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USA-Reise des Papstes: Zehntausende jubeln bei Abschlussmesse

Sechs Tage voller Reue und Ermutigung: Papst Benedikt XVI. verurteilte auf seiner sechstägigen USA-Reise die Abtreibung, rief zur Achtung der Menschenrechte und zur "Reinigung" der Kirche nach den sexuellen Missbrauchsfällen auf. Amerikas Medien zeigten sich begeistert.

Papst Benedikt XVI. hat seine sechstägige USA-Reise beendet. Er bestieg auf dem Kennedy-Airport in New York ein Flugzeug, das ihn zurück nach Rom bringen sollte. US-Vizepräsident Dick Cheney verabschiedete das katholische Kirchenoberhaupt auf dem Flughafen. Zuvor hatte der Papst vor rund 57.000 Menschen eine Messe unter freiem Himmel im Yankee-Stadion gefeiert und mit einem Gebet am Ground Zero in New York an die Anschläge vom 11. September 2001 erinnert. In dem Gebet für die Anschlagsopfer und ihre Hinterbliebenen bat er um Trost und Kraft für jene, die die Attentate überlebt haben, sowie um Mut und Weisheit zum unermüdlichen Einsatz für eine friedliche Welt.

Zuvor hatte er bei einer Messe vor 60.000 Gläubigen in New York die Abtreibung verurteilt. Der Respekt vor dem Leben jedes einzelnen Menschen schließe auch den Schutz der Ungeborenen im Mutterleib ein. Zugleich rief er alle Christen auf, sich für die Armen und Schwachen stark zu machen sowie für diejenigen, "die keine Stimme haben" in der Gesellschaft.

US-Medien feierten den Besuch des deutschen Kirchenführers überwiegend als Erfolg. "Er hat das Bild des vermeintlich so kühlen und harten Papstes korrigiert", meinte der amerikanische Vatikan-Experte John Allen.

Frieden für die Opfer des elften Septembers

Ein letzter Höhepunkt war das Gebet Benedikts für die Opfer der Terrorangriffe vom 11. September 2001. Der Papst kniete am "Ground Zero", dem Ort des Anschlags in Manhattan, für mehrere Minuten nieder und betete. "Wir bitten Dich in Deiner Güte, all denen, die hier starben, ewige Erleuchtung und Frieden zu geben", sagte der römisch-katholische Kirchenführer. Er schloss die Täter, die die Anschläge unternommen hatten, mit in sein Gebet ein. "Führe diejenigen, deren Herzen und Seelen von Hass verzehrt werden, zu Deinem Weg der Liebe."

Am Freitag hatte das Kirchenoberhaupt vor den Vereinten Nationen am Hauptsitz in New York eine Grundsatzrede gehalten. Es war der politische Höhepunkt des Papstbesuches. Papst Benedikt XVI. rief darin zur Achtung der Menschenrechte auf - sie seien der Schlüssel zur Lösung der meisten Probleme auf der Welt. Dabei sei der Einsatz der Vereinten Nationen unverzichtbar, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Benedikt warnte davor, dass sich das System der internationalen Zusammenarbeit immer noch in einer Krise befinde, da sich die Entscheidungsmacht in der Hand einiger weniger Länder befinde. Die Weltgemeinschaft müsse sich der dringlichen Probleme gemeinsam annehmen, forderte der Papst.

Für eine "Reinigung" der katholischen Kirche

Zentrales Thema des Besuchs waren aber die sexuellen Missbrauchsfälle durch US-Priester, die die amerikanische Kirche seit Jahren tief erschüttert. Benedikt verlangte eine "Reinigung" der Kirche, Hilfe und Fürsorge für die Tausenden Opfer sowie alle Bemühungen, um eine Wiederholung auszuschließen. Der Skandal hatte die Kirche in den USA 2002 tief erschüttert und die Diözesen insgesamt zwei Milliarden Dollar Schadensersatz gekostet. Überwiegend begrüßt wurde es, dass er sich mit einer kleinen Gruppe von Opfern traf. Nach Angaben der "New York Times" plant der Vatikan eine Änderung des Kirchenrechts, um sexuelle Übergriffe durch Priester besser verfolgen zu können. Verbände der Opfer meinten, den Worten Benedikts müssten jetzt Taten folgen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters