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Rassismus: Frau ruft Polizei, weil schwarzer Babysitter mit weißen Kindern unterwegs ist

Ein afroamerikanischer Babysitter für zwei weiße Kinder? Das erschien einer Frau in den USA so mysteriös, dass sie den Mann und die Kinder bis zur Haustür verfolgte und anschließend die Polizei rief. Der Babysitter hat den Vorfall mit Live-Videos dokumentiert.

Screenshot aus einem Facebook-Live-Video von Corey Lewis

Babysitter Corey Lewis hat den unglaublichen Vorfall in insgesamt drei Facebook-Live-Videos dokumentiert

Auch, wenn man es kaum glauben kann: Diese Geschichte hat sich tatsächlich so im Jahr 2018 in den Vereinigten Staaten von Amerika zugetragen. Corey Lewis, afroamerikanischer US-Bürger, war mit zwei weißen Kindern, die er als Babysitter betreut, gerade dabei ein Sandwich-Restaurant zu verlassen, als ihn auf einem Parkplatz plötzlich eine Frau verfolgte. So beschreibt Lewis selbst die Situation, die sich am Sonntag in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) abgespielt hat.

Er sitzt mit den beiden Kindern in einem stehenden Auto, als er das erste von insgesamt drei Facebook-Live-Videos startet: "Ich mache gerade Babysitting. Seht hier, ich habe zwei Kinder auf der Rückbank sitzen. Wir kamen gerade von Subway im Wal Mart und jetzt folgt mir diese Lady hier." In dem Video zeigt er sich selbst, die Kinder und das Auto, in dem die Frau sitzen soll.

I’m being harassed because I’m with 2 kids that do not look like me. 💔 #InspiredByLewis

Gepostet von Corey Lewis am Sonntag, 7. Oktober 2018

Dann erzählt Lewis, dass die Frau ihn verfolgen würde, weil er auf der Rückbank zwei Kinder sitzen habe, die nicht so aussehen wie er.

USA: Misstrauische Frau verfolgt Babysitter und die Kinder bis zum Haus

Kurz zuvor habe ihn die Frau angesprochen und gefragt, ob sie mit einem der Kinder sprechen könne. Sie wolle fragen, ob das Kind wisse, wer Lewis ist. Der Babysitter verweigerte. Deshalb habe die misstrauische Frau damit gedroht, die Polizei zu rufen. Doch die Geschichte ist damit noch lange nicht zu Ende. In einem zweiten Live-Video, das Lewis aus dem mittlerweile fahrenden Auto streamt, erklärt der sichtlich aufgewühlte Lewis, dass die Frau ihn immer noch verfolge – mittlerweile schon bis zu seinem Haus. Dann steigt er aus und filmt das Auto seiner Verfolgerin. Immer wieder sagt er: "Und das alles nur, weil ich mit zwei Kindern unterwegs bin, die nicht so aussehen wie ich. (...) Das ist verrückt!" Das seien Dinge, mit denen er als schwarzer Mann im Jahr 2018 umzugehen habe. Während Lewis die Videos aufnimmt, sitzen die verunsicherten Kinder weiter im Auto. Lewis steigt aus und streamt die Situation abwechselnd im Selfiemodus und mit der Frontkamera.

Nach der Verfolgung: Frau ruft die Polizei

Im dritten und letzten Live-Video sieht man, wie ein Polizeiauto auf Lewis' Auto zufährt. Ein Polizist steigt aus und fragt: "What's up?". Lewis erklärt, dass er verfolgt und belästigt werde. Der Beamte scheint den Notruf der Frau nicht wirklich nachvollziehen zu können. Er wirft einen kurzen Blick in das Auto und bittet die Kinder, aus dem Auto zu kommen. Beide versichern, dass Corey Lewis auf sie aufpasst und sie von einer Frau im Auto verfolgt werden.

This lady from Walmart harassed, followed, & called the cops on me. ALL because I’m black and have 2 white kids with me. 💔💔 #Inspired By Lewis

Gepostet von Corey Lewis am Sonntag, 7. Oktober 2018

"Was zur Hölle ist los mit diesem Land?!"

Am Ende des letzten Live-Videos kommt eine weitere Afroamerikanerin hinzu. Sie zeigt ihre Empörung über die Situation ganz offen: "Was zur Hölle ist los mit diesem Land?" Mehrere Minuten stehen die eingeschüchterten Kinder vor dem Polizeibeamten, der in dem Video entspannt wirkt. Die drei Videos gingen viral und wurden mittlerweile über eine Million Mal aufgerufen und tausendfach kommentiert und geteilt. Der Vorfall hat in den USA eine neue Debatte über "Racial Profiling", das gezielte verdächtigen von Personen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft, ausgelöst. Verschiedene TV-Sender haben Corey Lewis, der hauptberuflich mit Kindern arbeitet, zu dem Vorfall interviewt.

Auch die Mutter der beiden Kinder hat sich schockiert gezeigt und gegenüber "Good Morning America" erklärt, dass sie es kaum glauben konnte, als sie einen Anruf der Polizei bekam. Ein Polizeibeamter habe sie darum geben, zu bestätigen, dass sie Lewis kennt. Wie die Mutter einräumte, sei dem Polizist der Anruf "peinlich" gewesen. Er habe "entschuldigend" gewirkt. Der Vorfall aus Atlanta zeigt, wie sehr Rassismus auch heute noch in der US-Gesellschaft verankert ist. Wegen solcher Ereignisse und Polizeigewalt gegen Schwarze hat die #BlackLivesMatter-Bewegung in den letzten Jahren landesweit großen Zulauf gehabt.

hh