II sind als kuschelige Plüschfiguren im Angebot. Auch für kleine Jungen haben bibelfreundliche Spielzeugproduzenten etwas zu bieten. Bei "trainupachild.com" können Eltern für ihren kleinen Nachwuchschristen Figuren von Adam, Eva oder Moses bestellen, politisch korrekt entweder mit weißer oder schwarzer Hautfarbe.

Der religiöse Sturm auf das Kinderzimmer muss sich indes auch einer Gegenbewegung stellen. Der "Jesuschristsuperstore" zum Beispiel verulkt den religiösen Feuereifer. Die Website ruft ironisch dazu auf, sich den "sexy Sekten anzuschließen, die unsere Welt in den Zustand gebracht haben, in dem sie jetzt ist". Entsprechend kurios sieht das Angebot aus: ein kämpfender Dalai-Lama, ein mit Kreuznägeln um sich werfender Ninja-Messias oder ein islamischer Bombenattentäter. Dieser Gotteskrieger ist komplett "mit Maschinengewehr und einem Laser ausgerüstet, der mit heiligen Visionen den perfekten Zielblick garantiert". Religiös korrekt ist allein die Allah-Action-Figur: die Schachtel ist leer - eine Umsetzung des Gebots, sich kein Bild von Allah zu machen.

Jesus in der Probezeit

Die "One2believe"-Puppen stehen zunächst auf Bewährung in den Wal-Mart-Regalen. "Es ist bisher nur ein Versuch", betonte Wal-Mart Sprecherin Bluestone. Wenn niemand das Spielzeug kauft, werden all die Samsons, Goliaths und Marias wieder in der Versenkung des Internetshops verschwinden. Das wäre wohl ein großer Schlag gegen das Ziel von David Socha, Kinder mit "wahren Superhelden" zu echten Christen zu erziehen. Auf seiner Homepage können Interessierte deswegen Poster und Flyer herunterladen, um Werbung für die Produkte zu machen - und zu beten. Für den Kampf im Kinderzimmer.