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Indianer sind brüskiert: Papst spricht umstrittenen Missionar heilig

Während seines USA-Besuchs hat Papst Franziskus den Franziskanermönchs Junípero Serra heiliggesprochen - ein Affront für die Nachkommen der Ureinwohner: Sie werfen Serra "Versklavung und Genozid" vor.

Bürger protestieren in Los Angeles gegen die Heiligsprechung von Junipero Serra: Der Franziskanermönch soll im 18. Jahrhundert Indianer unterdrückt haben.

Bürger protestieren in Los Angeles gegen die Heiligsprechung von Junipero Serra: Der Franziskanermönch soll im 18. Jahrhundert Indianer unterdrückt haben.

Auf seiner ersten USA-Reise hat Papst Franziskus den umstrittenen Missionar Junípero Serra heiliggesprochen, der im 18. Jahrhundert den Katholizismus nach Kalifornien brachte. Serra werde in die Gemeinschaft der Heiligen aufgenommen, sagte der Papst bei einem Gottesdienst in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Washington.

Für die indianische US-Bevölkerung bedeutet diese Ehrung eine Provokation. Erst kürzlich forderten in einer Online-Petition mehr als 10.600 Menschen den Papst auf, von der Heiligsprechung abzusehen: Der Missionar stehe für die "Ausbeutung, Unterdrückung, Versklavung und den Genozid an tausenden indigenen Kaliforniern".

Indianische Stämme protestieren

Die katholischen Missionen seien wahre "Todeslager" gewesen, urteilte der Autor Elías Castillo, der ein Buch über die Versklavung der Indianer in Kalifornien geschrieben hat. Zehntausende seien gestorben. Der Sprecher des Volks der Kizh Gabrieleño im Großraum Los Angeles reagierte empört: "Wir wehren uns entschieden dagegen, dass der Mörder unseres Volks und unserer Kultur in den Heiligenstand erhoben wird", sagte Toypurina Carac. "Es überrascht uns sehr, dass ein moderner, fortschrittlicher Papst wie Franziskus so etwas vorantreibt."

Der Erzbischof von Los Angeles, José Gómez, verteidigte die Pläne des Papstes als "Geschenk für Kalifornien und Amerika". Zwar räumte er ein, dass die Heiligsprechung vergangenes Unrecht während der Missionierung und Kolonialherrschaft ins Gedächtnis rufe. Gleichzeitig verwies er aber auf die Erklärung von Papst Johannes Paul II., der die amerikanischen Indianervölker 1992 um Entschuldigung bat für das Leid, das ihnen angetan wurde.

Streit um Serras Umgang mit Ureinwohnern

Nach Einschätzung des Historikers Steven Hackel war Serra bereits zu Lebzeiten "eine umstrittene Figur". Er sei jähzornig und stur gewesen. Für die Ureinwohner habe das Leben in den Missionen einen Verlust ihrer Freiheit bedeutet. Die Indianer seien gezwungen worden, eine fremde Sprache zu lernen, viele seien zwangsverheiratet worden. Viele Ureinwohner seien den von den Europäern eingeschleppten Krankheiten wie Masern und Pocken zum Opfer gefallen.

Serra-Biograf Gregory Orfalea beurteilt das Vermächtnis des Geistlichen positiver. Der Pater habe die Indianer oft gegenüber den Behörden der spanischen Kolonialmacht verteidigt. Der dramatische Rückgang der indianischen Bevölkerung in Kalifornien sei erst Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgt, als viele von ihnen während des Goldrauschs von weißen Siedlern getötet wurden.

 

las/DPA
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